Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für ein effektives und gerechtes Klimaabkommen

30.10.2009
Wuppertal Institut legt breit diskutierten Vorschlag zum Kopenhagener Klimagipfel vor

Als Ergebnis eines intensiven Forschungs- und Diskussionsprozesses liegt nunmehr der Vorschlag des Wuppertal Instituts für den im Dezember in Kopenhagen stattfindenden Klimagipfel vor. Er umfasst weitreichende Lösungswege für ein effektives und gleichzeitig gerechtes Abkommen, das sowohl Industrie - als auch die sogenannten Entwicklungsländer stärker für den internationalen Klimaschutz in die Pflicht nimmt. Die wichtigsten Eckpunkte sind:

- Die Leitmarke sollte sein, die Weltmitteltemperatur nicht mehr als 2 °C ansteigen zu lassen - ein Ziel, das sich die EU und viele andere Länder gesetzt haben. Um es mit einer einigermaßen hohen Wahrscheinlichkeit erreichen zu können, sollten alle Länder bis 2050 die globalen Treibhausgasemissionen um 80 % gegenüber dem Stand von 1990 mindern. Übertragen auf die zu erwartende Weltbevölkerung von rund 9 Mrd. Menschen heißt das eine Tonne pro Kopf und Jahr. Diese Vorgabe sollte für alle Länder gleichermaßen gelten, unabhängig von ihrem derzeitigen zum Teil deutlich höheren Emissionsniveau. (Für Deutschland haben vor kurzem erst die Prognos AG, das Öko-Institut und Dr. Ziesing in einer umfassenden Studie dargestellt, dass Emissionsminderungen von 95 %, und damit sogar 0,9 Tonnen pro Kopf bis 2050 möglich und bezahlbar sind.) Um dieses Langfristziel zu erreichen, sollten sich die Industrieländer in Kopenhagen verpflichten, ihre Emissionen bis 2020 um mindestens 40 % zu reduzieren. Drei Viertel davon, also mindestens 30%, sollten sie auf ihrem eigenen Territorium erbringen. Das verbleibende Viertel könnte bei Bedarf über die Emissionshandelsmechanismen des Kyoto-Protokolls erbracht werden.

- Zusätzlich sollten flankierende Ziele zur Senkung des globalen Energieverbrauchs und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien gesetzt werden, um dem Transformationsprozess die ausreichende Richtungssicherheit zu geben.

- Kurzfristig sollte ferner ein globales Investitionsprogramm aufgelegt werden, um den sogenannten Entwicklungsländern eine emissionsarme und klimawandel-resistente Entwicklung zu ermöglichen. Hier sollten die Industrieländer auf Grund ihrer historischen Verantwortung für das Klimaproblem und ihrer sehr viel höheren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Rahmen eines umfassenden Kooperationsmechanismus eine adäquate Finanzierungsverpflichtung übernehmen. Sie sollte äquivalent zu den Kosten einer weiteren 20%igen Reduktion ihrer Emissionen bis 2020 bemessen sein. Vorzugsweise sollten die Gelder aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten kommen, entweder auf internationaler Ebene oder in nationalen Systemen wie dem EU-Emissionshandel.

- Als ihren Beitrag sollten insbesondere die größeren der so genannten Entwicklungsländer umfassende Strategien für eine emissionsarme Entwicklung aufstellen und zuverlässig umsetzen. Auch die Industrieländer sollten ihrerseits offen legen, wie sie ihre nationalen und internationalen Verpflichtungen umsetzen wollen.

- Des Weiteren sollten alle Länder Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels entwickeln. Im Sinne der Kompensation für verursachte Schäden wären auch hier die Industrieländer in der Pflicht, die Entwicklungsländer umfassend zu unterstützen.

"Die erforderliche Finanzierung ist keine reine Hilfeleistung oder ein Almosen, sondern hier geht es um die gerechte Verteilung gemeinsamer Verantwortung für ein gemeinsames Problem", betont Projektleiter Wolfgang Sterk. Ihm und seinem interdisziplinären Forschungsteam kommt es darauf an, deutlich zu machen, dass die ambitionierten Ziele nur mit einem stabilen Finanzierungssystem und international transparenten Umsetzungsschritten auch erreicht werden können.

Bereits Ende Mai hatte die Autorengruppe einen ersten Entwurf vorgelegt, der auf der Homepage des Wuppertal Instituts veröffentlicht und u.a. auf Veranstaltungen breit diskutiert wurde. So bei einem Workshop mit Journalisten und bei den Klimaverhandlungen in Bonn im Juni. Der Vorschlag stand auch im Mittelpunkt eines Symposiums mit Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker und Prof. Klaus Töpfer als Redner und Gästen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Darüber hinaus wurde der Text von eingeladenen externen Experten einem Review unterzogen. In einem intensiven Forschungs- und Diskussionsprozess wurden die vielfältigen Anregungen aufgegriffen und zu dem nun vorliegenden Papier verdichtet, dass das Forschungsteam auf dem Weg nach Kopenhagen im Gepäck haben wird.

"Das Wuppertal Institut hat mit diesem Papier mehr als eine Vision formuliert", darauf weist sein amtierender Leiter, Vizepräsident Prof. Manfred Fischedick hin. "Seit seinem Bestehen hat es als politikberatendes Institut die internationalen Klimaverhandlungen aktiv begleitet. Angesichts neuer internationaler politischer Konstellationen und dramatischen Warnungen aus der Klimaforschung ist der Handlungsdruck für die internationale Gemeinschaft aber unglaublich hoch. Wir sind jedoch überzeugt", so Fischedick, "dass das Ruder noch herumgerissen werden kann und mit dem Vorschlag ein gangbarer, effektiver und gerechter Weg aufgezeigt wird."

Ansprechpartner: Wolfgang Sterk

Tel.: +49(0)202-2492-149
Email: wolfgang.sterk@wupperinst.org
Pressemitteilung des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie
ViSdP: Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident
Kontakt: Öffentlichkeitsarbeit, Dorle Riechert
Tel. +49 (0)202 2492-180, Fax +49 (0)202 2492-108
E-Mail: pr@wupperinst.org

Dorle Riechert | idw
Weitere Informationen:
http://www.wupperinst.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

nachricht Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bewohner der Arktis aus?
18.05.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie