Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flussmündungen versinken langsam

22.09.2009
Globale Modellierung soll Aktivitäten aufzeigen

Viele der tiefliegenden Flussdelta der Welt sinken durch menschliche Aktivitäten ab, schreiben Forscher der University of Colorado in Boulder (CU-Boulder) im Wissenschaftsmagazin Nature Geoscience.

Dadurch sind zahlreiche Siedlungsgebiete in den Flussmündungen durch Überschwemmungen oder Stürme gefährdet. Im IPCC-Bericht von 2007 warnten die Experten noch vor den Gefahren durch die Klimaerwärmung. Die neue Studie sieht hingegen auch andere menschliche Faktoren als Ursache für das Absinken.

Das Forscherteam um James Syvitski von der CU-Boulder hat festgestellt, dass 24 der 33 großen Flussdeltamündungen in Asien und am Doppelkontinent Amerika in den vergangenen Jahren abgesunken sind. In 85 Prozent der Mündungen gab es zudem schwere Überschwemmungen, bei denen bis zu 160.000 Quadratkilometer überflutet wurden. Rund 500 Mio. Menschen leben in diesen Flussmündungsgebieten.

Ein Grund für das Absinken ist der Rückhalt der Sedimente, die normalerweise von den Flüssen mitgenommen und in den Reservoirs und Dämmen abgelagert werden. "Das so genannte grobe Geschiebe, darunter versteht man Material größerer Dimension bleibt in den Stauräumen hängen und damit ist der Weitertransport deutlich reduziert", erklärt Thomas Hein vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Universität für Bodenkultur und dem Wasserkluster Lunz im pressetext-Interview. "Der Feinsediment-Transport ist durch Veränderungen im Fluss und Einzugsgebiet ebenfalls stark beeinflusst und wirkt sich daher auch auf die Entwicklung der Flussdelta aus. Durch das fehlende Material kommt es nicht mehr zu den typischen Ablagerungen in Flüssen", so Hein. "Das bedeutet aber auch, dass das Flussdelta

empfindlicher gegen Erosion von der Meeresseite her ist."

Natürlich komme es auch auf die Nutzungs- und Verbauungsintensität im Einzugsgebiet und Delta selbst an. "Darüberhinaus wirken sich geänderte Klimabedingungen gerade in Deltaregionen massiv aus und zeigen deutlich, dass integrative Maßnahmen für einen Schutz dieser Siedlungs- und Lebensräume dringend erforderlich sind", meint Hein. Sicherungsmaßnahmen müssten das ganze Einzugsgebiet umfassen und an den Schnittstellen Fluss-Umland und der Flusslandschaftsgestaltung selbst so aussehen, dass man an den kritischen Punkten die wesentlichen Vorgänge ermittelt. "Es geht darum, das zu steuern, was speziell bei extremen Ereignissen bewegt wird oder zurückbleibt und so genannte Rückhalteräume zu schaffen", erklärt der Forscher. Um gezielte Maßnahmen zu ergreifen, müsse man ermitteln, was und wie viel woher kommt. "Neben dem Sedimenttransport ist auch die Nährstoffsituation durch diese Veränderungen massiv betroffen."

"Jährlich sind ungefähr zehn Mio. Menschen Opfer von schweren Stürmen", meint Studien Co-Autorin Irina Overeem. Eines der besten Beispiele dafür sei die Stadt New Orleans nach dem Hurrikan Katrina oder auch das Ganges-Brahmaputra-Delta in Indien und Bangladesch, dessen Überschwemmungen in diesem Jahr tausende Todesopfer forderte. Die Forscher gehen davon aus, dass ähnliche Katastrophen auch im tiefliegenden Mekong-Delta in Vietnam oder im Pearl River in China geschehen könnten. "Obwohl Menschen im täglichen Leben den Umgang mit den Flüssen gelernt haben, scheinen sie mit Stürmen und dem plötzlichen Anstieg des Wassers schlecht zurecht zu kommen", so die Autoren. Mithilfe des Community Surface Dynamic Modeling System (CSDMS), an dem hunderte von Wissenschaftler mitarbeiten, sollen globale Prozesse der Erde wie etwa Erosion und Überflutung modelliert werden. Die National Science Foundation finanziert das Projekt mit 4,2 Mio. Dollar.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.colorado.edu
http://www.boku.ac.at
http://www.wasserkluster-lunz.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen