Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ERC Synergy Grant für Team um Hamburger Physikprofessor Andrea Cavalleri

19.12.2012
Prof. Dr. Andrea Cavalleri von der Universität Hamburg hat gemeinsam mit drei Wissenschaftlern aus Oxford, Genf und Paris einen der ersten elf Synergy Grants des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) eingeworben.
Der europäische Forschungsverbund „Frontiers in Quantum Materials´ Control (Q-MAC)“ bekommt für seine Forschung zu Ultra-Hochtemperatur-Supraleitung in den nächsten fünf Jahren knapp 10 Mio. Euro vom ERC – rund 2,7 Mio. Euro entfallen auf die Universität Hamburg. Der Synergy Grant wurde 2012 das erste Mal vergeben. Mehr als 700 Bewerbungen waren eingegangen.

Das übergreifende Ziel der Q-MAC-Gruppe ist es, Supraleitung bei höheren Temperaturen als bisher möglich (über -100°C) zu erreichen. Hierfür entwickeln die führenden Wissenschaftler aus den Bereichen Materialdesign, Theorie von Quantensystemen sowie ultraschneller Laser- und Röntgen-Physik nun gemeinsam innovative Ansätze, die auf dem bisherigen Verständnis der Physik der Hochtemperatur-Supraleiter aufbauen.
Die Projektleiter sind neben dem Gruppensprecher Prof. Andrea Cavalleri: Prof. Dieter Jaksch (University of Oxford), Prof. Jean Marc Triscone (University of Geneva) und Prof. Antoine Georges (Ecole Polytechnique, Collège de France und University of Geneva). Sie haben sich in dem zweistufigen Begutachtungsprozess – einschließlich Interview und Präsentation in Brüssel – gegen mehr als 700 Mitbewerber durchgesetzt und gehören zu den elf Gruppen, die erfolgreich waren.

Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg: „Wir freuen uns sehr, dass mit Prof. Cavalleri ein international herausragender Wissenschaftler der Universität Hamburg in diesem Wettbewerb überzeugen konnte. Der Europäische Forschungsrat fördert mit seinen Grants nur Spitzenforscherinnen und -forscher, die mit innovativen Forschungsvorhaben überzeugen.“

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung: „Das ist ein großartiger Erfolg für Prof. Cavalleri, sein Team und die Universität Hamburg, zu dem ich sehr herzlich gratuliere. Die Entscheidung des Europäischen Forschungsrats ist Beleg für die hervorragende Kompetenz und das hohe Maß an internationaler Vernetzung des Forschungsstandorts Hamburg.“

Prof. Dr. Andrea Cavalleri, Sprecher von Q-MAC: „Der Synergy Grant ermöglicht meinem Team und mir in den nächsten Jahren mit führenden Wissenschaftlern zusammen innovative Ansätze im Bereich Supraleitung verfolgen zu können. Unsere verschiedenen Physikbereiche machen einen übergeordneten Blick auf dieses faszinierende Thema möglich.“

Bereits 2011 war es Cavalleri und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Max-Planck- Forschungsgruppe für strukturelle Dynamik an der Universität Hamburg gelungen, eine bestimmte isolierende Keramik durch Laserlicht in einen Zustand verlustfreier Stromleitung zu überführen. Dafür darf die Temperatur maximal bei zehn Grad über dem absoluten Nullpunkt (-273°C) liegen. „Ob dies eines Tages auch bei Raumtemperatur funktionieren wird, ist derzeit ungewiss, aber wir werden mit Q-MAC daran arbeiten“, sagt Cavalleri. „Wir wollen dabei etablierte Methoden der Materialforschung mit Ideen aus der Quantenoptik kombinieren, um das ambitionierte Ziel zu erreichen.“

Bisher ist bekannt, dass bestimmte Materialien supraleitende Eigenschaften haben, wenn sie eine kritische Temperatur (Sprungtemperatur) unterschreiten. Durch Veränderung der chemischen und strukturellen Eigenschaften der Materialien kann auf die kritische Temperatur Einfluss genommen werden. So verfolgen die Q-MAC-Forscher beispielsweise den Ansatz, die Kristallstruktur des Materials durch Laserpulse zu verändern und damit die Eigenschaft der Supraleitung in höheren Temperaturen zu erreichen. Ein weiterer experimenteller Ansatz aus der Quantenoptik wird versuchen, mit Laserlicht Schwankungen im supraleitenden System zu reduzieren, weil diese Schwankungen ebenfalls die Temperatur limitieren. All diese experimentellen Ansätze werden im Rahmen von Q-MAC durch umfangreiche theoretische Arbeiten unterstützt.

Andrea Cavalleri ist Professor an der Universität Hamburg und einer der Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie. Er arbeitet am Center for Free-Electron Laser Science (CFEL), einer Kooperation des Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Universität Hamburg.

Die ERC Synergy Grants wurden 2012 als Förderinstrument für herausragende Forschergruppen in der Europäischen Union eingeführt. Die Projektleiter und ihre Teams sollen einander ergänzende Fertigkeiten, Kenntnisse und Ressourcen auf innovative Weise zusammenführen, um Forschungsprobleme gemeinsam anzugehen. Die Förderung kann bis zu 15 Mio. Euro betragen und für eine Laufzeit von bis zu sechs Jahren vergeben werden.

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Andrea Cavalleri
Max-Planck-Forschungsgruppe für Strukturelle Dynamik an der Universität Hamburg
Center for Free-Electron Laser Science (CFEL)
Tel.: 040-8998 5356 (Sekretariat)
E-Mail: andrea.cavalleri@mpsd.cfel.de

Birgit Kruse | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hamburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Berührungslose Ladesysteme
16.11.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Studenten nehmen mit Frühwarnsystem für Geisterfahrer an internationalem Wettbewerb in Peking teil
15.11.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie