Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Amazonas und der Kohlenstoffhaushalt - Pflanzenreste als Kohlendioxidquelle

05.06.2013
Forscher vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und ihre Kollegen konnten jetzt ein weiteres Puzzleteil zur Lösung der weltweiten Kohlenstoffbilanz beitragen.

Landpflanzen binden Kohlendioxid in Form von organischem Material in Form von Cellulose und auch Lignin, einer Verbindung, die als besonders langlebig und stabil gilt.


Das Mündungsgebiet des Amazonas ist riesig. Die mittlere der drei Inseln ist so groß wie die Schweiz. Nasa

Jetzt konnte die Gruppe von Wissenschaftlern aus Brasilien, den USA und Deutschland zeigen, dass der Amazonas große Mengen Kohlendioxid abgibt und überraschenderweise Lignin und andere Pflanzenbestandteile die Kohlenstoffquellen sind.

Was passiert mit den abgestorbenen Pflanzenresten?

Flüsse in den Tropen und den gemäßigten Breite geben große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre ab. Bisher war unklar, woher der Kohlenstoff stammt. Für Lignin nahm man an, dass es von aquatischen Mikroorganismen nur extrem langsam abgebaut werden kann. Lignin wird nur von Landpflanzen produziert. Obwohl es so stabil scheint, findet man fast kein Lignin in der Tiefsee. Lignin kann auch durch Sonnenlicht zersetzt werden, und davon ist man bisher immer ausgegangen. Jetzt konnten die Forscher beweisen, dass dieses Lignin in den Flüssen durch Mikroorganismen abgebaut wird.

Als Modellsystem verfolgten die Forscher die Gehalte an organischen Verbindungen im Mündungsgebiet des Amazonas im Laufe eines Jahres.

Aus dem wasserreichsten Fluss der Erde steigen jährlich eine halbe Gigatonne Kohlendioxid in die Atmosphäre und das entspricht ziemlich genau der Menge, die der Amazonas an Kohlendioxid bindet. Diese Bilanz ist fast ausgeglichen. Nur ein Bruchteil von 5% der ursprünglichen Menge an Lignin wird nicht abgebaut, sondern landet im Meer und davon wiederum etwas im Meeresboden.

Mit der Studie im Amazonas konnten die Forscher nun zeigen, dass Lignin auch für aquatische Organismen ein gefundenes Fressen ist, und nur ein kleiner Anteil der Primärproduktion des riesigen Amazonas tatsächlich ins Meer gelangt. Die verbleibende Menge an Lignin wird vermutlich in den oberen Schichten des Atlantiks umgesetzt, sodass die Kohlenstoffbilanz des Amazonas am Ende wohl fast ausgeglichen ist. Die Wissenschaftler betonen, dass dieses Ergebnis in die mathematischen Modelle zur globalen Kohlenstoffbilanz einfließen wird.

Manfred Schlösser

Weitere Informationen

Dr. Thorsten Dittmar
Max-Planck-Forschungsgruppe für Marine Geochemie, Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM), Carl-von-Ossietzky-Strasse 9-11
D-26129 Oldenburg, Tel.: 0441 798-3602, E-Mail: tdittmar mpi-bremen.de

Pressesprecher

Dr. Manfred Schlösser
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Celsiusstraße 1, D-28359 Bremen, Tel.: 0421 2028-704, E-Mail: mschloes mpi-bremen.de

Originalveröffentlichung
Degradation of terrestrially derived macromolecules in the Amazon RiverNicholas D. Ward, Richard G. Keil, Patricia M. Medeiros, Daimio C. Brito, Alan C. Cunha, Thorsten Dittmar, Patricia L. Yager, Alex V. Krusche & Jeffrey E. Richey
Nature Geoscience (2013) doi:10.1038/ngeo1817

Beteiligte Institute

School of Oceanography, University of Washington, Box 355351, Seattle, Washington, 98195-5351, USA
Department of Marine Sciences, University of Georgia, Athens, Georgia 30602-3636, USA
Universidade Federal do Amapá, Rodovia Juscelino Kubitschek, KM 02, 68902-280, Macapá, AP, Brazil
Max Planck Research Group for Marine Geochemistry, Carl von Ossietzky University, Institute for Chemistry and Biology of the Marine Environment, Carl-von-Ossietzky-Straße 9-11, D-26129 Oldenburg, Germany

Centro de Energia Nuclear na Agricultura, Universidade de São Paulo, Av. Centenário, 303, 13400-970, Piracicaba, SP, Brazil

Dr. Manfred Schloesser | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie