Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Heidelberger Akademie der Wissenschaften entdecken ungewöhnliches Felsbild in Pakistan

20.02.2006


Buddha-Darstellungen dieser Art waren in der Region bislang unbekannt -"Diese Galerien sind wie ein Tunnel in die Vergangenheit"


Dieses Jahr gelang ein ungewöhnlicher Fund. Ein zwei Meter langer Felsblock, auf dem zwei sitzende Buddhas, wohl aus dem 7. oder 8. Jahrhundert stammend, einen Stupa flankieren. Daneben wurde der Stiftername eingemeißelt. Ähnliche Darstellungen sind bislang nur aus der buddhistischen Kunst Ostasiens bekannt. Foto: privat)


Die örtlichen Goldwäscher, sie nennen sich Soniwal, setzen die Forscher täglich mit dem Floß über. In ihrer Mitte: Harald Hauptmann. Die Flussquerung ist nicht ungefährlich, denn ein Sturz in die eiskalten Fluten kann tödlich enden. (Foto: privat)



Im Schatten des mächtigen Achttausenders Nanga Parbat, in der Hochgebirgsregion Nordpakistans, dort wo Hindukusch, Himalaya und Karakorum zusammenstoßen, strömt seit Urzeiten der Indus. Seine Quellen liegen jenseits der ewig vergletscherten Höhen in Tibet am heiligen Berg Kailasch. Doch schon bald schwillt er zu einem mächtigen Strom an, tief hat er sein Bett in die Schluchten eingegraben. Er prägt diese urtümliche Landschaft. Just hier, in dieser abgeschiedenen Region, liegt eine einzigartige Ansammlung von Felsbildern, die zu den bedeutsamsten weltweit zählt. Mehr als 50.000 Felszeichnungen und rund 5.000 Inschriften wurden über die Jahrtausende auf den blanken Fels eingraviert. Die ersten stammen aus der Jungsteinzeit vor 6.000 Jahren, die jüngsten datieren etwa auf das 14. Jahrhundert.

... mehr zu:
»Feldforschung »Indus »Inschriften


Im Oktober kehrten die Heidelberger Forscher von ihrer jüngsten Kampagne zurück, derzeit arbeiten sie die Ergebnisse ihrer Feldforschung auf. Hunderte von Fotos, Skizzen und die von den Karlsruher Geodäten gesammelten Vermessungsdaten müssen nun systematisiert und interpretiert werden. Dieses Jahr gelang eine ungewöhnliche Entdeckung: "Wir fanden ein einzigartiges Bild mit zwei auf einem gemeinsamen Sockel sitzenden Buddhas, die einen sogenannten St?pa, also ein sakrales Monument, flankieren. Diese Darstellung ist deshalb so besonders, da wir vergleichbare Motive bislang nur aus der buddhistischen Kunst Ostasiens kennen", erklärt Hauptmann. Der Steinblock ist zwei Meter lang und anderthalb Meter hoch, vermutlich wurde das Bild nebst zugehörigem Stifternamen im 7. oder 8. Jahrhundert eingemeißelt. Bisher wurden rund 10.000 Gravuren aufgenommen, die dann in der Heidelberger Akademie von Ditte Bandini und Martin Bemmann in eine Datenbank eingespeist und in Buchform publiziert werden. Bisher liegen sieben Bände vor, auch dieses Jahr wird wieder eine wissenschaftliche Monographie erscheinen.

"Was diese Region kulturgeschichtlich einzigartig macht, das sind die vielfältigen Spuren verschiedenster Völker und Epochen", so Professor Harald Hauptmann. Seit 1989 leitet Hauptmann die Forschungsstelle "Felsbilder und Inschriften am Karakorum-Highway", der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. "Diese Galerien sind wie ein Tunnel in die Vergangenheit. Ein steinernes Buch, in dem Einheimische, aber auch viele Fremde ihren Namen oder Symbole ihrer Geisteswelt verewigt haben." Neben altindischen finden sich chinesische, baktrische, sogdische, mittelpersische Inschriften und sogar eine hebräische. Da hier ein Seitenzweig der Seidenstraße verlief, hinterließen feindliche Eroberer, friedliche Händler und buddhistische Pilger sowie Jäger und Bauern ihre Spuren. Die prähistorischen Felsbilder zeigen oft Darstellungen von Wildtieren, wie Steinbock, Markhor oder Blauschaf, aber auch Jagdszenen sowie Zeichnungen von rätselhaften Riesenfiguren und Hand- und Fußabdrücke.

Einmal im Jahr, stets im Spätsommer, reist Hauptmann mit einer Gruppe Heidelberger Forscher und Karlsruher Topographen für zwei Monate an, um archäologische Feldforschungen zu betreiben. Von Islamabad aus geht es mit Geländefahrzeugen zwei Tagesreisen nach Norden in die 400 Kilometer entfernte Distrikthauptstadt Chilas. Hier haben sich die Heidelberger mittlerweile einen Stützpunkt aufgebaut, denn gute Kontakte zur lokalen Bevölkerung sind für den Erfolg ihrer Forschungen entscheidend. Jahre dauerte es, bis man sie nicht mehr für Schatzjäger oder Goldsucher hielt. Der Einfluss der Zentralregierung in diesem halbautonomen Gebiet ist bei weitem nicht so stark, wie der der Stammesältesten und der sogenannten "Landlords". "Doch seit 20 Jahren haben wir einen festen einheimischen Mitarbeiter, er kennt das Gebiet wie seine Westentasche. Ihm haben wir viel zu verdanken, er stellte wichtige Kontakte für uns her."

Vor Sonnenaufgang beginnt für die Forscher der Arbeitstag, denn es gilt die kühlen Morgenstunden zu nutzen. Mittags herrschen meist Temperaturen von über 40 Grad Grad im Schatten und da es in der wüstenartigen Umgebung fast nur Sandflächen und Steine gibt, wird die Feldforschung dann für alle zur Tortur. Auch ist der tägliche Weg zu den Felsinschriften nicht ungefährlich. Es gilt mit einem Floß den reißenden Indus zu überqueren. Seine Fluten sind eiskalt, da es sich um Gletscherwasser handelt. "Wer hineinstürzt ist in Lebensgefahr", erklärt Hauptmann. "Wir vertrauen uns deshalb den einheimischen Goldwäschern an. Sie setzen uns täglich zweimal über, kennen jede Stromschnelle und Untiefe."

Rückfragen bitte an:

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

sowie

Prof. Dr. Harald Hauptmann
Forschungsstellenleiter
Forschungsstelle "Felsbilder und Inschriften am Karakorum-Highway"
Telefon: 06221/54 32 76
Fax: 06221/54 32 73
E-Mail: adw.kkh@gmx.de

Dr. Johannes Schnurr | idw
Weitere Informationen:
http://www.haw.baden-wuerttemberg.de/seiten/forschung/forschungsstellen/karakorum.php
http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/adw/
http://www.haw.baden-wuerttemberg.de

Weitere Berichte zu: Feldforschung Indus Inschriften

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon
22.11.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel begünstigt Methanfreisetzung aus Gewässern
22.11.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften