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Vulkanausbruch in Island führt zu Dürre in Afrika und Indien

24.11.2006
Modell soll Klimafolgen nach Eruptionen vorhersagen

Forschern der US-amerikanische Rutgers University ist es erstmals gelungen zu zeigen, wie sehr vulkanische Tätigkeiten sich auf das Klima in mehr als tausend Kilometer entfernten Gebieten auswirken. Eine Serie von heftigen Eruptionen in Island im Jahr 1783 haben demnach zu einem der kältesten Winter Europas und zu einer extremen Dürre in Ägypten geführt, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist http://www.newscientist.com . Die Forscher sagen, dass diese Erkenntnisse in Zukunft Klimaveränderungen nach Vulkanausbrüchen genauer vorhersagbar machen.

Die Eruptionen in Island haben im Juni 1783 begonnen und dauerten bis Feber 1784 an. Insgesamt wurden dabei zwölf Mrd. Kubikmeter Lava und mehr als 100 Mio. Tonnen Schwefeldioxid und andere giftige Gase in die Stratosphäre entlassen. Mindestens 9.000 Isländer sind damals ums Leben gekommen. "Wir waren nicht erstaunt darüber festzustellen, dass diese vulkanischen Aktivitäten zu einer Abkühlung Eurasiens geführt hat", meint Studien Co-Autor Alan Robock von der Rutgers University. So haben Untersuchungen an Baumringen in ergeben, dass der Sommer von 1784 der kälteste in 400 Jahren in Alaska und der kälteste in 500 Jahren in Sibirien war. Der Grund dafür liege nach Ansicht der Experten in der großen Menge Schwefeldioxid, das sich mit Wasser vermengt zu Schwefelsäure-Partikeln veränderte. Diese Partikel haben dazu geführt, dass das Sonnenlicht abgeblockt wurde.

Die Modelle haben aber auch gezeigt, dass es zugleich mit der Abkühlung Eurasiens zu einer Erwärmung Indiens und Afrikas gekommen ist. "Das haben wir nicht erwartet", meint Robock. Die Forscher haben dann aber entdeckt, dass die kälteren Temperaturen im Norden die Temperaturdifferenz zwischen den Landmassen Eurasien und Afrika und dem Indischen und Atlantischen Ozean verringerte. Dieser Temperaturgradient ist der Motor für den indischen und afrikanischen Monsun, bei dem Winde die Feuchtigkeit von den Ozeanen auf die Landmassen tragen. Dort bilden sich dann Regenwolken.

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Nach Aufzeichnungen des französischen Gelehrten Constantin Volnay waren die Wasserstände im Nil in den beiden Jahren 1783 und 1784 viel zu niedrig. Damals sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung am Nil durch die Trockenheit gestorben. In Untersuchungen der Wasserstände des längsten afrikanischen Stromes hatten die Forscher Datensammlungen, die bis zum Jahr 622 zurückreichten, untersucht. Tatsächlich waren die Werte dieser beiden Jahre Rekordtiefs. Ein weiteres Rekordtief erreichte der Strom 1912. In diesem Jahr kam es zu einer Eruption des Katmai in Alaska. Das Forscherteam hatte auch Beweise gefunden, dass 1783 in Indien eine Dürre herrschte.

Schon in vorhergehenden Studien wurde nachgewiesen, dass Eruptionen in den Tropen dazugeführt hatten, dass die Winter in der nördlichen Hemisphäre deutlich milder ausfielen. Für den Wiener Klimaexperten Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at ist eine solche Vorhersage durchaus nachvollziehbar. "Aus der Vergangenheit weiß man, dass bei Vulkanausbrüchen, wenn Partikel bis in die Stratosphäre gelangen, tatsächlich zu Temperaturveränderungen führen", so der Experte im pressetext-Interview. Das sei etwa beim Ausbruch des Pinatubo festgestellt worden, der zu einem Kühlungseffekt geführt hat. "Allerdings hatten die brennenden Ölfelder in Kuwait beispielsweise zu keiner überregionalen Temperaturveränderung geführt, da diese Teilchen nur bis in die Troposphäre gelangt sind." Es komme also in erster Linie darauf an, wie hoch eine solche Eruption sei.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rutgers.edu

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