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Leibniz-Nachwuchspreise gehen nach Potsdam und Tübingen

23.11.2007
Leibniz-Gemeinschaft verleiht ihre diesjährigen Nachwuchspreise an Lise Bech Christensen vom Astrophysikalischen Institut Potsdam und Markus Huff vom Institut für Wissensmedien in Tübingen. Prof. Benno Parthier als erster Träger des "Hans-Olaf-Henkel-Preis - Preis für Wissenschaftspolitik" für seine Verdienste um die Zusammenführung der west- und ostdeutschen Wissenschaft nach der Wiedervereinigung geehrt.

Die Nachwuchspreise der Leibniz-Gemeinschaft gehen in diesem Jahr an die Astrophysikerin Lise Bech Christensen (32) vom Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP) und den Psychologen Markus Huff (31) vom Institut für Wissensmedien in Tübingen (IWM). Der Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft prämiert herausragende Doktorarbeiten, die an Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft entstanden sind. Er wird in den Kategorien Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Natur- und Technikwissenschaften vergeben, die jeweils mit 3000 Euro dotiert sind. Die Preisverleihung fand gestern im Zuge des Festakts zur Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft in Göttingen statt und wurde durch den wissenschaftlichen Vizepräsidenten der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr. Eckhard George vorgenommen.

Dr. Lise Bech Christensen stammt aus Dänemark und wird für ihre Doktorarbeit mit dem Thema "Probing quasar sight lines in three dimensions" ausgezeichnet, die sie von 2002 bis 2005 als Doktorandin am Astrophysikalischen Institut Potsdam anfertigte.

Die Resultate ihrer Untersuchung sind "bahnbrechend", urteilt AIP-Direktor Prof. Dr. Matthias Steinmetz. Durch Christensens Projekt konnte die Anzahl der identifizierten DLA-Galaxien mehr als verdreifacht werden. DLA-Galaxien (Damped Lyman-Alpha Absorber) sind schwache gasreiche Galaxien, die bisher mit konventionellen Mitteln nur sehr schwer nachgewiesen werden konnten.

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Christensen gelang es, zahlreiche neue DLA-Galaxien durch die Untersuchung ausgewählter Quasare nachzuweisen, da das Absorptionslinienspektrum dieser energiereich strahlenden Quasare DLA-Galaxien in der Sichtachse zum Quasar anzeigt. Durch Christensens Entdeckungen sind nun erstmals statistisch signifikante Trends im Bereich der DLA-Galaxien auszumachen. Zurzeit führt Christensen ihre Untersuchungen zu DLA-Galaxien mit einem der renommierten Stipendien bei der europäischen Südsternwarte in Chile fort und widmet sich zudem der Erforschung von gasförmigen Hüllen um Quasare. Die zahlreichen Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften sowie ihre vielen erfolgreichen Projektanträge bringen AIP-Direktor Steinmetz zur Prognose, dass Christensen "sicher eine glanzvolle Karriere in der Astrophysik bevorsteht".

Dr. Markus Huff erhält den Leibniz-Nachwuchspreis in der Kategorie Geistes- und Sozialwissenschaften für seine Arbeit "Verbalisierungsprozesse bei dynamischen Szenen" (erschienen im Logos Verlag Berlin), die er von 2004 bis 2006 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Tübinger Institut für Wissensmedien verfasste.

Mit drei laborexperimentellen Studien untersuchte Huff die Einflüsse von verbalen Erläuterungen auf die Wiedererkennungsleistung von visuellen Informationen, speziell auf dynamische Szenen. Klassische Theorien gehen davon aus, dass zusätzliche verbale Informationen das Lernen und Behalten visueller Informationen unterstützen. Allerdings haben Erkenntnisse z.B. aus Untersuchungen zur Wiedererkennung von Tätern durch Augenzeugen Hinweise darauf gegeben, dass zusätzliche verbale Informationen die Wiedererkennungsleistung negativ beeinflussen können. Diesen "Verbal Overshadowing Effekt" wendet Huff nun auf die Instruktionspsychologie bezüglich des Lernens/Erkennens dynamischer Szenen an. Er kann auch hier Verschlechterungsleistungen im Sinne des Verbal Overshadowing feststellen, wenn eine Verbalzusammenfassung nach einer visuellen Präsentation gezeigt wurde. Ein gegenteiliger, nämlich positiver Effekt zeigte sich, wenn eine Verbalzusammenfassung einem visuellen Geschehensverlauf vorangestellt wird, woraus sich Konsequenzen für die Gestaltung von Lernfilmen oder virtuellen Lernumgebungen ziehen lassen.

Prof. Dr. Benno Parthier wurde insbesondere für seine herausragenden Verdienste um einen gesamtdeutschen Forschungsraum und die erfolgreiche Vereinigung unterschiedlicher Wissenschaftssysteme mit dem erstmals verliehenen und mit 20.000 Euro dotierten "Hans-Olaf-Henkel-Preis - Preis für Wissenschaftspolitik" geehrt. Dazu gehört die Eingliederung der Forschungsinstitute der Akademie der Wissenschaften der DDR in das gesamtdeutsche Wissenschaftssystem nach der Wiedervereinigung ebenso wie die Reform der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

"Professor Benno Parthier hat die erfolgreiche Zusammenführung des ost- und des westdeutschen Forschungssystems - wofür die Leibniz-Gemeinschaft steht - maßgeblich mitgestaltet. Erst die Aufnahme der einstigen DDR-Institute hat der Leibniz-Gemeinschaft gesamtdeutsches Gewicht verliehen", würdigte Leibniz-Präsident Prof. Dr. Ernst Rietschel den Preisträger. Durch die Aufnahme der 34 leistungsfähigsten Akademieinstitute der DDR nach der Wiedervereinigung wuchs die Zahl der damals lose verbundenen "Blaue-Liste-Einrichtungen" stark an, was dann bald zur Gründung der heutigen Leibniz-Gemeinschaft führte. Prof. Benno Parthier war auch Gründungsdirektor und geschäftsführender Direktor des jetzigen Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle und von 1990 bis 2003 der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle. Außerdem war Parthier 1990/91 Mitglied der deutsch-deutschen Kommission des Wissenschaftsrats und Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats von 1994 bis 96.

Kontakt
Leibniz-Gemeinschaft
Christoph Herbort-von Loeper M.A.
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Mobil: 0174 / 310 81 74
E-Mail: herbort@leibniz-gemeinschaft.de
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 83 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Wissenschaft. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die Institute beschäftigen rund 13.700 Mitarbeiter, ihr Gesamtetat beträgt etwa 1,1 Milliarden Euro. Sie werden gemeinsam von Bund und Ländern finanziert.

Christoph Herbort-von Loeper | idw
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