Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum braucht Europa ein Tsunami-Frühwarnsystem?

03.02.2005


Auch Europa wird von Riesenwellen bedroht. Deshalb ist nicht nur im pazifischen Raum Frühwarnung ein brandaktuelles Thema.
(Quelle: Forschungsstelle "Weltkarte der Tektonischen Spannungen")


Schematische Darstellung des Sumatra-Bebens: Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 entstand durch die "ruckartige" Relativbewegung der beiden Platten.(Quelle: GFZ Potsdam).


Auch die Atlantikküste und das Mittelmeer sind von Riesenwellen bedroht - "Daß wir in uns in Sicherheit wiegen, ist eine trügerische Illusion"


Das Erdbeben des 26. Dezember 2004 vor der Küste Sumatras und der davon ausgelöste Tsunami haben zu einer der größten Naturkatastrophen der Menschheit geführt. Ein vergleichbares Ereignis könnte, wie das Beben von Lissabon 1755 zeigte, auch die Küsten Portugals, Spaniens und Nordafrikas treffen. Europa wäre dann kaum besser vorbereitet als die Menschen in Südasien. Welche Lehren müßen wir also aus dem Sumatra-Beben ziehen? Welche Möglichkeiten haben wir, Voraussagen zu machen, Vorkehrungen zu treffen, rechtzeitig zu warnen? Diesen drängenden Fragen geht Professor Dr. Friedemann Wenzel von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften nach. "Wir dürfen auf Katastrophen nicht nur reagieren, sondern müßen ihnen vorbeugen. Die Frage der Katastrophenvorbeugung, insbesondere gegen Extremereignisse könnte sich für unsere Gesellschaften als eine Frage des Überlebens erweisen", so Wenzel. "Welche raumplanerischen und baulichen Schutzmaßnahmen getroffen werden können und wie die Bevölkerung auf den Ernstfall vorbereitet wird, das alles müßen wir jetzt ernsthaft diskutieren." Am 16. Februar um 19 Uhr laden die Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Landesakademie Baden-Württemberg) und die Universität Karlsruhe deshalb die Öffentlichkeit zu seinem Vortrag "Warum braucht Europa ein Tsunami-Frühwarnsystem?" in den Tulla-Hörsaal ein.

Wenzel leitet die Forschungsstelle "Weltkarte der tektonischen Spannungen" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Sie untersucht systematisch die tektonischen Spannungszustände der Erdkruste. Der in den letzten Jahren von der Forschungsstelle gewonnene Datensatz ist weltweit einmalig und wird in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungseinrichtungen wie auch der in diesem Bereich tätigen Industrie permanent aktualisiert. So ist es Wenzel und seinem Team mittlerweile möglich, durch numerische Simulationen regionale und lokale Spannungsverhältnisse der Erdkruste recht exakt zu berechnen. "Daß wir uns in Sicherheit wiegen, ist eine trügerische Illusion", so Wenzel. "Auch Europa ist von Naturkatastrophen bedroht, wir leben keineswegs in einer geologisch ruhigen Zone, wie ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt." Der Vulkanausbruch von Santorin zerstörte die minoische Kultur auf Kreta und blieb in unserem kulturellen Gedächtnis als der Untergang von Atlantis haften. Der Ausbruch des Vesuv zerstörte 79 n.Chr. Pompeji und Herculaneum, das Erdbeben von Lissabon vor 250 Jahren tötete 60.000 Menschen - die meisten durch den ausgelösten Tsunami; das Erdbeben nahe Istanbul im Jahre 1999 forderte 25.000 Menschenleben und vernichtete Werte in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar. Historische Tsunamis wurden auch im östlichen Mittelmeer beobachtet.

Die Wiederholung solcher Ereignisse würde in der Gegenwart aber auf wesentlich dichter besiedelte Regionen treffen und damit erhebliche Schäden anrichten. "Wir bleiben - auch in Europa - heute noch weit hinter unseren Möglichkeiten zurück", so das Resümee von Wenzel zum Thema Frühwarnung. Wenzel ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Starkbeben und Ingenieurmaßnahmen", Mitglied im Leitungsgremium der EMI (Earthquakes and Megacities Initiative) und arbeitet im Karlsruher Exzellenz Zentrum CEDIM (Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology). Er fordert von der Politik, Lehren aus der Tsunami-Katastrophe von 26. Dezember 2004 zu ziehen. Denn nur wenn jetzt Maßnahmen getroffen würden und man konsequent bestehendes Knowhow nütze, könne man im Ernstfall auch effektives Katastrophenmanagement betreiben.

Ort: Tulla-Hörsaal der Universität Karlsruhe, Gebäude 11.40 (Im Ehrenhof),
Kaiserstraße 12 76131 Karlsruhe
Datum: 16. Februar 2005
Uhrzeit: 19 Uhr
Der Eintritt ist kostenlos.

Rückfragen bitte an

Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

oder

Prof. Dr. Friedemann Wenzel
Telefon 0721/6 08 45 58
Fax: 0721/7 11 73
E-Mail: friedemann.wenzel@gpi.uni-karlsruhe.de

Dr. Johannes Schnurr | idw
Weitere Informationen:
http://www.world-stress-map.org
http://www.haw.baden-wuerttemberg.de

Weitere Berichte zu: Erdbeben Forschungsstelle Tsunami Tsunami-Frühwarnsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten