Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Landesforschungspreis 2011 geht an Peter Sanders (Karlsruhe) und Peter Auer (Freiburg)

20.07.2012
Ministerin Theresia Bauer: Spitzenforschung entscheidend für die Innovationsfähigkeit unseres Landes

Professor Dr. Peter Sanders vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Professor Dr. Peter Auer vom Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) erhalten den Landesforschungspreis 2011. Dies gab Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, heute bekannt. Die Auszeichnung für Spitzenleistungen in der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung ist mit je 100.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Festakts heute, am 20. Juli 2012, in der Aula der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg statt.

"Die exzellenten Forschungsergebnisse unserer baden-württembergischen Wissenschaftler finden weltweit Anerkennung und bereiten oftmals bahnbrechende Innovationen vor. Baden-Württemberg hat hier ein enormes Potenzial – unsere Spitzenforschung ist und bleibt eine tragende Säule für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort", sagte Theresia Bauer. "Ich beglückwünsche die beiden Preisträger zu ihren herausragenden Leistungen und freue mich, dass sie die mehr als 20-jährige Tradition des Landesforschungspreises fortschreiben."

Den Landesforschungspreis für Angewandte Forschung erhält Professor Dr. Peter Sanders. Er wird für seinen Beitrag zum "Algorithm Engineering" ausgezeichnet, das eine Berechnung von Reiserouten bis zu einer Million Mal schneller als bei bisherigen Verfahren leistet. Mit seinem Verfahren kann Sanders in Bruchteilen von Sekunden einen optimalen Weg bestimmen, sodass die Kalkulation schon fertig ist, bevor der Anwender überhaupt merkt, dass sie begonnen hat. Um nicht nur die Reisezeit, sondern auch eine komplette Beschreibung der Route zu ermitteln, werden durchschnittlich 0,00015 Sekunden benötigt. Die Effizienz und Einfachheit des Verfahrens ermöglichen zukünftig eine "fortgeschrittene Routenplanung". Neben den klassischen Faktoren Zeit oder Streckenlänge können dabei auch Größen wie der Spritverbrauch, die Fahrzeugabnutzung oder anfallende Mautgebühren berücksichtigt werden. Der Suchmaschinenkonzern Google hat Sanders für seine Arbeit bereits dreimal einen Research Award gestiftet. Inzwischen werden die Algorithmen von der Industrie immer breiter eingesetzt. "Wir verstehen uns als Lieferanten eines leistungsfähigen Berechnungsverfahrens", erläutert Sanders. "Daher haben wir das Verfahren auch nicht patentieren lassen. Die anwendungsbezogene und grafische Umsetzung überlassen wir den Unternehmen."

Professor Dr. Peter Auer wird mit dem Landesforschungspreis für Grundlagenforschung ausgezeichnet. Prämiert wird der Wissenschaftler für seine Arbeiten zur Sprache im Raum. Hier untersucht er vor allem, wie sich die regionalen Unterschiede im Deutschen im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung verändern. "Der geografische Raum und die Sprache hängen immer weniger zusammen", erklärt Auer. Die gestiegene Mobilität der Menschen habe dazu geführt, dass die Beziehung Sprache - Mensch - Raum immer schwächer geworden ist. Eine der Leitfragen des Forschers der Universität Freiburg ist daher die nach der Stärke des "geografischen Signals" in der heutigen Alltagssprache. Dieses nimmt innerhalb des deutschen Sprachraums, aber auch in den meisten anderen europäischen Ländern immer mehr ab. Damit verschwindet die Sprache des Raumes, so die These. Die Forschungen von Auer haben ergeben, dass statt der alten Dialekte oftmals nur noch einzelne dialektale Merkmale – oder einzelne dialektale Wörter – verwendet werden, um die großregionale Zugehörigkeit zu signalisieren. Die Angst, dass Dialektverwendung die Ursache für geringere Bildungschancen sein könnte, hält Auer für unbegründet, wie nicht zuletzt das Beispiel der deutschsprachigen Schweiz zeigt. Allerdings sei die Heranführung an die Schriftsprache eine Grundvoraussetzung für eine bessere Bildung. "Grundsätzlich reicht es aber nicht aus, einfach mit den Kindern deutsch zu sprechen, um die Voraussetzung für erfolgreiche Bildungskarrieren zu schaffen", betont Auer. Für die Vermittlung schriftsprachlicher Kompetenzen ist aus seiner Sicht eine bessere Ausbildung von Erziehern und Grundschullehrern notwendig. Dafür sei zum Beispiel eine analytische Auseinandersetzung mit den Grundregeln der Orthographie Voraussetzung.

Der Landesforschungspreis Baden-Württemberg ist mit insgesamt 200.000 Euro der höchstdotierte Forschungspreis eines Landes. Er wird für Projekte in der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung vergeben. Es können Arbeiten aus allen Disziplinen vorgeschlagen werden, die von den Fakultäten der Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wissenschaftlichen Organisationen und den Mitgliedern des Auswahlausschusses eingereicht werden. Über die Preisvergabe entscheidet dann eine Kommission unter dem Vorsitz des Präsidenten der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die zugleich die Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg ist. Dies ist seit 2009 Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Hermann H. Hahn.

Kontaktdaten der Preisträger:

Prof. Dr. Peter Sanders
Institut für Theoretische Informatik
(Algorithmik II)
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Am Fasanengarten 5
76131 Karlsruhe
Tel. 0721 / 608-47580
Fax 0721 / 608-43088
E-Mail sanders@kit.edu
Prof. Dr. Peter Auer
Freiburg Institute for Advanced Studies
(FRIAS)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Albertstraße 19
79104 Freiburg
Tel. 0761 / 203-97357
Fax 0761 / 203-97397
E-Mail peter.auer@frias-freiburg.de
Pressekontakt:
Dr. Herbert von Bose
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: pressestelle@adw.uni-heidelberg.de

Dr. Herbert von Bose | idw
Weitere Informationen:
http://www.haw.baden-wuerttemberg.de
http://www.mwk.baden-wuerttemberg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften