Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kohlenstoffumsatz in Ökosystemen wird durch Landnutzung doppelt so schnell

23.08.2016

Um Klimawandel zu verstehen und weitere Entwicklungen verlässlicher vorhersagen zu können, ist mehr Wissen über den globalen Kohlenstoffkreislauf nötig. Bisher ist weitgehend unbekannt, wie lange Kohlenstoff in der Biomasse verbleibt, bevor er wieder in den Kreislauf, also in die Atmosphäre oder Böden, weitergegeben wird (biomass turnover time), und welche Faktoren diese zentrale Größe beeinflussen. Eine aktuelle Publikation in Nature Geoscience zeigt nun, dass sich die Geschwindigkeit des Kohlenstoffumsatzes in der Vegetation durch den Einfluss des Menschen verdoppelt.

„Eine der größten derzeitigen Unsicherheiten bei unserem Verständnis des Klimawandels betrifft die biomass turnover time, ein zentraler Ökosystemparameter, der bestimmt, wieviel Kohlenstoff der Atmosphäre durch die Ökosysteme entzogen wird und damit zentral für den Klimawandel ist“, erläutert Karl-Heinz Erb (Institut für Soziale Ökologie), der nun erstmals, gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen, den Einfluss der Landnutzung des Menschen auf diese Umwandlungszeit berechnet hat. Dazu wurde die Veränderung des Kohlenstoffumsatzes durch einen Vergleich der aktuellen Vegetation mit einem Status, der hypothetisch jede Landnutzung ausschließt, errechnet.


Traktor für Kohlenstoffumsatz

Dusan-Kostic-Fotolia

Quelle: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Die Ergebnisse, aktuell vorgestellt in Nature Geoscience, zeigen nun, dass der Kohlenstoffumsatz durch die Landnutzung doppelt so schnell abläuft. Erb erklärt weiter: „Die Beschleunigung betrifft alle Biome und ungefähr in gleicher Weise, aber es gibt entscheidende Unterschiede zwischen den Landnutzungstypen.

Die Umwandlung von Wald in Agrarflächen führt zu massiven Beschleunigungseffekten, aber auch die Nutzung von Wäldern und natürlichen Grasländern ist bedeutsam, wenn auch pro Flächeneinheit deutlich geringer. Aber deren Flächen sind, global gesehen, deutlich größer. Daher ist in Summe der Umbruch von Wäldern zu landwirtschaftlichen Flächen für 59 Prozent, die Forstwirtschaft für 26 Prozent und die Nutzung der natürlichen Weideflächen für 15 Prozent der Beschleunigung verantwortlich.

Insbesondere die Nutzung der Wälder und der natürlichen Grasländer ist in vielen Studien nicht berücksichtigt, und gerade hier ist die Datenlagen äußerst dürftig. Die Studie zeigt, dass ein verbessertes Wissen um die Nutzung dieser Ökosysteme zentral ist, um beispielweise die Vorhersagemöglichkeiten von Klimaentwicklungen zu erhöhen.“

Gefragt danach, was diese Beschleunigung des Kohlenstoffkreislaufs nun für den Menschen bedeute, führt Erb aus: „Wir wissen derzeit zwar, dass, aber noch nicht, wie viel sich dies auf den Klimawandel auswirkt.“ Sicher sei, dass der Bedarf an Biomasse derzeit massiv steigt, was zu einer weiteren Beschleunigung des Kohlenstoffkreislaufs führen könne.

Damit könnte die Senkenfunktion der Ökosysteme, also ihre Fähigkeit, Kohlenstoff der Atmosphäre zu entziehen und langfristig zu speichern, mehr und mehr verloren gehen. Diese Ergebnisse würden, so die AutorInnen, deutlich zeigen, dass Biomasse als Ressource nicht klimawandelneutral sei.

Erb, K.-H., Fetzel, T., Plutzar, C., Kastner, T., Lauk, C., Mayer, A., Niedertscheider, M., Körner, C., Haberl, H. (2016). Biomass turnover time in terrestrial ecosystems halved by land use. Nature Geoscience, 22. August 2016.

Weitere Informationen:

http://www.aau.at

Dr. Romy Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten