Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibhausgase aus Sibirien

06.09.2002


Messfeld zur Erfassung von Klimadaten und Bodendaten im Lenadelta


Nahaufnahme aus dem Hubschrauber von den Frostmustern, den so genannten Eiskeilpolygonen, die typisch sind für Permafrostgebiete.


Am 11. September wird ein Potsdamer Expeditionsteam unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten nach insgesamt elf Wochen Forschungstätigkeit aus Sibirien zurückerwartet. Fünfzehn Wissenschaftler und Techniker der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung sowie zwölf russische Kollegen nahmen an der fünften Expedition ins Lenadelta teil. Sie sammelten Daten für die Berechnung vergangener und zukünftiger Klimaentwicklungen.


Der dauerhaft gefrorene Boden Sibiriens ist eine ergiebige Quelle der Treibhausgase Methan und Kohlendioxid. Beide Gase haben großen Einfluss auf das globale Klima. Forschungen zeigen, dass schon geringe Änderungen der Umweltbedingungen in der Arktis sich auf das Klimageschehen beispielsweise in Deutschland auswirken können.

Klimagase im Lenadelta

Seit fünf Jahren beobachten Wissenschaftler der Forschungsstelle Potsdam des AWI jeden Sommer die Methan- und Kohlendioxidfreisetzung auf einem Dauermessfeld im zentralen Lenadelta. Zusätzlich zu diesen Langzeitmessungen wurde erstmals in diesem Jahr eine Lasermesstechnik eingesetzt, die Methan, Kohlendioxid und andere Klimadaten hochempfindlich in der bodennahen Atmosphäre misst. Sie sollen in ein internationales Messnetz zur Überwachung der Freisetzung von Treibhausgasen einfließen.

Mikrorganismen im Permafrost
In den Tundrenböden sind große Mengen an organischem Material gespeichert. Während des kurzen arktischen Sommers, in dem die Dauerfrostböden ("Permafrostböden") oberflächlich auftauen, wird das organische Material durch Mikroorganismen abgebaut und zu Methan und Kohlendioxid umgesetzt. Die Potsdamer Arbeitsgruppe Geomikrobiologie erforscht, was mit dem in Form von organischer Substanz gespeicherten Kohlenstoff passiert, wenn sich das globale Klima weiter erwärmt. Möglicherweise wird die Erwärmung durch eine vermehrte Emission von Treibhausgasen weiter verstärkt. Die neuen Messergebnisse aus Sibirien werden für Bilanz- und Modellrechnungen der Methanemissionen aus den sibirischen Tundren genutzt.

Mammutknochen erzählen Klimageschichte
Ein weiterer Schwerpunkt sind Studien zur Klimageschichte der eisreichen Küstenregion nordöstlich des Lenadelta. Globale und regionale Klimaschwankungen der letzten 2,5 Millionen Jahre riefen Veränderungen der Pflanzen- und Tierwelt hervor. Spuren davon sind noch heute im Permafrostboden zu finden. Küstenforschung findet vom Boot aus statt: Mit einem kleinen Motorboot gingen die Wissenschafter vom russischen Basisschiff "Pavel Baschmakov" aus zwölf Mal an Land und sammelten Boden- und Pflanzenproben. Zahlreiche Mammutknochen, die durch Erosionsprozesse an den Küsten freigelegt wurden, geben ebenfalls Auskunft über die Umwelt früherer Zeiten. Besonders erfreut waren die Wissenschaftler über den geglückten Zugang zum nördlichsten Punkt der Insel Kotelny, der nur etwa alle sechs Jahre eisfrei ist.

Küstenentwicklung der letzten 500.000 Jahre
Die Untersuchung der bis zu 500.000 Jahre alten Permafrostsedimente dieser Küstenregion liefern den Forschern Informationen über die Entwicklungsgeschichte des Archipels und die Klimaverhältnisse in der Vergangenheit. Natürliche Prozesse wie Meeres- oder Winderosion beeinflussten die Küstenregionen, aber auch Veränderungen durch den Menschen. Laufend wird Material in den arktischen Ozean transportiert unter anderem auch Kohlenstoff, der im Permafrostboden gebunden war und nun, über natürliche Kreisläufe, wieder als Kohlendioxid oder Methan in die Atmosphäre gelangen kann. Diese Prozesse werden auch in Zukunft die Entwicklung dieser Küstenregionen und des Klimas bestimmen.


Dipl.-Phys. Claudia Ratering | idw

Weitere Berichte zu: Kohlendioxid Küstenregion Methan Sibirien Treibhausgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten