Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG fördert Aufbau einer wissenschaftlichen Datenbank für Mukoviszidose-Wirkstoffe

30.08.2016

Forscher um Privatdozentin Dr. Frauke Stanke, Medizinische Hochschule Hannover, und Dr. Manuel Manfred Nietert, Universitätsmedizin Göttingen, entwickeln derzeit eine Datenbank für Mukoviszidose-Wirkstoffe. Die Datenbank mit dem Namen CandActCFTR hat das Ziel, den Forschungsstand zu Substanzen, die auf den CFTR-Kanal wirken, zu bündeln. Das Mukoviszidose Institut hat das Projekt mit initiiert und wird zur Nutzung der Datenbank in der Forschercommunity aufrufen. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zunächst zwei Jahre mit rund 332.000 € gefördert.

Die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose wird durch eine Störung im CFTR-Gen ausgelöst. Dieses Gen ist die Grundlage dafür, dass die Zelle den CFTR-Kanal bildet, einen Kanal, der an der Regulation des Salz-Wasser-Haushalts der Zellen beteiligt ist.

Bei Mukoviszidose ist dieser Kanal gestört. Dadurch bildet sich ein zäher Schleim, der die Funktion wichtiger Organe, wie die Lunge oder die Bauspeicheldrüse, beeinträchtigt. Seitdem dieser Zusammenhang bekannt ist, wird an Möglichkeiten geforscht, die Funktion des CFTR-Kanals zu verbessern.

Untersucht wird beispielsweise, welche Substanzen Einfluss auf den Kanal haben. Allerdings wissen die daran forschenden Wissenschaftler häufig nicht, welche Wirkstoffe vielleicht schon von anderen Forschern untersucht wurden.

Das kann unter anderem daran liegen, dass negative Forschungsergebnisse teilweise gar nicht veröffentlicht werden. Dadurch kann es vorkommen, dass Substanzen – auch unwirksame – mehrfach getestet werden und vielversprechende Substanzen nicht erkannt werden.

Die Datenbank CandActCFTR

Hier setzt das Projekt CandActCFTR (Curated database of candidate therapeutics for the activation of CFTR-mediated ion conductance) an. Privatdozentin Dr. Frauke Stanke vom Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Klinik für Pädiatrische Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Dr. Manuel Nietert von der Statistischen Bioinformatik Gruppe im Institut Medizinische Statistik der Universitätsmedizin Göttingen möchten eine Datenbank aufbauen, um Forschungsergebnisse zu Substanzen, die hinsichtlich ihrer Wirkung auf den CFTR-Kanal untersucht wurden, zu bündeln. Die in der Datenbank gesammelten Informationen über erprobte Wirkstoffkandidaten ermöglichen es dann später, aus diesen gezielt abzuleiten, welche Moleküle am besten zur Weiterentwicklung als Therapeutikum geeignet sind.

Moderne IT-Strukturen als Grundlage für die Datenbank

Dieses Vorgehen wird durch moderne IT-Strukturen wie die erweiterbare Datenverwaltungssoftware openBIS in der Systembiologie sowie das Chemistry Development Kit (CDK), eine Softwarebibliothek für die Bio-(Chemie)Informatik, möglich. „Wir werden im Rahmen dieses Projektes nun openBIS um die Fähigkeit erweitern, einfacher mit chemischen Strukturinformationen umzugehen", erläutert IT-Projektleiter Nietert. „Neben dem unmittelbaren Nutzen für dieses Projekt wird die hierfür benötigte Dateninfrastruktur später auch für andere Projekte wiederverwertbar sein. Eine softwarebasierte Bibliothek chemischer Strukturen und annotierter Informationen – mit entsprechendem Rechtemanagement – wird auch von anderen Forschungsprojekten, die Substanzen für anderen Fragestellungen testen, benötigt. So kann die Entwicklung von Testkandidaten effizient vorangebracht werden.“

Für Wissenschaftler bietet die CandActCFTR-Datenbank den Vorteil, ihre Ergebnisse – beispielsweise in Form von Primärdaten – schnell zu veröffentlichen. „So können dann auch Synergien genutzt werden“, sagt Projektleiterin Stanke. „Wissenschaftler, die an den gleichen Substanzen forschen, können sich so besser über ihre Forschung austauschen.“ Dabei werden aber keine sensiblen Primärdaten über die Plattform weitergegeben, die Datenbank will vielmehr öffentlich zugängliche Informationen zusammenführen und die Vernetzung der Forschung stärken. „Langfristig werden auch die Patienten selbst von CandActCFTR profitieren, da durch die Datenbank die Identifikation wirklich wirksamer Substanzen erleichtert wird“, erläutert Stanke.

Kooperationsprojekt verschiedener Partner

Der Aufbau der Datenbank erfolgt in Kooperation mit der TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. Auch das Mukoviszidose Institut ist an dem Projekt beteiligt und hat es mit initiiert. „Unsere Aufgabe ist es nun, Wissenschaftler, die zu Mukoviszidose forschen, für die Datenbank zu gewinnen“, erklärt Dr. Miriam Schlangen, Leiterin des Mukoviszidose Instituts, die Rolle des Instituts. „Denn je größer die Datenlage ist, desto besser können vielversprechende Substanzen identifiziert und mit Blick auf die klinische Anwendung weiterentwickelt werden.“

Hintergrund-Informationen

Die Mukoviszidose Institut gGmbH ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Mukoviszidose e.V. Sie erbringt professionelle Dienstleistungen im Bereich der Forschung und des Qualitätsmanagements, um neue Therapieansätze zu ermöglichen sowie die bestehende Therapie zu optimieren. Dies geschieht mit dem Ziel, die Lebenszeit und die Lebensqualität von Mukoviszidose-Patienten zu verbessern.

Über Mukoviszidose

In Deutschland sind rund 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.

Pressekontakt:

Mukoviszidose e. V.
Juliane Tiedt
Telefon: 0228 9 87 80 22
E-Mail: JTiedt@muko.info
www.muko.info

Weitere Informationen:

http://www.muko.info/mukoviszidose-institut Internetseite des Mukoviszidose Instituts
http://www.tmf-ev.de/ Informationen zur TMF

Juliane Tiedt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit