Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärmespeicher Arktis

28.03.2003


Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) ist es gelungen, die Herkunft ungewöhnlich warmer Wassermassen in der Arktis zu klären. Die Strömungen im Arktischen Ozean wurden am Computer so simuliert, dass Messdaten aus den neunziger Jahren erklärt werden können, die eine unerwartete Erwärmung und andernorts auch unerwartet tiefe Temperaturen gezeigt hatten. Damit ist die Zirkulation von Wassermassen durch diesen Teil des Weltozeans jetzt besser verstanden. Nicht nur die Temperaturdaten der vergangenen zwei Jahrzehnte werden vom Modell wiedergegeben, es sind auch Vorhersagen möglich. Die wissenschaftliche Publikation wurde von der herausgebenden Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft als Highlight ausgezeichnet.



In ihrer Publikation beschreiben Michael Karcher, Rüdiger Gerdes, Frank Kauker und Cornelia Koberle vom AWI die Herkunft der ungewöhnlich warmen Wassermasse als Auswirkung einer besonders starken Nordatlantischen Oszillation (NAO). Die NAO ist ein atmosphärisches Phänomen, das die Schwankung des Luftdruckunterschiedes zwischen Island und den Azoren beschreibt. Sie beeinflusst neben Lufttemperaturen, Niederschlägen und Wind auch die Meere. Ende der achtziger Jahre führte sie dazu, dass mehr und wärmeres Wasser über die Framstraße und die Barentssee in den Arktischen Ozean einströmte. So entstand eine Wärmeanomalie in der Arktis, die Anfang der neunziger Jahre unter dem Titel "arctic warming" Fragen aufwarf. Das Wasser war ein bis zwei Grad wärmer als erwartet.

... mehr zu:
»AWI »Arktis »Ozean »Wassermasse »Wärmeanomalie


"Es handelte sich um ein einzelnes Ereignis und nicht um einen kontinuierlich stattfindenden Prozess", sagt Karcher. In der Computersimulation die mit atmosphärischen Daten der letzten zwanzig Jahre angetrieben wurde, berechneten die AWI-Forscher, wie dieses Wasser in der Arktis über Jahre hinweg in einer Tiefe von 200 bis 1000 Metern zirkuliert, und schließlich die Arktis wieder verlässt.

Im Jahr 2002 wurden von einem russisch-amerikanischen Forscherteam überraschend niedrige Temperaturen nördlich der sibirischen Laptevsee gemessen, die das Modell ebenfalls erklären kann: Die Wärmeanomalie, die Anfang der neunziger Jahre in die Arktis einströmte, ist bereits vorbei gewandert.
Eine weitere Wärmeanomalie hat das Modell vorhergesagt. Danach hat sich 1999 wieder eine warme Wassermenge gebildet, die in die Arktis einfloss. Sie wurde tatsächlich bereits von einem anderen Forscherteam des AWI auf Expeditionen in die Framstrasse beobachtet.
"Diese Bestätigungen des Modells durch aktuelle Messungen zeigen, dass wir jetzt die Strömungen in der Arktis viel besser verstanden haben. Dieser Erfolg ist auch auf die intensive Messtätigkeit mit der ’Polarstern’ zurückzuführen", sagt Karcher dazu.

Das Autorenteam arbeitet jetzt an einer Ausdehnung der Untersuchungen weiter zurück in die Vergangenheit. Dazu werden die wenigen historischen Messdaten aus den letzten 55 Jahren heran gezogen. Sie wollen auf diese Weise die sehr langfristigen Schwankungen der arktischen Bedingungen in Eis und Ozean untersuchen. Die untersuchten Wassermassen haben, wenn sie die Arktis verlassen, großen Einfluss auf die globale ozeanische Umwälzpumpe und damit auf das Klimageschehen weit über die zentrale Arktis hinaus.

Dipl.-Phys. Claudia Ratering | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/Modelling/ARCTIC/index.html
http://www.agu.org/sci_soc/prrl/jh031003.html#4

Weitere Berichte zu: AWI Arktis Ozean Wassermasse Wärmeanomalie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise