Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biosphärenreservate und ihr wirtschaftlicher Nutzen

25.02.2011
Wo übernachten Sie? Wie viel Geld geben Sie hier aus? So mancher Tourist in der Rhön und im Vessertal in Thüringen hat diese Fragen schon gehört – von Studierenden der Universität Würzburg. Die jungen Leute arbeiten an einer Studie mit, die den regionalökonomischen Nutzen von Biosphärenreservaten ergründen will. Bald sollen Befragungen auch im Pfälzerwald, im Spreewald und auf der Insel Rügen laufen.

Biosphärenreservate besitzen nach Definition der UNESCO eine schützenswerte Landschaft, Flora und Fauna. Wirtschaftlich sollen sie mit nachhaltigen und schonenden Maßnahmen vorbildhaft entwickelt werden. Was bringen solche Schutzgebiete der jeweiligen Region? Diese Frage untersucht Geographie-Professor Hubert Job mit seinem Team von der Universität Würzburg.

Für die deutschen Nationalparks kennen die Geographen die Antwort schon. Im Bayerischen Wald zum Beispiel geben die jährlich 760.000 Gäste doppelt so viel Geld aus, wie der Staat in den Park investiert: Sie sorgen für einen Jahresumsatz von 27,8 Millionen Euro. Und im Nationalpark Sächsische Schweiz lassen die jährlich 1,7 Millionen Besucher so viel Geld, dass damit – rein rechnerisch – der Lebensunterhalt von 1.880 Personen gesichert ist.

Die ökonomischen Effekte, die ein Schutzgebiet für die umliegenden Regionen hat, erfassen die Würzburger Forscher mit einer standardisierten Methode. Sie haben sie selbst entwickelt und in den vergangenen Jahren bei mehreren Nationalpark-Studien eingesetzt. Seit August 2010 ist das Team von Hubert Job nun in den Biosphärenreservaten Rhön und Vessertal-Thüringer Wald aktiv.

Vessertal: Schutzgebiet soll erweitert werden

Das Biosphärenreservat Vessertal östlich der Stadt Suhl gibt es seit 1979. Nun soll es erweitert werden, aber in der Bevölkerung stößt dieser Plan nicht nur auf Gegenliebe: Unter anderem befürchten die Bürger finanzielle Einbußen, etwa durch Einschränkungen in der forst- und landwirtschaftlichen Nutzung.

Das Thüringer Umweltministerium hat darum einen moderierten Diskussionsprozess gestartet. In diesem Zusammenhang hat es Professor Job damit beauftragt, die regionalökonomischen Effekte des Reservats zu ermitteln. Die Geographen erarbeiten zudem ein Szenario, das die Effekte bei einer Ausweitung des Reservats beschreiben soll.

Bis Juni 2011 zählen und befragen Mitarbeiter und Studierende der Universität Würzburg die Besucher an verschiedenen Standorten im Vessertal. Wie viele Gäste kommen dorthin, wie viele extra wegen des Biosphärenreservats? Wie viele übernachten in der Region und wo? Wie viel Geld geben sie durchschnittlich am Tag aus? Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher Ende 2011.

Rhön: Wertschöpfung und Dachmarke

Touristen befragt Jobs Team auch in der Rhön, doch dort stehen noch andere Aspekte im Mittelpunkt: Die Geographen untersuchen eine Stichprobe von rund 230 Firmen daraufhin, wie stark diese vom Tourismus profitieren und wie die Wertschöpfungsquoten für die Region ausfallen. Beispiel: Woher bekommen Hotels und Pensionen ihre Frühstücksbrötchen und Backwaren? Von einem Betrieb aus der Region oder von weiter her? Sprich: Wie viel „Brötchengeld“ bleibt in der Rhön, wie viel fließt in andere Regionen ab?

Zur Stärkung der Region hat sich in der Rhön eine Initiative gebildet. Eine ihrer Aktivitäten: Sie vergibt unter der Dachmarke „Die Rhön“ verschiedene Qualitätslabels zur Vermarktung regionaler Produkte. Fördert diese Strategie eine höhere regionale Wertschöpfung? Auch das wollen die Geographen herausfinden. Ihr Projekt führen sie im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durch; Ergebnisse werden für Ende 2011 erwartet.

Pfälzerwald, Spreewald, Südost-Rügen, Schaalsee

Um die ökonomischen Effekte des Tourismus in den deutschen Biosphärenreservaten noch besser beurteilen zu können, hat sich das Team von Professor Job weitere Studienobjekte vorgenommen: Im März 2011 starten Befragungen im Pfälzerwald, im Mai kommen der Spreewald und Südost-Rügen dazu. Diese Untersuchungen laufen im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Erste Resultate gibt es voraussichtlich im Herbst 2012.

Warum gerade diese Biosphärenreservate? „Wir haben vier Typen von Reservaten definiert und wollen jeweils einen davon genauer untersuchen“, sagt Doktorand Felix Kraus. Die Reservat-Typen unterscheiden sich in ihrem Bekanntheitsgrad und in dem Ausmaß, in dem sie das Siegel „Biosphärenreservat“ für Werbezwecke einsetzen.

Südost-Rügen zum Beispiel vertritt den Typ, der traditionell als Ferienregion sehr bekannt ist, viele Touristen anzieht und sich nicht besonders als Biosphärenreservat darstellt. Rhön und Pfälzerwald gelten als große, Spreewald und Vessertal als mittelgroße Regionen mit jeweils durchschnittlicher Orientierung am Status als Reservat. Als kleine Tourismusregion, die sehr stark mit dem Siegel „Biosphärenreservat“ für sich wirbt, möchten die Geographen schließlich die Region Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern in ihre Studie einbeziehen.

Buch: Tourismus in Nationalparks

Was bringen Nationalparks den Regionen? Die Ergebnisse seiner Studien zu dieser Frage hat Geographie-Professor Hubert Job von der Universität Würzburg 2009 veröffentlicht:

„Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen Nationalparken“, Hubert Job, Manuel Woltering und Bernhard Harrer, Heft 76 in der Schriftenreihe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz, 2009, 186 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-7843-3976-4

Kontakt

Prof. Dr. Hubert Job, Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung der Universität Würzburg, T (0931) 31-85552, hubert.job@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten