Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Forschungsrat zeichnet Luka Cicin-Sain mit dem „ERC Starting Grant“ aus

01.04.2011
1,5 Millionen Euro für die Forschung an Zytomegalieviren am HZI.

Für seine Forschung am ZMV und dessen Wechselwirkung mit unserem Immunsystem erhält Dr. Luka Cicin-Sain, Leiter der Nachwuchsforschergruppe „Immunalterung und Chronische Infektion“ am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) jetzt den „ERC Starting Grant“, ein Forschungsstipendium des Europäischen Forschungsrates, in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Zytomegaliviren (ZMV) kommen weltweit vor, in Deutschland trägt sie jeder zweite in sich – meist, ohne etwas davon zu merken. Trotzdem beeinflussen die Viren unser Immunsystem und sorgen dafür, dass ein bestimmter Typ von Immunzellen, sogenannte Gedächtsniszellen, immer wieder aktiviert werden.

Unser Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk vieler verschiedener Zelltypen. Ein wichtiger Teil davon sind Gedächtniszellen. Sie entstehen am Ende einer Immunantwort gegen einen Erreger und überleben viele Jahre in unserem Körper. Gedächtniszellen reagieren sehr schnell, wenn der gleiche Erreger zu einem späteren Zeitpunkt wieder in unseren Körper gelangt. Das Immunsystem wird dann sehr schnell aktiviert und im Idealfall bekommen wir von der erneuten Infektion kaum etwas mit.

Das Besondere an einer Infektion mit ZMV: Sie verläuft fast immer harmlos – verbunden mit geringen Krankheitssymptomen, die einer Erkältung ähneln. Gleichzeitig verursacht kein anderes Virus eine vergleichbare Immunantwort wie ZMV: ungewöhnlich viele Gedächtniszellen des Immunsystems – bis zu einem Viertel aller Gedächtniszellen – widmen sich ausschließlich der Erkennung und Kontrolle von ZMV.

Für Luka Cicin-Sain ist interessant, wie ZMV unser Immunsystem anregt und was sich daraus ergibt. Wie beim Herpesvirus, wird das ZMV zu einem lebenslangen Begleiter in unseren Zellen. Cicin-Sain nimmt an, dass die Wirtszellen, in denen die Viren in der Ruhephase verweilen, kontinuierlich Virus-Proteine bilden. Diese würden immer wieder das Immunsystem stimulieren.

„Eine chronische Virusinfektion mit ZMV könnte unser Immunsystem auf Dauer erschöpfen, was uns im Alter anfälliger für Infektionen und Krankheiten machen könnte“, sagt Luka Cicin-Sain. Daher sei die Forschung an ZMV auch in einer stetig älter werdenden Gesellschaft von fundamentaler Bedeutung. Anderseits solle man keine voreiligen Schlüsse ziehen: Es wäre auch möglich, dass die starke Immunantwort keine gesundheitlichen Probleme darstelle. Wäre dies der Fall, dann könnte man die Viren zukünftig zur Herstellung von neuen Impfstoffen einsetzen.

Die Viren könnten ungefährliche Proteine von anderen Krankheitserregern produzieren und auf diese Weise sehr wirksame Impfstoffe gegen AIDS oder Krebs ermöglichen. Dazu würde die Erbinformation für dieses Protein in den Virusbauplan eingebracht. Im Idealfall produziert die Wirtszelle dann den neuen Baustein und stimuliert damit das Immunsystem. „Die Immunreaktion gegen diese fremden Bestandteile soll dann wie eine Impfung wirken“, so Cicin-Sain.

Luka Cicin-Sain hat nun fünf Jahre Zeit, das Zytomegalievirus zu verändern und so zu klären, ob es für die Forschung an virusbasierten Impfstoffen genutzt werden könnte. Außerdem möchte er verstehen, ob das Virus unser Immunsystem schwächt, ohne dass wir von diesen Veränderungen etwas mitbekommen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir am Ende dieser fünf Jahre einen entscheidenden Durchbruch in der Erforschung von Zytomegalieviren erreichen“, so Luka Cicin-Sain.

Über den ERC Starting Grant:
ERC steht für European Research Council, den Europäischen Wissenschaftsrat. Dieser vergibt jährlich Fördermittel an Nachwuchswissenschaftler („Starting Grant“) und an bereits als in ihrem Feld führend etablierte Wissenschaftler („Advanced Grants“). Das Ziel eines „ERC Starting Grants“ ist es, exzellente Wissenschaftler zu fördern, deren Forschungsideen höchst innovativ sind. Er soll Wissenschaftler dabei unterstützen, die Grenzen zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft aufzuheben.
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist eine von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen gemeinsam finanzierte Forschungseinrichtung in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Aufgabe des Zentrums ist es, biomedizinische Forschung auf dem Gebiet der Infektionsbiologie sowie deren klinische Anwendung und praktische Umsetzung zu betreiben.

Dr. Bastian Dornbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht EU-Förderung in Millionenhöhe für Regensburger Wissenschaftler
21.04.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie