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DFG fördert wissenschaftliches Netzwerk zum Thema "Sprachdenken und politische Theorie"

13.08.2010
Mit knapp 50.000 Euro fördert die deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Dauer von drei Jahren ein von Dr. Sabine Sander, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, in Kooperation mit Dr. Ilit Ferber (Tel-Aviv University) initiiertes Netzwerk zum Thema „Sprachdenken und politische Theorie. Jüdisch-deutsche Beiträge vom 18. bis 20. Jahrhundert“.

Das Projekt, an dem 13 internationale Nachwuchswissenschaftler – unter anderem aus Deutschland und Israel, aus den Fächern Kulturwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Sprachwissenschaft, Judaistik, Religionswissenschaft und Psychologie – beteiligt sind, wird im Dezember 2010 seine Arbeit aufnehmen.

Thematischer Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele jüdisch-deutsche Gelehrte, Schriftsteller und Künstler vom 18. bis 20. Jahrhundert Sprachtheorien vorgelegt haben oder in religiösen, philosophischen, politischen, anthropologischen und ästhetischen Kontexten über die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Sprachverlust nachgedacht haben.

Die das Judentum prägende Erfahrung von Diaspora und äußerem oder innerem Exil, von metaphysischer und realer Bodenlosigkeit, das vielfach erlebte Spannungsfeld von Exklusion und Inklusion sowie das Leben in verschiedenen Sprach- und Kulturräumen lässt auch die Frage nach der kulturellen und sozialen Bedeutung von Sprache, Mehrsprachigkeit und sprachlicher Sozialisation ins Blickfeld rücken. Das wissenschaftliche Netzwerk widmet sich nun der Erkundung des Zusammenhangs von Sprachdenken und politischer Theorie in Texten jüdisch-deutscher Gelehrter von der jüdischen Aufklärung (Haskala) bis heute.

In systematischer Absicht geht es um die Frage, welche Rolle die Sprachreflexion in der politischen Theorie spielt und welche politischen Implikationen das Sprachdenken hat. In geschichtlicher Perspektive interessiert die Forscher dabei der Zusammenhang von Sprachdenken und soziokulturellem Hintergrund des Judentums, da anzunehmen ist, dass das Sprachdenken jüdisch-deutscher Gelehrter auch als Versuch einer Bewältigung ihrer prekären Lebenssituation aufgefasst werden kann.

Die Ergebnisse der vier Netzwerktreffen, die in den nächsten drei Jahren am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt stattfinden, werden Ende 2013 auf einer Abschlusskonferenz am Van Leer Institute in Jerusalem präsentiert.

Carmen Voigt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erfurt.de

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