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Neun neue Forschergruppen, eine neue Klinische Forschergruppe

01.07.2015

Themen von Chip-Technologie über Kindesentwicklung bis zu Trümmerscheiben / Rund 24,5 Millionen Euro Fördermittel für die kommenden drei Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet eine neue Klinische Forschergruppe und neun neue Forschergruppen ein. Dies beschloss der Senat der DFG in seiner Sitzung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung 2015 an der Ruhr-Universität Bochum.

Die Forschungsverbünde ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. In der ersten Förderperiode erhalten sie über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt rund 24,5 Millionen Euro. Im Ganzen fördert die DFG damit 189 Forschergruppen, darunter 18 Klinische Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Die Forschergruppe „Charmonium Physics Experiments with the BES III Detector” möchte am Teilchenbeschleuniger „Beijing Electron Positron Collider“ in Peking Untersuchungen zur Physik des Charmoniums durchführen. Charmonium ist ein gebundenes System aus einem Charm- und einem Anti-Charm-Quark und kann dabei helfen, die Theorie der starken Wechselwirkung als Teil des Standardmodells der Elementarteilchenphysik zu bestätigen. Energie und Masse von Charmonium-Zuständen liegen in einem Übergangsbereich, in dem in den letzten Jahren sogenannte „exotische Zustände“ entdeckt wurden. Die von den Teilchenphysikern geplanten Messungen des Charmoniums sollen mit dem Ziel analysiert werden, bisher unbekannte, aber möglich erscheinende exotische Materiezustände wie Glueballs, Tetra-Quarks oder Meson-Moleküle zu identifizieren.
(Sprecher: Prof. Dr. Ulrich Wiedner, Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum)

Morphologisch komplexe Wörter (wie engl. Analysable – abgeleitet von analyse) können variabel artikuliert und wie im Beispiel auf der ersten oder auf der dritten Silbe betont werden. Dies stellt eine Herausforderung für Theorien des Mentalen Lexikons dar, mit denen sich die Forschergruppe „Spoken Morphology: Phonetics and Phonology of Complex Words“ beschäftigen will. Für die Linguistinnen und Linguisten steht die Frage im Fokus, welche Rolle die Morphologie für die Phonetik/Phonologie und diese zusammen mit der Morphologie wiederum für das Verständnis eines Wortes spielen. Anhand der drei Sprachen Deutsch, Englisch und Maltesisch soll ein Modell zur Sprachproduktion und -rezeption entwickelt werden, das die Interaktion von Morphologie und Phonologie abbildet und sowohl theoretisch-linguistisch als auch psycholinguistisch adäquat ist.
(Sprecher: Prof. Dr. Ingo Plag, Sprecherhochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

In nahezu allen vielzelligen Organismen lässt sich beobachten, dass Fruchtbarkeit und Lebenserwartung zusammenhängen: Eine Erhöhung der Fruchtbarkeit ist in der Regel mit einer geringeren Lebenserwartung verknüpft. Eine große Ausnahme stellen soziale Insekten dar. Gerade die fruchtbarsten Individuen, beispielsweise die Bienenkönigin, leben bis zu zweimal länger als das gemeine Bienenvolk. Diesem Phänomen geht die Forschergruppe „Sociality and the Reversal of the Fecundity-longevity Trade-off“ bei sozialen Systemen von Ameise, Biene und Termite auf den Grund. Ziel ist es, die Basis dieses scheinbaren Entkommens der sozialen Insekten aus dem Kompromiss zwischen Fruchtbarkeit und Langlebigkeit aufzudecken und dadurch ein tieferes Verständnis der zugrunde liegenden fundamentalen biologischen Gesetze über Fruchtbarkeit, Langlebigkeit, Alterung und Gesundheit zu erlangen.
(Sprecherin: Prof. Dr. Judith Korb, Sprecherhochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Für die Forschergruppe „Trümmerscheiben in Planetensystemen“ stehen neue Erkenntnisse über die Entstehung und Dynamik von Planeten im Mittelpunkt ihres Interesses. Trümmerscheiben sind sichtbare Gürtel von Kometen, Asteroiden und ihrem Staub. Dabei zeigt sich warmer Trümmerstaub als ein Indikator für das Wachstum und die Entwicklung eines neuen Planeten oder Planetensystems, außerdem kann er auf einen Bahnwechsel bestehender Planeten hinweisen. Ziel der Forschergruppe ist es, die Eigenschaften, Zustände und die Vielfalt von Trümmerscheiben zu beschreiben und ihren Einfluss auf die Form, Entstehung und dynamische Entwicklung von Planetensystemen zu verstehen. Hierzu erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Modelle zur Dynamik der Trümmerscheiben, sie simulieren Kollisionen und untersuchen die Wechselwirkung von Trümmerstaub und stellarer Strahlung.
(Sprecher: Prof. Dr. Alexander V. Krivov, Sprecherhochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Böden sind aus Bausteinen, sogenannten Aggregaten, verschiedener Größenordnung zusammengesetzt. Ihre Mikroarchitektur prägt die Struktur des Bodens und beeinflusst seine Eigenschaften. In der Forschergruppe „Microaggregates: Formation and Turnover of the Structural Building Blocks of Soils (MAD Soil)” soll die Funktion dieser Mikroaggregate, also Strukturen unter 250 Mikrometern, die sich aus mineralischen und organischen Bestandteilen zusammensetzen, mithilfe modernster bildgebender und analytischer Verfahren untersucht werden. Die Forschergruppe möchte nachvollziehen, wie sich die Struktur der Mikroaggregate räumlich und zeitlich entwickelt und welchen Einfluss die Mikroarchitektur des Bodens auf dessen zentrale Funktionen wie etwa Kohlenstoff- und Wassertransport und die Speicherung der Nährstoffe hat.
(Sprecher: Prof. Dr. Kai Uwe Totsche, Sprecherhochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Klein wie eine Kreditkarte, doch funktional wie ein Labor: „Mikrolaboratorien“ bringen einen enormen praktischen Nutzen, um chemische Prozesse schnell, ressourcenschonend und auch ohne große Ausrüstung in entlegenen Regionen der Welt analysieren zu können. Die Forschergruppe „Integrierte chemische Mikrolaboratorien“ vereint Expertinnen und Experten der analytischen und der synthetisch-organischen Chemie, um diese „lab-on-a-chip“-Technologie durch die Verknüpfung von chemischen Synthesen im Mikromaßstab und miniaturisierter Analytik weiter auszubauen. Die Mikrolaboratorien sollen leistungsfähiger sein als bisherige Verfahren und neue Einblicke in chemische Prozesse erlauben. Mit ihrer Hilfe könnten dann zum Beispiel neue pharmazeutische Wirkstoffe entwickelt und der Energie- und Ressourcenverbrauch chemischer Prozesse im Hochdurchsatz minimiert werden.
(Sprecher: Prof. Dr. rer. nat. Detlev Belder, Sprecherhochschule: Universität Leipzig)

Blasenbildende Erkrankungen der Haut, sogenannte pemphigoide Erkrankungen, sind besonders schwerwiegende chronische Autoimmunerkrankungen. Grund für die Blasenbildung ist, dass sich zwischen der obersten Hautschicht, der Epidermis, und der darunterliegenden Dermis die Haftungskomplexe auflösen, nachdem Immunzellen in die Dermis eingewandert sind. Welche molekularen Mechanismen diesen Prozess in Gang setzen und ihn dauerhaft aufrechterhalten, soll in der Klinischen Forschergruppe „Pemphigoid Diseases – Molecular Pathways and Their Therapeutical Potential“ erforscht werden. Am Standort Lübeck verbinden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Grundlagenforschung an bereits etablierten Mausmodellen mit kliniknahen Forschungen. So gibt es am Klinikum neben pemphigoiden Patienten, an denen Therapieansätze evaluiert werden, auch Anschluss an Biomaterialbanken.
(Sprecher: Prof. Dr. med. Detlef Zillikens, Sprecherhochschule: Universität zu Lübeck)

Was wir sehen beeinflusst nicht einfach unsere Handlungen, sondern durch Handlungsabläufe selbst wird das Sehen bereits gelenkt. Diese Wahrnehmungs-Kognitions-Handlungs-Schleife möchte die Forschergruppe „Active Perception“ untersuchen und führt dazu psychologische, neurowissenschaftliche und mathematische Perspektiven zusammen: Welche Rolle spielt das Gedächtnis bei der Verarbeitung visueller Reize? Wie wird unsere Aufmerksamkeit dynamisch auf Reize hingeführt? Um Fragen wie diesen nachzugehen, setzt die Gruppe psychologische Verhaltensexperimente, neuro-kognitive Methoden wie Elektroenzephalografie (EEG) zur Messung der Gehirnströme oder die funktionale Magnetresonanztomografie (fMRT) zur Bildgebung aktiver Hirnareale, aber auch Methoden der mathematischen Modellierung ein.
(Sprecher: Prof. Dr. Hermann J. Müller, Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München)

Die ersten fünf Jahre in der Entwicklung des Menschen wird die Forschergruppe „Crossing the Borders: The Interplay of Language, Cognition, and the Brain in Early Human Development“ mit einem integrierten Ansatz untersuchen, der Psychologie, Sprachwissenschaften und Neurowissenschaft umfasst. Auf diese Weise soll ein ganzheitlicher Blick auf die frühkindliche Entwicklung gerichtet werden. So ist es ein Ziel der Forschergruppe, Entwicklungen im Verhalten der Kinder zu analysieren, etwa, wie die zunächst universelle Weltwahrnehmung des Kindes sich zunehmend auf erworbene Erfahrungswerte stützt. Eine weitere Fragestellung betrifft grundlegende Mechanismen, die die scheinbar parallele Entwicklung von Sprache und Kognition verantworten – sowohl beim Zuhören als auch beim Zuschauen entwickeln Kinder die gleiche Fähigkeit, komplexe Ereignisse in Teilereignisse zu segmentieren und Kausalitäten zwischen ihnen herzustellen.
(Sprecherin: Prof. Dr. Barbara Höhle, Sprecherhochschule: Universität Potsdam)

Die Forschergruppe „Targeting Therapeutic Windows in Essential Cellular Processes for Tumor Therapy“ möchte neue Wege der Tumorbekämpfung bearbeiten. Ansatzpunkt ist dabei die Beobachtung, dass Krebszellen nur deshalb wachsen und überleben können, weil Abläufe in den Zellen grundlegend verändert sind. Beispielsweise verändert sich in Tumorzellen der Energiestoffwechsel, die Signalweitergabe wird beeinträchtigt, und es kommt zum Kontrollverlust über Wachstumsmechanismen der Zelle. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschergruppe haben sich zum Ziel gesetzt, die Mechanismen dieser Veränderungen genauer zu verstehen und darauf aufbauend verbesserte Tumortherapien zu entwickeln. Mit dieser Strategie wird insbesondere versucht, Therapieresistenzen zu vermeiden.
(Sprecher: Prof. Dr. Martin Eilers und Prof. Dr. Lars Zender, Sprecherhochschulen: Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Eberhard Karls Universität Tübingen)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2443, presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen siehe:
www.dfg.de/for

Marco Finetti | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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