Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Raum und Zeit bewegt

24.11.2010
Sonderforschungsbereich/Transregio 7 „Gravitationswellenastronomie“ wird mit acht Mio. Euro für weitere vier Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert

(Gemeinsame Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Leibniz Universität Hannover und der Max-Planck-Institute für Gravitationsphysik sowie für Astrophysik)

„Gravitationswellen gehören zur Gravitation wie Lichtwellen zum Elektromagnetismus.“ Das sagt Prof. Dr. Bernd Brügmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gravitationswellenastronomie mache da weiter, wo die Astronomie mit elektromagnetischen Wellen an ihre Grenzen stoße, erläutert der Inhaber des Lehrstuhls für Gravitationstheorie. „So tragen Gravitationswellen etwa Informationen über Schwarze Löcher, aus dem Innersten von Supernova-Explosionen oder gar vom Urknall, der Geburt unseres Universums.“ Allerdings sind sie extrem schwierig zu messen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dem Sonderforschungsbereich/Transregio 7 (SFB/TR7) „Gravitationswellenastronomie“ jetzt rund acht Millionen Euro bewilligt. „Damit kann der Forschungsverbund seine 2003 begonnene erfolgreiche Arbeit bis 2014 fortsetzen und unter anderem 30 Wissenschaftlerstellen finanzieren“, freut sich Prof. Brügmann, der Sprecher des Forschungsverbundes ist. Dem SFB/TR7 gehören Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Leibniz Universität Hannover und der Max-Planck-Institute für Gravitationsphysik in Hannover und Potsdam sowie für Astrophysik in Garching an. In den 17 Teilprojekten arbeiten insgesamt rund 80 Physiker, Astronomen und Mathematiker, die in den kommenden vier Jahren weiter „Jagd“ auf die Gravitationswellen machen werden.

Der SFB/TR7 hat einen positiven Effekt für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Er ermöglicht die Clusterbildung, international renommierte Spitzenforscher an die beteiligten Universitäten und Institute zu holen und den Physikernachwuchs speziell in Gravitationsphysik und Relativistischer Astrophysik auszubilden.

Ziel des SFB/TR7 ist es, Gravitationswellen direkt zu messen und sie theoretisch und experimentell zu erforschen. „Diese Wellen sind Schwingungen von Raum und Zeit, die von gewaltigen kosmischen Ereignissen ausgelöst werden“, erläutert Prof. Dr. Kostas Kokkotas von der Eberhard Karls Universität Tübingen. Bereits 1916 von Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt, lassen sie sich bis heute nur indirekt nachweisen, etwa als Energieverluste von Objekten, die Gravitationswellen abstrahlen. „Neutronensterne, extrem kompakte Objekte, die am Ende der Entwicklung eines Sterns entstehen können, sind solche Objekte“, erklärt Prof. Kokkotas. „Neutronensterne sind sehr interessante Quellen für Gravitationsstrahlung, vor allem, wenn sie sehr schnell rotieren. Um ihre Strahlung nachzuweisen, muss man sehr genau wissen, wie diese Strahlung aussieht, und unter welchen Bedingungen sie erzeugt wird. Dazu führen wir aufwändige Simulationsrechnungen durch.“

Dass es bisher noch nicht gelungen ist, Gravitationswellen direkt zu messen, liegt vor allem an der sehr geringen Intensität dieser Signale. Doch ein Durchbruch ist in Sicht: „Ab 2012 wird bei den großen amerikanischen Detektoren die besonders ausgefeilte Lasertechnik installiert, die wir u. a. auch am deutsch-britischen Gravitationswellendetektor GEO600 in Ruthe bei Hannover auch im Rahmen des SFB/TR7 entwickelt haben. Ab 2015 werden diese Detektoren so empfindlich sein, dass der Nachweis dann innerhalb weniger Jahre gelingen müsste“, so Prof. Dr. Karsten Danzmann von der Leibniz Universität Hannover, die GEO600 betreibt. Danzmann ist auch Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam und Hannover.

Für die nächste Generation der Detektoren haben die Wissenschaftler des SFB/TR7 neuartige optische Komponenten in bisher unerreichter Qualität entwickelt. Brügmann und seinen Kollegen ist es in den zurückliegenden ersten beiden Förderperioden des SFB/TR7 außerdem gelungen, die Bewegung zweier Schwarzer Löcher umeinander in ihrer dynamischsten Phase mit hoher Genauigkeit zu berechnen.

Öffentlichkeitsarbeit
Im Rahmen des SFB/TR7 gibt es ein Projekt für Öffentlichkeitsarbeit, um die Arbeit an diesem komplexen Thema auch für Nichtwissenschaftler bekannt und zugänglich zu machen. Dafür werden öffentliche Veranstaltungen organisiert, eine mobile Ausstellung, das „Einstein-Wellen-Mobil“, besucht Institutionen wie Schulen oder Planetarien, und eine begleitende Webseite steht für Informationen zur Verfügung. Alle Aktivitäten in diesem Projekt wollen unterhalten und gleichzeitig wissenschaftliche Substanz vermitteln. Interessenten können sich dem Thema auf spielerische Weise nähern, finden aber immer auch ein Angebot an tiefer gehenden Erklärungen.
Kontakt:
Prof. Dr. Bernd Brügmann
Theoretisch-Physikalisches Institut der Universität Jena
Fröbelstieg 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947111 oder 947100
E-Mail: Bernd.Bruegmann[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://wwwsfb.tpi.uni-jena.de
http://www.einsteinwelle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie