Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterwegs in die Arktis und zu den Orkney Inseln

09.06.2008
Forschungsschiffe Polarstern und Heincke starten Expeditionen

Nach nur dreiwöchiger Werftzeit in Bremerhaven läuft der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft am Donnerstag, den 12. Juni in die Arktis aus.

Die insgesamt rund vier Monate dauernde Expedition ist in drei Fahrtabschnitte unterteilt und führt über die Grönlandsee nach Spitzbergen bis in die Framstraße. Im dritten Fahrtabschnitt ist die Durchfahrt der Nord-West-Passage bis in die ostsibirische See geplant. Zwei Tage zuvor, am Dienstag, den 10. Juni verlässt das Forschungsschiff Heincke die Insel Helgoland mit Richtung Orkney Inseln. Im Mittelpunkt der Forschungen stehen meeresbiologische Untersuchungen im Nordatlantik.

Forschungsschwerpunkt des ersten Fahrtabschnitts der Polarstern sind ozeanographische Messungen in der Grönlandsee. Die Arbeiten im Rahmen des Internationalen Polarjahres werden von Dr. Gereon Budéus, Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut, geleitet und sollen neue Erkenntnisse über die Auswirkungen des Klimawandels liefern. Er und seine Kollegen haben spezielle Verankerungen entwickelt, die einmal täglich von etwa 100 Metern Wassertiefe bis auf den Grund in 3700 Meter Tiefe absinken und wieder auftauchen.

... mehr zu:
»Antarktis »Arktis »Polarstern

Dabei messen sie die Temperatur und den Salzgehalt des Wassers, die wichtigsten Größen, um Wasserkörper und Strömungsmuster zu identifizieren. Diese Verankerungen arbeiten seit mehreren Jahren und werden nun geborgen, um die aufgenommenen Daten auszulesen und neue Verankerungen auszubringen. Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass im Becken der Grönlandsee eine besondere Süßwasserzufuhr die Struktur des Wasserkörpers verändert hat. Diese Beobachtung ist weltweit einzigartig und die Auswirkungen der Veränderung sollen nun erforscht werden.

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Bewegung des grönländischen Festlandes. Wissenschaftler der Universität Dresden messen, wie stark sich das Land hebt, weil das auf ihm lastende Gewicht durch das Abschmelzen der Gletscher abnimmt. Dazu setzen sie hoch auflösende GPS-Empfänger ein, die während des ersten und zweiten Fahrtabschnitts auf Grönland ausgebracht werden, um Bewegungsraten der Erdkruste zu ermitteln. Damit sie ausreichend genau messen können, werden die Empfänger erst im zweiten Fahrtabschnitt wieder geborgen.

Der zweite Abschnitt vom 4. Juli bis 10. August führt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Kattner, Chemiker am Alfred-Wegener-Institut, von Spitzbergen nach Reykjavik (Island). Auch hier dreht sich alles um den Einfluss des Klimawandels auf die polaren Gebiete. So wird die Produktion von Methan, einem klimarelevanten Atmosphärengas, bestimmt. Woher die Wassermassen vor Grönland stammen, klären Wissenschaftler, indem sie die Nährsalzkonzentrationen analysieren. Biologische und ozeanographische Langzeituntersuchungen, die seit 1999 im so genannten "AWI-Hausgarten" regelmäßig zu verstehen helfen, wie Lebewesen darauf reagieren, dass sich die Eiskante verlagert, werden fortgesetzt.

Wenn es die Eisbedingungen erlauben, führt der dritte und letzte Fahrtabschnitt ab 21. August von Reykjavik durch die Nord-West-Passage in die ostsibirische See. Geowissenschaftler um Fahrtleiter Dr. Wilfried Jokat möchten die tektonische Entwicklung der Schnittstelle eines unterseeischen Rückens, des Mendelejew-Rückens, mit dem Festlandsockel des ostsibirischen Schelfs untersuchen. Außerdem wollen die Forscher über Sedimente, die auf dem Meeresboden lagern, bestimmen, welche Temperaturbedingungen nach der letzten Eiszeit oder auch im Mesozoikum, dem Erdmittelalter, herrschten. Über die Nord-Ost-Passage fährt Polarstern dann wieder Richtung Heimathafen Bremerhaven, wo sie am 12. Oktober zurück erwartet wird.

Am Dienstag, den 10. Juni wird das Forschungsschiff Heincke zu meeresbiologischen Untersuchungen von Helgoland aus zu den Orkney Inseln im Nordatlantik aufbrechen. Im Fokus der insgesamt zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord stehen dabei die Nesseltiere, zu denen zum Beispiel auch die Quallen zählen. Nesseltiere besitzen zur Verteidigung und für die Nahrungsaufnahme so genannte Nesselzellen, die mit einer winzigen Harpune unter hohem Druck hochwirksame Gifte in ihr Beutetier schießen.

Das Gift einiger Arten kann auch beim Menschen zu allergischen Hautreaktionen, in einzelnen Fällen sogar durch Lähmung des Atemapparates zum Tod führen. In Zusammenarbeit mit dem GKSS Forschungszentrum in Geesthacht sollen der Ursprung sowie die chemische Zusammensetzung der Gifte aufgeklärt werden. Weiterhin stehen auch eingewanderte Arten aus wärmeren Gebieten im besonderen Interesse der Forscherinnen und Forscher. Heincke wird am 3. Juli wieder auf Helgoland erwartet.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Im Internationalen Polarjahr 2007/2008 erforschen mehr als 50.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 60 Ländern die Polargebiete. Ihr Ziel ist es, die Rolle der Arktis und Antarktis für das Klima und die Ökosysteme der Erde zu untersuchen. Deutschland hat mit dem weltweit leistungsfähigsten Forschungseisbrecher Polarstern, mehreren Polarstationen und zwei Polarflugzeugen sehr gute Voraussetzungen, um in der Arktis und Antarktis zu forschen. Die Schwerpunktthemen, zu denen Deutschland in besonderer Weise beitragen kann sind: Polargebiete im Wandel des Weltklimas, Wandernde Kontinente, Vorstoß in unbekannte Regionen und Entwicklung innovativer Technologien.

Dipl.-Ing. Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de.
http://www.awi.de/de/entdecken/expeditionsberichte

Weitere Berichte zu: Antarktis Arktis Polarstern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Einblicke unter die Oberfläche des Mars
21.07.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Tauender Permafrost setzt altes Treibhausgas frei
19.07.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten