Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Experten: Meeresspiegel könnte noch in diesem Jahrhundert um mehr als einen Meter ansteigen

22.11.2013
Werden die globalen Treibhausgasemissionen nicht verringert, könnte der Meeresspiegel bis 2100 um 70-120 Zentimeter ansteigen.

Das ist das Ergebnis einer breiten Expertenbefragung zum Meeresspiegel unter 90 Spezialisten. Der Umfrage zufolge erwarten die Experten bei ungebremstem Klimawandel bis 2300 einen mittleren Meeresspiegelanstieg von 200-300 Zentimetern.

Im Gegensatz dazu wird der Meeresspiegelanstieg in einem Szenario mit ambitioniertem Klimaschutz bis 2100 auf 40-60 Zentimeter und bis 2300 auf 60-100 Zentimeter geschätzt. Durchgeführt wurde die Befragung von einem Wissenschaftlerteam aus den USA und Deutschland.

„Während die Ergebnisse zeigen, dass der Meeresspiegel mit Klimaschutz langfristig auf einen Meter begrenzt werden könnte, stellt ein Szenario mit unverminderten Emissionen die Zukunft einiger Küstenstädte und tiefliegender Inseln infrage“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Aus einer Perspektive des Risikomanagements sind Projektionen zum Meeresspiegelanstieg etwa für die Planung von Küstenschutz oder für das Abwägen verschiedener Strategien zur Emissionsreduktion von großer Bedeutung.“

Projektionen zum Anstieg des Meeresspiegels bergen noch große Unsicherheiten, denn die verursachenden physikalischen Prozesse sind komplex. Dabei geht es etwa um die Ausdehnung der sich erwärmenden Ozeane, das Abschmelzen von Berggletschern, Eiskappen und der zwei großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis, sowie das Fördern von Grundwasser zu Bewässerungszwecken. Unterschiedliche Modellansätze führen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der kürzlich veröffentlichte Bericht des IPCC musste seine Projektionen im Vergleich zum letzten Bericht um etwa 60 Prozent nach oben korrigieren, und auch andere von Wissenschaftlergruppen erstellte Studien kamen auf höhere Werte. Der von Satelliten während der letzten beiden Jahrzehnte gemessene Meeresspiegelanstieg hat frühere Erwartungen übertroffen.

„Deshalb ist es nützlich, die Einschätzungen der Meeresspiegel-Experten zu kennen und transparent zu machen“, sagt Leitautor Benjamin Horton vom Institut für Meeres- und Küstenforschung der Rutgers University im US-amerikanischen New Jersey. „Wir haben die bislang größte Umfrage zum zukünftigen Meeresspiegelanstieg von neunzig objektiv ausgewählten Experten aus 18 Ländern vorgelegt.“ Die befragten Wissenschaftler wurden mithilfe der Internet-Datenbank ‚Web of Science’ von Thomson Reuters anhand wissenschaftlich geprüfter Publikationen seit 2007 identifiziert, um sicher zu gehen, dass nur aktive Forscher dieses Fachgebiets gefragt wurden. Neunzig Meeresspiegel-Experten aus aller Welt gaben ihre Einschätzung zum künftigen Meeresspiegelanstieg, jeder von ihnen hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens sechs wissenschaftlich begutachtete Studien zum Thema Meeresspiegel veröffentlicht.

Die Umfrage zeigt, dass die meisten Experten einen höheren Anstieg erwarten als der aktuelle IPCC-Bericht mit 28-98 Zentimetern bis 2100. Zwei Drittel (65%) geben für das obere Ende dieser Spanne einen höheren Wert an als der IPCC und bestätigen damit, dass die Projektionen des IPCC eher konservativ sind.

Die Experten der Befragung lieferten nicht nur eine „wahrscheinliche“ Bandbreite zum erwarteten Meeresspiegelanstieg, sondern auch eine Einschätzung der Grenze, die der Meeresspiegelanstieg mit 95-prozentiger Sicherheit bis zum Jahr 2100 nicht überschreiten wird. Diese Obergrenze ist für die Küstenschutzplanung relevant. Bei ungebremsten Emissionen gab die Hälfte der Experten (51%) diese Grenze mit 1,5 Metern oder mehr an, ein Viertel (27%) nannte 2 Meter oder mehr. Für das Jahr 2300 sieht eine Mehrheit der Experten (58%) diese Obergrenze bei 4 Metern oder höher.

Projektionen zum Meeresspiegel sind oft auf den relativ kurzfristigen Zeitraum bis 2100 fokussiert, der Meeresspiegel wird jedoch auch nach diesem Datum noch weiter ansteigen. „Ein Temperaturanstieg durch ungebremste Emissionen setzt Küstenregionen der Gefahr eines langfristigen Meeresspiegelanstiegs um mehrere Meter aus, das verdeutlichen sowohl die Ergebnisse der Umfrage als auch die des IPCC für den Zeitraum bis 2300“, sagt Rahmstorf. „Sie belegen jedoch auch die Möglichkeit, einen derart massiven Anstieg des Meeresspiegels durch eine erfolgreiche Reduktion von Treibhausgasemissionen noch zu verhindern.“

Artikel: B. P. Horton, S. Rahmstorf, S. E. Engelhart, A.C.Kemp: Expert assessment of sea-level rise by AD 2100 and AD 2300. Quaternary Science Reviews (2013) [doi: 10.1016/j.quascirev.2013.11.002]

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1016/j.quascirev.2013.11.002
Weblink zum Artikel

Jonas Viering | PIK Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Heidelberger Forscher untersuchen einzigartige Unterwasser-Tropfsteine
24.11.2017 | Universität Heidelberg

nachricht Umrüstung auf LED-Beleuchtung spart Energie und Geld, führt aber zu steigender Lichtverschmutzung
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie