Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochleistungswerkstoffe für Europas schnellstes Renntretboot

16.06.2011
Auf dem Schwimmsteg neben der Rennstrecke stehen mehr als 20 schwarze T‐Shirts und Kapuzenpullover: Das Waterbike‐Team der Universität Rostock.

Strahlende Gesichter, geballte Fäuste, jubelnde Hände, Umarmungen, Laola‐Wellen am Wasserrand. Vor wenigen Augenblicken ist das 100 m‐Sprint Finale zu Ende gegangen. Die Königsdisziplin der schnellsten Boote der Internationalen Waterbike Regatta. Und die Rostocker Tretbootfahrer haben Grund zur Freude.


Robert Tietze und Benjamin Milkereit (vorne) auf annaX beim Start zum 10 m Sprint. (Foto: Uni Rostock)

AnnaX, das Flagschiff der Hansestädter, zeigte sich wieder einmal als unschlagbar im Feld der 33 Tretboote. In den Vorläufen, im Halbfinale und auch im Rennen der schnellsten vier Tretboote fuhren die Rostocker eine Bestzeit nach der anderen und stellte erneut ihre Dominaz bei Sprint‐ und Langstreckendisziplinen eindrucksvoll unter Beweis.

AnnaX: Renntretboot für Höchstgeschwindigkeiten als Zweirumpf‐Outrigger‐Konstruktion nach klassischem, polinesischem Vorbild, Rumpf aus Carbonfaserverstärktem Epoxidharz als Sandwichkonstruktion mit Polyurethanschaum und Wabenkern und einem Antrieb aus seewasserbeständigen Wellen und Propeller aus höchstfesten Aluminiumlegierungen, knapp 6 m lang, 45 kg leicht und bis zu 12 kn schnell.

Bereits seit mehr als 30 Jahren werden an schiffbauenden Universitäten in Deutschland und in ganz Europa Renntretboote konstruiert, gebaut und bei internationalen Regatten erprobt. Was zunächst ein Domizil der Schiffbauer war, denn um Wasserfahrzeuge ging und geht es immer noch, zeigt sich heute als weites Lernfeld für Studierende mit breiter interdisziplinärer Verknüpfung. Ein hoher Grad an Eigenmotivation, Entdeckerfreude und Forscherdrang ermöglicht den Studierenden auf entdeckende und damit nachhaltige Weise Erlerntes in einen konkreten, praktischen Bezug zu setzen und mit Spaß und hoher Fehlertoleranz zu erproben. Real gefertigte Bauteile als Lösungen von fächerübergreifenden Kooperationen sind das schwimmende Ergebnis.

Eine weitere Disziplin der jährlichen Internationalen Waterbike Regatta im Siebenkampf zu Wasser ist ein Rennen über 100 m vorwärts und 100 m Rückwärts mit zwischenzeitlichem Aufstoppen. „Im Jahr 2009 belegten wir mit AnnaX den 12 Platz.“ Berichtet Dr.‐Ing. Benjamin‐Milkereit. Der ehemalige Student und heutige Mitarbeiter des Lehrstuhles für Werkstofftechnik der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik an der Universität Rostock gehört seit Jahren zum Waterbiketeam, war Kapitän der Mannschaft und leitete den Bau von AnnaX.

„Wir mussten über technische Lösungen nachdenken, die dem Boot bessere Platzierungen in dieser Disziplin ermöglichen. Für eine bessere Anströmung beim Rückwärtsfahren haben wir zwei Rumpfergänzungen für das Heck und eine modifizierte Ruderanlage konstruiert und gebaut. Um den Weg des Aufstoppens deutlich zu verringern, kamen im Jahr 2011 zwei Umkehrschub‐Brems‐Schaufeln hinzu.“ Der Erfolg dieser Ideen zeigt sich in den Ergebnislisten dieser Disziplin: Zweitbeste Zeit im Vorlauf und im ersten Halbfinale für AnnaX.

Neben den Fachleuten für die ingenieurwissenschaftlichen Fragestellungen aus Werkstoff‐ und Antriebstechnik wie auch aus Konstruktion und Strömungslehre braucht ein erfolgreiches Waterbiketeam viele weitere Spezialisten. Projektmanagement, Betriebswirtschaft, Führung und Arbeiten im Team, Moderation und Kommunikation von Entscheidungsprozessen, der Umgang mit Stress und Termindruck, die Kooperation zwischen Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren unterschiedlichster Fachrichtungen, Öffentlichkeitsarbeit und interkultureller Austausch sind unverzichtbare Bestandteile auf dem Weg zum Sieg in der Königsdisziplin.
Ein bisschen verrückt sind sie schon und auch kunterbunt trotz schwarzer T‐Shirts. Der Spaß kommt nicht zu kurz, auch wenn der sportliche Erfolg das Ergebnis ernsthafter wissenschaftlicher und technischer Arbeit ist. Mehrere Studien‐ und Diplomarbeiten konnten zu Fragestellungen aus dem Umfeld des Waterbiketeams erfolgreich bearbeitet und wissenschaftlich begleitet werden. Der Zusammenhalt über viele Generationen von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen stärkt den Charakter eines gelebten sozialen Netzwerkes, das weit über die eigene Studienzeit hinaus trägt. Da muss es nicht wundern, das auch Herren in Anzügen mit grauen Schläfen und Lesebrillen mit dabei sind, wenn der Kampf Bug an Bug geführt wird oder die Fachsimpelei an Land erfreut.

Das Waterbiketeam der Universität Rostock plant längst schon den nächsten Coup: Ein neues Boot! Für die Umsetzung werden begeisterungsfähige Studierende aller Fachrichtungen gesucht.

Kontakt:
Universität Rostock
Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik
Lehrstuhl für Werkstofftechnik
Prof. Olaf Keßler
T: 0381 498 9470
e-mail: olaf.kessler@uni‐rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni‐rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)
26.05.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften