Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Außergewöhnlich starker geomagnetischer Sturm

29.10.2003


Stärkste Sonnenaktivität seit 14 Jahren


Modellbild des Geoforschungssatelliten CHAMP (1)



Am Geomagnetischen Observatorium des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) wurde der seit 14 Jahren stärkste Sonnensturm gemessen. Ein große Wolke elektrisch geladener Teilchen ereicht heute seit 06:11 Uhr MEZ die Erde. Bemerkenswert ist auch der riesige Sonnenfleck, der zur Zeit zu beobachten ist. Seine Ausdehnung umfasst mehr als 10 Erddurchmesser. Das ist unerwartet und aussergewöhnlich, da das Maximum der periodischen solaren Aktivität bereits 3 Jahre zurückliegt.

... mehr zu:
»CHAMP »Eruption »MEZ »Teilchen


Solche geomagnetischen Stürme sind Resultat erhöhter Sonnenaktivität. Wenn es auf der Sonne zu Materieausbrüchen kommt, werden große Mengen elektrisch geladener Teilchen in den Weltraum geschleudert. Treffen diese Plasmawolken auf die Erde, treten sie mit dem natürlichen Erdmagnetfeld in Wechselwirkung, induzieren Ströme in der Ionosphäre und erzeugen starke und sehr rasche Schwankungen der Stärke und Richtung des Erdmagnetfeldes.

Dabei kann es zu Störungen und Ausfällen des Funkverkehrs und des Radioempfangs kommen. Bei starken Ausbrüchen wie dem jetzigen werden auch Satelliten dem Strahlungsbeschuss ausgesetzt und können dabei gestört oder gar beschädigt werden.

Auch auf der Erde kann ein starker geomagnetischer Sturm Schäden erzeugen. Beim letzten großen Ereignis vom 13. März 1989 führte ein solche solare Eruption zum Zusammenbruch der Stromversorgung in großen Teilen Kandas. Der größte Sonnensturm, der in der Geschichte bekannt ist, fand am 1./2. September 1859 statt, als Kurzschlüsse weltweit die gerade eingeführten elektrischen Telegraphieleitungen lahmlegten und die Polarlichter sich südwärts bis nach Rom und Havanna ausdehnten.

Eventuell auftretende Nordlichter werden allerdings diesmal in Deutschland nicht beobachtet werden können, da für die kommende Nacht mit bedecktem Himmel gerechnet werden muss.

Messungen vom Boden und aus dem Weltraum

In der Anfangsphase des derzeitigen Sturmes änderte sich an der Erdoberfläche die Stärke des Magnetfeldes in der Horizontalebene innerhalb von 30 Minuten um ca. 1000 Nano-Tesla. Deutlich wurde der Sturm in einer Änderung der Lage der Kompassnadel. Diese bewegte sich von 6:47 bis 7:05 Uhr MEZ um ca. 3° in östlicher Richtung. Derartig starke Änderungen in so kurzer Zeit sind außergewöhnlich für Mitteleuropa.

Auch die Messgeräte auf dem GFZ-Forschungssatelliten CHAMP zeigen den starken geomagnetischen Sturm. Die mehrere Millionen Ampere starken Ströme in der Ionosphäre/Magnetosphäre haben zu einer Aufheizung der oberen Atmosphäre geführt, innerhalb der sich die Bahnen vieler Satelliten befinden. Ein ganz direkter Effekt ist die deutlich stärkere Abbremsung durch die erhöhte Luftreibung und das damit verbundene Absinken der Flugbahnen. Der Beschleunigungsmesser des GFZ-Satelliten CHAMP zeigt fast eine Verdoppelung der Abbremsung nach 7:50 Uhr MEZ an.

Dieser magnetische Sturm wurde zwar bereits seit Tagen erwartet, allerdings überraschte die Stärke alle Einrichtungen, die die Vorgänge auf der Sonne beobachten. Trotz hochgenauer Beobachtungtechnik und ausgeklügelter Methoden trifft auch die Vorhersage eines solchen Ereignisses nicht immer ein, etwa dann, wenn die Teilchenwolke an der Erde vorbeifliegt.

Wegen der möglichen Auswirkungen dieser Eruptionen auf die technische Systeme wie Nachrichten- und Forschungssatelliten, Hochspannungsleitungen und Gas- und Ölpipelines ist die Überwachung des sogenannten Weltraumwetters durch bodengestützte geomagnetische Observatorien in Kombination mit Forschungssatellliten wie CHAMP notwendig.

Dipl.Met. Franz Ossing | idw
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de

Weitere Berichte zu: CHAMP Eruption MEZ Teilchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Open Science auf offener See
19.01.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Bisher älteste bekannte Sauerstoffoase entdeckt
18.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie