Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Räuberische Pilze aus der Kreidezeit

14.12.2007
Wissenschaftlern des Museums für Naturkunde Berlin gelingt seltener Einblick in ein 100 Millionen Jahre altes Ökosystem

Räuberische (auch karnivore) Pilze leben heute mit über 200 Arten in verschiedensten Bodenlebensräumen und erschließen sich durch den Fang von Kleinstlebewesen, wie Fadenwürmern (Nematoden), eine zusätzliche Nahrungsquelle. Die "Beutetiere" werden mit klebrigen Fanghyphen (fadenförmige Zellen der Pilze), Fangnetzen oder ringförmigen Hyphen gefangen und anschließend infiziert und verdaut.

Doch auch schon zu den Zeiten der Dinosaurier gingen Bodenpilze auf Beutefang. Dies fanden Alexander Schmidt und Vincent Perrichot vom Museum für Naturkunde zu Berlin und Heinrich Dörfelt von der Martin-Luther-Universität Halle während der Untersuchung kreidezeitlichen Bernsteins aus Südwestfrankreich heraus. Die fossilen Pilze bildeten Hyphenringe als Fangorgane und sind zusammen mit ihrer Beute, winzigen Fadenwürmern, im Bernstein überliefert. Die Analyse der sehr detailliert im Bernstein erhaltenen Merkmale ermöglichte sogar die Rekonstruktion des gesamten Lebenszyklus des archaischen Pilzes. Das Resultat: Trotz der gleichen räuberischen Lebensweise sind die fossilen Pilze nicht mit heutigen karnivoren Pilzen verwandt.

Zusammen mit zahlreichen bodenbewohnenden Insekten und Mikroben, die ebenfalls im Bernstein eingeschlossen sind, war der Pilz Teil eines artenreichen urzeitlichen Bodenökosystems mit komplexen Wechselbeziehungen. Der Fund fossiler räuberischer Pilze zeigt, dass diese ökologische Nische bereits in der Kreidezeit eingenommen wurde, jedoch gingen vor 100 Millionen Jahren andere Pilze auf Beutefang als heute. Fangmechanismen bei räuberischen Pilzen sind demnach im Verlauf der Erdgeschichte mehrmals unabhängig entstanden.

... mehr zu:
»Kreidezeit »Naturkunde
Veröffentlicht in:
Alexander R. Schmidt, Heinrich Dörfelt & Vincent Perrichot
Carnivorous fungi from Cretaceous amber
Science, Ausgabe vom Freitag, den 14. Dezember 2007
Kontakt:
Dr. Alexander Schmidt
Humboldt-Universität zu Berlin, Museum für Naturkunde, Abteilung Forschung
Invalidenstr. 43, D-10115 Berlin
Tel. : +49 (0)30-2093 8945 Fax: +49 (0)30-2093 8565
e-mail alexander.schmidt@museum.hu-berlin.de
Dr. Gesine Steiner
Humboldt-Universität zu Berlin, Museum für Naturkunde, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (0)30 - 2093 8917 Fax : +49 (0)30 - 2093 8914
e-mail gesine.steiner@museum.hu-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Berichte zu: Kreidezeit Naturkunde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie