Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saarbrücker Informatiker erhält EU-Forschungspreis für Kampf gegen Sicherheitslücken im Netz

19.02.2016

Mit Webbrowsern gehen Anwender auf allen Geräten online. Daher sind in diesen Programmen selbst kleine Programmierfehler und die daraus resultierenden Sicherheitslücken katastrophal. Die Programmiersprache „Rust“ aus dem Hause Mozilla soll diese daher bereits während des Entwickelns von Software verhindern. Derek Dreyer vom Max-Planck-Institut für Softwaresysteme ist nun der erste Forscher, der überprüfen und sicherstellen will, dass Rust dieses Versprechen hält. Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat den Wissenschaftler dafür mit dem „Consolidator Grant“ ausgezeichnet und unterstützt ihn mit rund zwei Millionen Euro.

Die beliebtesten Webbrowser heißen Internet Explorer, Safari, Firefox oder Chrome. Millionen von Laien nutzen sie, um im World Wide Web Überweisungen zu tätigen, einzukaufen oder sich Filme anzuschauen. Umso gefährlicher ist es daher, wenn in den Browsern Programmierfehler schlummern, die als Sicherheitslücken ausgenutzt werden können.


Derek Dreyer will Software gegen Programmierfehler und Sicherheitslücken schützen.

Oliver Dietze/Max-Planck-Institut für Softwaresysteme

Solche Programmierfehler entstehen zwangsläufig, da Programmierer komplexen, parallel ablaufenden Programmcode schreiben müssen. Nur so können sie sicherstellen, dass die Browser ihren Anwendern in kürzester Zeit eine Rückmeldung liefern.

„Manche Arbeiten kann man nur mit einem besonders scharfen Messer erledigen und dabei auch zu tief schneiden. Bei den Programmiersprachen ist es ähnlich. Software, die auf schnellem, parallel ausgeführtem Code basiert, birgt auch die Gefahr brisanter Programmierfehler“, erklärt Derek Dreyer, der Fakultätsmitglied des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme ist, das Standorte in Saarbrücken und Kaiserslautern hat.

In der Saarbrücker Dependance des Instituts leitet Dreyer die Gruppe „Grundlagen der Programmierung“ und lehrt an der Universität des Saarlandes Informatik. Seine Vision ist eine Programmiersprache, bei der fehlerhaftes Entwickeln unmöglich ist. Um diese zu verwirklichen, setzt er auf die Programmiersprache Rust.

Hinter ihr steht Mozilla, eine US-amerikanische Software-Organisation, die auch für den in Deutschland beliebten Browser „Firefox“ verantwortlich ist. Seit 2010 arbeitet sie an Rust. Inzwischen ist die Sprache so fortgeschritten, dass man mit ihr auch den neuartigen Webbrowser „Servo“ entwickelt, der Firefox ersetzen könnte.

„Nicht nur Mozilla, auch Dropbox ist von Rust begeistert. Im Gegensatz zu bisherigen Programmiersprachen bietet sie Entwicklern eine echte Ausgewogenheit zwischen Betriebssicherheit und Kontrolle“, sagt Dreyer. Rust gewähre Programmierern damit eine feinkörnige Kontrolle über das Speichermanagement und die Zuteilung von Ressourcen, was für Anwendungen wie Betriebssysteme und Webbrowser essentiell ist.

Aber auch Rust ist nicht ohne Schwachstellen. Bereits im vergangenen Jahr wurden einige entdeckt. Daher begrüßen die Entwickler von Rust Dreyers Vorhaben, systematisch verbliebene Fehler aufzuspüren. Um diese zu finden oder ihre Abwesenheit nachzuweisen, müssen die Forscher neue Beweismethoden entwickeln.

Dreyer und sein Team sind damit weltweit die ersten, die sich im Bezug auf Rust dieser Herausforderung stellen. Die Informatiker erforschen daher, wie die letzten Komponenten von Rust, deren Sicherheit noch nicht nachgewiesen ist, fehlerlos arbeiten können. Dafür müssen sie eine Vielzahl von Problemen lösen, an denen bereits andere Forscher scheiterten. Experten sagen dem Projekt deswegen einen enormen Nutzen voraus, um in Zukunft fehlerlose und sichere Software in der Praxis zu garantieren.

Der Europäische Forschungsrat (ERC) unterstützt Dreyer mit dem sogenannten Consolidator Grant. Mit ihm erhalten erfahrene Wissenschaftler die Möglichkeit, fünf Jahre mit einem Budget von rund zwei Millionen Euro ein Forschungsprojekt umzusetzen. Voraussetzung dafür ist laut ERC die wissenschaftliche Exzellenz des Forschers und des Projektantrages.

Hintergrund: Max-Planck-Institut für Softwaresysteme

Das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme an den Standorten Kaiserslautern und Saarbrücken betreibt Grundlagenforschung, die sich unter anderem dem Sprachdesign, der Analyse, der Modellierung, Einführung und Auswertung von Softwaresystemen widmet. Spezielle Interessensgebiete umfassen die System-Programmierung, den Vergleich von dezentralen und Netzwerksystemen, von eingebetteten und autonomen Systemen ebenso wie Aspekte der formalen Modellierung, Analyse, Sicherheit und Stabilität von modernster Softwaretechnik.

Fragen beantwortet:

Derek Dreyer
Max-Planck-Institut für Softwaresysteme
Tel.: +49 (681) 9303 8701
E-Mail: dreyer(at)mpi-sws.org

Redaktion:

Gordon Bolduan
Wissenschaftskommunikation
Kompetenzzentrum Informatik Saarland
Tel.: +49 681 302 70741
E-Mail: bolduan(at)mmci.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wirtschaftsmagazin Capital: Platz 1 für wohngesundes Bauen geht an das Ökohaus-Unternehmen Baufritz
18.06.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Muskelaufbau im Computer: Internationales Team will Entstehung von Myofibrillen enträtseln
13.06.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics