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DFG fördert 20 neue Graduiertenkollegs

14.11.2016

Themen reichen von medizinischer Bildgebung bis zur Analyse von Autorität und Vertrauen in US-Politik und -Gesellschaft / 87 Millionen Euro Fördermittel für zunächst viereinhalb Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland 20 neue Graduiertenkollegs (GRK) ein, darunter drei Internationale Graduiertenkollegs (IGK) mit Partnern in Großbritannien, Neuseeland und Österreich. Dies wurde jetzt vom zuständigen Bewilligungsausschuss bei seiner Herbstsitzung in Bonn beschlossen.

Die Einrichtungen werden zunächst viereinhalb Jahre lang gefördert und erhalten in dieser Zeit insgesamt etwa 87 Millionen Euro. Zusätzlich zu den 20 neuen Kollegs stimmte der Bewilligungsausschuss der Verlängerung von sieben Kollegs für weitere viereinhalb Jahre zu. Die Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Chance, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren.

Insgesamt fördert die DFG zurzeit 206 Graduiertenkollegs, darunter 41 Internationale Graduiertenkollegs; die 20 neuen Kollegs werden 2017 ihre Arbeit aufnehmen.

Die neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen (in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen und unter Nennung der antragstellenden Hochschulen):

Skizzen, Abstracts, Notizen, Protokolle, Exzerpte, Essays, Artikel und Glossen: All diese „Kleinformen“ des Schreibens sind in der Praxis von Forschung und Unterricht, Kunst und Medienöffentlichkeit unentbehrlich. Ihre Genese und Entwicklung, mit der sie zugleich an der Erfolgsgeschichte der Prosa beteiligt sind, will das Graduiertenkolleg „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“ von der Antike bis zur Gegenwart untersuchen. Es geht dabei auch darum zu verstehen, wie mithilfe dieser Kleinformen Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert und medienspezifisch kanalisiert werden.
(Sprecherhochschule: Humboldt-Universität zu Berlin, Sprecher: Professor Dr. Joseph Vogl)

Ultraschall, Röntgenbilder, Computertomografie – diese und andere bildgebende Verfahren sind weithin bekannt. Aus den technisch und mathematisch aufwendig erzeugten Bilddaten werden medizinische Befunde erstellt. Die Diagnosen der Ärzte werden jedoch meist aufgrund qualitativer Argumente getroffen, was den Informationsgehalt der Bilddaten und insbesondere das Potenzial der Bildgebungsmethoden nicht vollständig nutzt. Das Graduiertenkolleg „BIOQIC – BIOphysical Quantitative Imaging Towards Clinical Diagnosis“ erforscht deshalb die biophysikalisch fundierte, quantitative medizinische Bildgebung. Das Kolleg will diese quantitativen Methoden weiterentwickeln und in klinischen Pilotstudien anwenden, um mehr Information aus der Bildgebung zu erhalten.
(Sprecherhochschulen: Humboldt-Universität zu Berlin und Freie Universität Berlin / Charité – Universitätsmedizin Berlin, Sprecher: Professor Dr. Ingolf Sack)

Das Graduiertenkolleg „World Politics: The Emergence of Political Arenas and Modes of Observation in World Society“ befasst sich mit der Entstehung der Weltpolitik als einer eigenen Art von Politik. Aus einer weltgesellschaftstheoretischen Perspektive soll untersucht werden, inwieweit die Entstehung von Weltpolitik sowohl Folge als auch Voraussetzung für die Konstitution moderner Staaten darstellt. Dieser Frage gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichte und Recht gemeinsam nach.
(Sprecherhochschule: Universität Bielefeld, Sprecher: Professor Dr. Mathias Albert)

Wahrnehmung, Urheberschaft des Handelns, Emotionen sowie soziales und sprachliches Verstehen sind zentrale kognitive Phänomene. Das Graduiertenkolleg „Situierte Kognition“ verknüpft die Philosophie des Geistes und der Kognition mit den Kognitionswissenschaften, die in engem Austausch mit den Kognitiven Neurowissenschaften stehen. Hauptziel des Kollegs ist es, die Defizite bisheriger Konzepte des menschlichen Geistes herauszuarbeiten und diese Konzepte so weiterzuentwickeln, dass neuere Entwicklungen in den Kognitionswissenschaften besser berücksichtigt werden, die sich noch nicht angemessen in der philosophischen Theoriebildung niedergeschlagen haben.
(Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr. Albert Newen; weitere antragstellende Hochschule: Universität Osnabrück)

Kurzzeitdynamische Belastungen wie Stöße, Detonationen oder Erdbeben können Bauwerke zum Einsturz bringen. Das Ziel des Graduiertenkollegs „Impaktsicherheit von Baukonstruktionen durch mineralisch gebundene Komposite“ ist es, bestehende Gebäude und Bauwerke durch das Auftragen dünnschichtiger Verstärkungen widerstandsfähiger zu machen. Mithilfe neuartiger mineralisch gebundener Materialien, den Kompositen, soll die Sicherheit der Menschen und der für ihr Leben wichtigen Infrastruktur erhöht werden.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Dresden, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Viktor Mechtcherine)

Laut Weltgesundheitsorganisation leiden mehr als 422 Millionen Menschen weltweit an Diabetes, davon sterben jährlich rund 3,7 Millionen an der Zuckerkrankheit. In Deutschland schätzen Experten die Zahl der Erkrankten auf 8 bis 10 Millionen. Das deutsch-englische Graduiertenkolleg „Immunologische und zellbasierte Strategien bei metabolischen Erkrankungen“ will ein besseres Verständnis der Pathophysiologie von Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes erreichen und Strategien entwickeln, um die Krankheitsverläufe zu stoppen oder gar eine Heilung zu erzielen.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Dresden, Sprecher: Professor Dr. Stefan R. Bornstein, Kooperationspartner: King’s College London, Großbritannien)

Das deutsch-österreichische Graduiertenkolleg „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart“ erforscht rituelle Praktiken, die bedeutsame Beziehungen der Menschen zur Welt – zu anderen Menschen, zu Dingen, zur Natur, zum eigenen Selbst, zum Himmel oder zu Gott beziehungsweise den Göttern – hervorbringen, bestimmen oder ausdrücken. Die Beschaffenheit dieser Weltbeziehungen sagt dann wiederum viel über die jeweilige Kultur und die sozialen oder Geschlechter-Positionen aus, die diese prägen. Die Einrichtung des Kollegs wurde durch den DFG-Bewilligungsausschuss für die Graduiertenkollegs befürwortet. Die österreichische Förderorganisation, der Wissenschaftsfonds FWF, wird in seiner nächsten Sitzung über die Ko-Finanzierung entscheiden.
(Sprecherhochschule: Universität Erfurt, Sprecher: Professor Dr. Jörg Rüpke, Kooperationspartner: Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich)

Das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ versteht den Film als Medium in permanenter Transformation. In den drei Arbeitsfeldern „Formbildungen“, „Verwendungen“ und „Verortungen“ möchte das Kolleg die Prinzipien der Genese und die Dynamiken des Wandels nach der räumlichen Ablösung des Films vom Kinosaal durch tragbare digitale Medien erforschen. So erprobt das Kolleg, wie die Geschichte eines Mediums geschrieben werden kann, das stetiger Veränderung unterworfen ist. Darüber hinaus sollen seine Merkmale theoretisch bestimmt werden.
(Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Sprecher: Professor Dr. Vinzenz Hediger)

Wie entstehen Autorität und Vertrauen in der US-Politik? Wie in der amerikanischen Gesellschaft, in Religion und Kultur? Diese Fragen möchte das Graduiertenkolleg „Autorität und Vertrauen in der amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Geschichte und Politik“ beantworten. Gegenstand der Analyse sind die USA, weil sie aufgrund ihrer frühen Demokratisierung, ihrer egalitär-libertären politischen Kultur, ihrer ethnokulturellen Heterogenität sowie ihrer internationalen Vormachtstellung besonders grundlegende Einsichten zu den Problemen von Autorität und Vertrauen in der Moderne versprechen.
(Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Manfred Berg)

Das Graduiertenkolleg „Spitzen- und laserbasierte 3-D-Nanofabrikation in ausgedehnten makroskopischen Arbeitsbereichen“ entwickelt Fertigungsverfahren für zwei- und dreidimensionale Strukturen im Nanometerbereich. Dabei sollen spitzen- und laserbasierte Techniken zum Einsatz kommen. Basis der Arbeiten sind vor allem Nanopositionier- und Nanomessmaschinen; damit können Strukturierung und Messung an derselben Maschine erfolgen. Mithilfe dieser Maschinen sollen insbesondere größere und unebene Flächen bearbeitet werden, etwa optische Linsen.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Ilmenau, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Eberhard Manske)

Batterien gelten als Schlüsselkomponenten für Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität oder die Energieversorgung. Das Graduiertenkolleg „SIMET – Simulation mechanisch-elektrisch-thermischer Vorgänge in Lithium-Ionen-Batterien“ arbeitet an numerischen Simulationsmethoden für Lithium-Ionen-Batterien. Die Forscherinnen und Forscher gehen das Problem in einem Multiskalenansatz in mehreren Größenordnungen an. Sie simulieren dabei sowohl einzelne Partikel als auch das Elektrodenpaar und die komplette Zelle.
(Sprecherhochschule: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Sprecher: Professor Dr.-Ing. Thomas Wetzel)

Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen des Gehirns werden normalerweise mit Medikamenten behandelt – dies ist jedoch häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Neuroimplantate erlauben hingegen eine lokalisierte Therapie, sie müssen jedoch viele Anforderungen erfüllen. Das Graduiertenkolleg „Materials for Brain (M4B): Dünnschichtbasierte Funktionsmaterialien für die minimal-invasive Therapie von Erkrankungen des Gehirns“ will die Verwendung nanoskaliger, therapeutisch aktiver Beschichtungen für solche Implantate erforschen. Ziel ist es, durch die Beschichtung kontrolliert Substanzen im Hirn freizusetzen.
(Sprecherhochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sprecherin: Professor Dr. Christine Selhuber-Unkel)

Wir wissen nicht genug über die Reaktion von Seeökosystemen auf Umweltveränderungen, um verlässlich vorhersagen zu können, ob diese durch Renaturierungsmaßnahmen tatsächlich zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren. Das Graduiertenkolleg „R3 – Reaktionen auf biotische und abiotische Veränderungen, Resilienz und Reversibilität von Seeökosystemen“ will am Beispiel des Bodensees die Reaktionen von Seeökosystemen auf Umweltveränderungen besser verstehen wie auch deren Resilienz – das ist die Widerstandsfähigkeit eines Ökosystems gegenüber Störungen – und ihre Reversibilität, also die Fähigkeit, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren.
(Sprecherhochschule: Universität Konstanz, Sprecher: Professor Dr. Frank Peeters)

Für viele mathematische Fragestellungen sind Approximation, also Näherungsverfahren, und Dimensionsreduktion die wichtigsten Werkzeuge auf dem Weg zu einer vereinfachten Darstellung – und damit zu Rechenzeitgewinnen. Das Graduiertenkolleg „Mathematische Komplexitätsreduktion“ versteht Komplexitätsreduktion in einem allgemeineren Sinne und wird zusätzlich untersuchen, wann Probleme durch die Einbettung in höherdimensionale Räume („Liftings“) einfacher lösbar werden. Überdies soll der Einfluss der Kosten von Datenerhebungen systematisch betrachtet werden.
(Sprecherhochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Sprecher: Professor Dr. Sebastian Sager)

Eine Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen ist die effiziente Verwendung von Ressourcen. In einer zunehmend vernetzten Welt sind in die Ressourcensteuerung oft mehrere Entscheider involviert, und die zur Verfügung stehenden Datenmengen werden größer. Das Graduiertenkolleg „Fortgeschrittene Optimierung in der vernetzten Wirtschaft“ forscht in den Bereichen Operations Research und Management Science daran, Modelle und Verfahren zu entwickeln und in Softwarelösungen zu überführen, die auf eine effiziente Nutzung der Ressourcen durch intelligente Planung und Steuerung abzielen.
(Sprecherhochschule: Technische Universität München, Sprecher: Professor Dr. Stefan Minner)

Rapide zunehmende Antibiotika-Resistenz sowie der Anstieg sogenannter Zivilisationskrankheiten stellen uns vor große Herausforderungen. Promovierende der Biologie, Medizin und der Wissenschaftsphilosophie des Graduiertenkollegs „Evolutionäre Prozesse in Adaptation und Krankheit (RTG EvoPAD)“ untersuchen daher Anpassungen und Krankheiten unter Einbeziehung der modernen Evolutionsforschung sowie von Ansätzen aus der Wissenschaftsphilosophie, um diese besser zu verstehen.
(Sprecherhochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Sprecher: Professor Dr. Joachim Kurtz)

Die Entwicklung von Metropolen vor dem Zeitalter der Industrialisierung und Globalisierung ist bislang nur unzureichend erforscht. Diese Lücke will das Graduiertenkolleg „Metropolität in der Vormoderne“ schließen, indem es Gründung, Wirkung und Wandel städtischer Großzentren von der griechisch-römischen Antike bis zur Schwelle der Industrialisierung untersucht.
(Sprecherhochschule: Universität Regensburg, Sprecher: Professor Dr. Jörg Oberste)

Bisher gibt es kaum Ansätze für die Verbesserung von Robotern, die leicht veränderbare Materialien bearbeiten oder mit Weichgewebe umgehen. Im deutsch-neuseeländischen Graduiertenkolleg befassen sich Promovierende mit „Soft Tissue Robotics – Simulationsmethoden zur Entwicklung von Steuerungs- und Automatisierungsstrategien von Robotern für die Interaktion mit weichen Materialien“. Ziel ist es, Simulationstechniken und Sensoren weiterzuentwickeln, um neue Regelungs- und Steuerungstechniken von Robotern zu ermöglichen, die mit weichen Materialien interagieren.
(Sprecherhochschule: Universität Stuttgart, Sprecher: Professor Oliver Röhrle, Ph.D., Kooperationspartner: University of Auckland, Neuseeland)

Für viele Tumoren gibt es keine Präventionsmöglichkeiten, weshalb sie meist erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden. Zudem ist es schwierig, effiziente Therapien für Tumorerkrankungen zu entwickeln, da genomische Verschiedenartigkeit nicht nur zwischen unterschiedlichen Tumoren (intertumoral), sondern auch in einem Tumor selbst (intratumoral) besteht, was zur Therapieresistenz beiträgt. Das Graduiertenkolleg „Heterogenität und Evolution in soliden Tumoren (HEIST): Molekulare Charakterisierung und therapeutische Konsequenzen“ will die intra- und intertumorale Heterogenität, die Evolutionsgeschichte eines Tumors und die dafür verantwortlichen Gene verstehen, um die Therapie von Tumoren auch in fortgeschrittenen Stadien zu verbessern.
(Sprecherhochschule: Universität Ulm, Sprecher: Professor Dr. Thomas Seufferlein)

Abweichungen im sogenannten Ubiquitinsystem des Körpers tragen zur Entstehung einer Vielzahl von Krankheiten wie Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen und Infektionskrankheiten bei. Ziel des Graduiertenkollegs „Ubiquitylierung verstehen: Von molekularen Mechanismen zu Krankheiten“ ist daher die Aufklärung biochemischer und pathogener Mechanismen, welche den mit dem Ubiquitinsystem in Zusammenhang stehenden Krankheiten zugrunde liegen.
(Sprecherhochschule: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Sprecher: Professor Dr. Alexander Buchberger)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2109, presse@dfg.de

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Graduiertenkollegs.

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Armin Krawisch, Leiter der Gruppe Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen, Nachwuchsförderung, Tel. +49 228 885-2424, Armin.Krawisch@dfg.de

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und zu den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter: www.dfg.de/gk/

Beneditk Bastong | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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