Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hermann-Staudinger-Preis für Axel H. E. Müller: Bayreuther Chemiker entwickelt Polymerarchitekturen

26.01.2012
Am 23. Februar 2012 verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rahmen des Makromolekularen Kolloquiums an der Universität Freiburg den Hermann-Staudinger-Preis an Professor Dr. Axel H. E. Müller, Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie II an der Universität Bayreuth.
Der bedeutendste deutsche Forschungspreis auf dem Gebiet der Polymerchemie besteht aus einer Goldmedaille, einer Urkunde und ist mit 7.500 Euro dotiert. Die Preisverleihung nimmt GDCh-Vizepräsident Professor Dr. Michael Dröscher vor. Die GDCh würdigt damit Müllers herausragende Forschungsarbeiten zur Weiterentwicklung der Polymersynthese und zur Herstellung komplexer nanoskaliger Polymerarchitekturen. Auch seine Arbeiten zum Phasenverhalten von Polymeren in Lösung, die deutliche Parallelen zum Forschungsgebiet Staudingers aufweisen, verdienen hohe Anerkennung.

Müller, geboren 1947 in Neuwied, studierte Chemie an der Universität Mainz. 1977 schloss er sein Studium mit einer Doktorarbeit bei Professor Dr. Günter Viktor Schulz ab, der selbst Staudinger-Schüler und 1971 der erste Hermann-Staudinger-Preisträger war. Müller habilitierte sich 1991 an der Universität Mainz. Seit 1999 ist er Professor für Makromolekulare Chemie an der Universität Bayreuth. In China, Frankreich, Kanada, Japan, Australien und Polen war er zu Gastprofessuren eingeladen.

Weltweite Anerkennung haben Müllers Arbeiten zur ionischen Polymerisation und Gruppentransferpolymerisation erfahren, insbesondere wegen der tiefgehenden mechanistischen Untersuchungen. Sie bilden das Fundament für das gegenwärtige Verständnis der Wachstumsreaktionen bei der anionischen Polymerisation von polaren Monomeren. Aber auch die modernen Methoden der kontrollierten radikalischen Polymerisation, z.B. in Kombination mit Atomtransferprozessen (ATRP), oder reversibler Kettenübertragung (RAFT), mit der sich komplizierte Molekülarchitekturen realisieren lassen, sind dank Müllers Arbeiten in ihrem Mechanismus nun besser verstanden.
Müller wendet diese Methoden an, um neuartige, komplexe Polymerstrukturen zu synthetisieren. Ihn interessiert deren Selbstorganisation zu komplexen Nanopartikeln, insbesondere zu den sogenannten Januspartikeln. Diese nach dem römischen Gott mit zwei Gesichtern benannten Partikel können kugel-, zylinder- oder scheibenförmig sein, besitzen aber immer zwei chemisch unterschiedliche Seiten.

Müllers Grundlagenforschung hat durchaus anwendungsorientierte Aspekte. Die in seinem Arbeitskreis entwickelten Januspartikel stabilisieren Emulsionen und dienen als Verträglichkeitsvermittler und damit zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften nicht mischbarer Polymerblends, könnten aber in Zukunft auch beim chemischen Recycling verschiedenartiger Kunststoffe Anwendung finden. Flaschenbürstenförmige Polymere aus Müllers Labor bilden das Gerüst für organisch-anorganische Hybride. Diese stäbchen- und röhrenförmigen Nanopartikel können als Katalysatoren dienen und werden auch auf ihre Tauglichkeit als lichtsammelnde Einheiten in Solarzellen untersucht. Andere, sternförmige Polymere könnten sich in der Gentherapie und Gentechnologie als Transporter für DNA-Material in Zellen erweisen, für die bisher nur Viren eingesetzt werden konnten.

In der an die Preisverleihung anschließenden Staudinger Lecture trägt Müller über seine neuesten Forschungsergebnisse vor.

Müller hat mit seinen Arbeiten dazu beigetragen, dass die Universität Bayreuth in der Polymerforschung, auch international gesehen, in der ersten Liga spielt. Hierbei hat er von den dortigen exzellenten, fächerübergreifenden Kooperationsmöglichkeiten profitiert wie auch von seinen internationalen Kontakten.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter den Hermann-Staudinger-Preis. Er erinnert an den Freiburger Chemiker und Nobelpreisträger Hermann Staudinger (1881 – 1965), der als Begründer der modernen Polymerchemie gilt. Die Polymerchemie wird in der GDCh durch die Fachgruppe Makromolekulare Chemie vertreten. Sie wurde 1948 gegründet und ist eine der ältesten von 27 Fachgruppen und Sektionen in der GDCh.

Anmerkung an die Redaktion: Gern können Sie bei der GDCh-Pressestelle ein Foto von Professor Müller anfordern.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Space Exploration Masters 2017: Topaktueller Innovationswettbewerb
22.06.2017 | AZO Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

nachricht Otto-Hahn-Medaille für Jaime Agudo-Canalejo
21.06.2017 | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie