Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationspreis für "Zebra" aus Bremen - neuartiges Messsystem bewährt sich

28.09.2007
Es gibt nur wenige Auszeichnungen in diesem Bereich, und eine davon ging nun an die Universität Bremen: Während der Internationalen Konferenz "2Laser Assisted Net Shape Engineering" (LANE) in Erlangen wurde der Diplomphysiker Thorsten Bothe vom Bremer Institut für angewandte Strahltechnik (BIAS) für ein neuartiges Messsystem mit dem "Innovationspreis Lasertechnik 2007" geehrt. "Zebra" heißt die Entwicklung, denn sie arbeitet mit der Reflektion von Streifen.

Bothe hatte die Idee, initiierte das Projekt, suchte Partner dafür und hat es auch durchgeführt. "Aber wir konnten das alles nur in Zusammenarbeit realisieren", sagt der Preisträger und verweist auf die vielen Kooperationspartner und Förderer des Projektes. Mitentwickelt wurde "Zebra" von den Vereinigte Elektronik-Werkstätten GmbH (VEW) in Bremen. So entstanden bereits mehrere Prototypen der neuen Messgeräte. Sie arbeiten unter anderem bei Airbus und im Institut für Werkstofftechnik (IWT) an der Universität Bremen.

Weitere Kooperationen in dem Projekt gab es mit dem Fraunhofer Institut ISE in Freiburg, der Fachhochschule Bern und der Satisloh GmbH in Wetzlar, einem Hersteller von Maschinen für die Brillenglasfertigung. Auch das Land Bremen war beteiligt: mit einer initialen Förderung des Forschungsvorhabens. Und letztlich nahm sich auch die innoWi GmbH, das Gemeinschaftsunternehmen der Bremer Hochschulen und der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH, des Messsystems an. Sie übernahm die Patentierung und kümmert sich gemeinsam mit den VEW um die Vermarktung der Idee - mit ersten Erfolgen, denn zunehmend melden sich auch Interessenten aus dem außereuropäischen Ausland.

Die Preis-Jury bewertete das optische Verfahren, die Anwendungsbezogenheit sowie die Wissenschaftlichkeit. Sie sah die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in die Praxis in dem Bremer Projekt als hervorragend an. Der Erfolg der Bremer Entwicklung bestätigt diese Beurteilung. "Es gibt ein sehr großes Anwendungsfeld und wirtschaftliches Potenzial für das Messsystem", sagt Dr. Jens Hoheisel, Innovationsmanager bei der innoWi. Nach umfangreichen Vorstudien zur Marktfähigkeit der Entwicklung war die innoWi aktiv geworden, sucht nun Lizenznehmer und betreibt eine umfangreiche Innovationskommunikation.

Die Messgeräte sind handlich, leicht, mobil, und sie arbeiten hochpräzise - im Nanometer-Bereich, also in der Größenordnung von Millionstel Millimetern. Entsprechend groß ist die Bandbreite der Interessenten. Sie reicht von der der Automobil- oder Flugzeugindustrie über die Hersteller von Brillengläsern und Kontaktlinsen bis hin zu Betreibern von Sorlarparks. "Es gibt offensichtlich einen enormen Bedarf an dem neuen Produkt, und zudem birgt das System ein großes Entwicklungspotenzial", weiß Hoheisel aus seinen Untersuchungen. Mittlerweile würden "Zebra"-Varianten auch in Spanien zur Prüfung von Solarspiegeln eingesetzt.

Sogar Anfragen aus Indien gebe es schon, sagt Dipl.-Ing. Achim Gesierich von den VEW. Besonders die optische Industrie zeige ein großes Interesse. "Parallel zur Vermarktung des neuen Systems arbeiten wir gemeinsam mit dem BIAS an der Weiterentwicklung, unter anderem dem 'Mini-Zebra'", sagt der Ingenieur. Ein erstes Modell werde demnächst vorgestellt. Es erfasst Messflächen von 4 bis 3 Millimetern bis 3 bis 4 Zentimetern. "Zum Beispiel für die sehr kleinen Linsen in den Digitalkameras", sagt BIAS-Abteilungsleiter Dr. Christoph von Kopylow. Anders als ein Mikroskop, das nur zweidimensionale Bilder einer Oberfläche darstellt, liefere das System "Zebra" auch Daten zur dreidimensionalen Form, erklärt er.

Das Messsystem "Zebra" findet jede Macke im Spiegelbild

Wer im Gegenlicht über eine blanke Fläche blickt, sieht nicht die Fläche selbst, sondern das, was sich darin spiegelt. Hat die Fläche Macken, ist das Spiegelbild an diesen Stellen verzerrt. Nach diesem Prinzip arbeitet das Messsystem. Mit ihm lassen sich einfach und schnell kleinste Unebenheiten in reflektierenden Oberflächen messen und bewerten. "Zebra" spürt Unebenheiten von nur einem Nanometer auf. Die Wissenschaftler erzeugen auf einem Bildschirm ein Streifenmuster und bringen den Bildschirm über die zu untersuchende Fläche. Eine Kamera nimmt die sich in der Fläche spiegelnden Streifen auf, sendet die Daten an einen Rechner, der die Bilder dann mit Hilfe einer Software (BIAS' Fringe Processor?) auswertet.

Das System findet alle Unregelmäßigkeiten in dem Streifenmuster: Ist das Spiegelbild irgendwo verzerrt, ist die Oberfläche nicht perfekt. Für derartige Ergebnisse bedarf es normalerweise komplexer, stationärer Messgeräte, die die Objekte abtasten. "Zebra" berührt sie nur mit Licht, also zerstörungsfrei. Die Geräte von nicht einmal einen Zentner sind leicht zu transportieren, sind robust und können problemlos an den zu vermessenden Stellen positioniert werden. Bei Airbus zum Beispiel werden sie mit Saugnäpfen am Flugzeugrumpf angebracht und vermessen dort in zwei Minuten eine Fläche von 150 Quadratzentimetern. "Schon ab 35.000 Euro ist ein 'Zebra' zu haben", sagt VEW-Entwickler Achim Gesierich.

Der Innovationspreis Lasertechnik 2007 für exzellente Leistungen

Der "Innovationspreis Lasertechnik" wird vom "Förder- und Freundeskreis für den Ausbau der Lasertechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg" (FAU e. V.) vergeben und zeichnet junge Wissenschaftler für exzellente Leistungen auf dem Gebiet der Lasertechnologie und -anwendung und für die die hervorragende Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die betriebliche Praxis aus. Der Preis wird international ausgeschrieben, ab 2007 wieder jährlich vergeben und ist für den Erstplatzierten mit 3.000 Euro dotiert. In diesem Jahr ging diese Auszeichnung an Dipl.-Phys. Thorsten Bothe vom BIAS an der Universität Bremen. Gemeinsam mit ihm wurde Dr. Markus Knauer von der Universtät Erlangen geehrt.

Die Internationale Konferenz zur angewandten Lasertechnik (LANE)

Zum fünften Mal fand nun vom 25. bis 28. September 2007 in Erlangen die internationale Konferenz "Laser Assisted Net Shape Engineering" (LANE) statt. Ihr Ziel ist es, der Lasertechnologie und den laserbasierten Prozessen zu einem größeren Anwendungsspektrum in der Produktion zu verhelfen. Sie wird im Dreijahresrhythmus vom Bayerischen Laserzentrum (BLZ) und dem Lehrstuhl für Fertigungstechnologie (LFT) der Universität Erlangen-Nürnberg ausgerichtet, wendet sich an Wissenschaftler sowie industrielle Anwender und genießt internationales Renommee. So nahmen 2004 Spitzenforscher aus 25 Ländern mit 130 Beiträgen teil.

Sabine Nollmann

Dr.-Ing. Matthias Schilf | idw
Weitere Informationen:
http://www.bias.de
http://www.innowi.de
http://www.bias.de/Publikationen/Presse/Bilder/

Weitere Berichte zu: Innovationspreis LANE Lasertechnik Lasertechnologie Messsystem VEW

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie