Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Behnken-Berger-Preis für Strahlenreduzierung in der medizinischen Bildgebung

24.09.2007
Gestern wurde Dr. Christoph Hoeschen vom GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (Helmholtz-Gemeinschaft) mit dem Behnken-Berger-Preis geehrt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt seine Arbeiten, die zu neuen Verfahren geführt haben, um die Strahlenbelastung für Patienten etwa bei der Computertomographie und der Projektionsradiographie zu verringern und zu beschreiben. Die Auszeichnung wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung auf der 14. Jahrestagung der Berlin-Brandenburgischen Gesellschaft für Nuklearmedizin überreicht.

Ob gebrochenes Bein, schmerzende Zahnwurzel, Verdacht auf Brustkrebs oder Lungenentzündung - der Arzt röntgt: Schätzungen gehen von etwa 140 Millionen Untersuchungen pro Jahr aus. Diese Diagnostik ist heute aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken - und zugleich die Ursache für die größte Exposition des Menschen mit ionisierender Strahlung. Die meisten Patienten sind dabei von Projektionsaufnahmen (ca. 93 Prozent der Untersuchungen) betroffen. Um den Strahlenschutz dieser Gruppe möglichst zu optimieren, entwickelte Hoeschen mit zwei Kollegen ein effizientes Verfahren zur Verringerung des ungewünschten Rauschens aus zwei Bildern.

Knapp 40 Prozent der medizinischen Strahlenbelastung stammen aus computertomographischen Untersuchungen, die jedoch nur etwas mehr als 5 Prozent der Untersuchungszahlen ausmachen. Deren Anzahl wird in Zukunft weiter steigen - damit verbunden auch die Strahlenexposition: Anders als beim klassischen Röntgen können die für eine Untersuchung irrelevanten Körperregionen schlechter abgeschirmt werden, sämtliche in Abtastrichtung liegenden Körperanteile werden bestrahlt; zudem ist die Strahlendosis am Eintrittspunkt in den Körper etwas höher. Aufnahmen von ein bis zwei CT-Schichten bedeuten eine ähnliche Strahlenbelastung wie eine konventionelle Großaufnahme der gleichen Körperregion. Hier ist also ein besonderer Optimierungsbedarf notwendig.

Dr. Christoph Hoeschen, Leiter der Arbeitsgruppe Medizinphysik am GSF - Institut für Strahlenschutz, hat ein neues Verfahren entwickelt, das mit deutlich geringerer Strahlendosis Aufnahmen hoher Qualität liefert. "Wir wenden für die notwendige Rekonstruktion der Bilder aus CT-Daten einen neuartigen Algorithmus an, der die in den Rohdaten steckende Information besser ausnutzt", erklärt Hoeschen. Damit können die Wissenschaftler aus der Hälfte der Daten - entsprechend einer halbierten Strahlenbelastung - bei vergleichbarem Rechenaufwand mindestens gleich gute Bilder rekonstruieren wie mit dem bisherigen Standardverfahren. Auf Basis des neuen Algorithmus Polynomial Expansion on the Disc (OPED) haben sie zudem verschiedene neue Aufnahmegeometrien entwickelt, die helfen könnten, ohne Qualitätsverlust die Dosis weiter zu senken. "Das Ergebnis ist, dass schon bei niedrigeren Dosen Aufnahmen von hoher Qualität erhalten werden", betont Hoeschen. Dies kann dann mit Simulationsverfahren, die ebenfalls in der Gruppe optimiert werden, nachgewiesen werden.

Über den Behnken-Berger-Preis

Die Behnken-Berger-Stiftung geht auf den deutschen Physiker Hermann Behnken (1889-1945) und seiner Ehefrau Traute Behnken-Berger zurück. Hermann Behnken gehörte zu den führenden Pionieren der Radiologie in Deutschland und ist der "Vater" der Dosiseinheit "Röntgen". Behnkens physikalische und technische Arbeiten haben entscheidend dazu beigetragen, das solide Fundament der modernen Präzisionsdosiometrie zu formen.

Mit ihrem Preis fördert die Behnken-Berger-Stiftung die Forschung auf dem Gebiet des Strahlenschutzes mit dem Schwerpunkt der Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dabei ist der Fokus insbesondere auf den Schutz vor Umweltschäden aufgrund von Röntgenstrahlung und Radioaktivität, auf die Beseitigung von Strahlenschäden durch therapeutische Maßnahmen, auf die Röntgenstrahlungstherapie und Diagnose von Strahlenschäden und auf die Schutzmaßnahmen vor Radioaktivität gerichtet. Die Behnken-Berger-Preise werden jährlich an zwei junge Nachwuchswissenschaftler verliehen, die hervorragende Leistungen in diesen Gebieten erbracht haben.

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2007/strahlenschutz-hoeschen.php

Weitere Berichte zu: Strahlenbelastung Strahlenschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Spitzenforschung vom Nanodraht bis zur Supernova: Fünf ERC Consolidator Grants für die TU München
14.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Leibniz-Preise 2018: DFG zeichnet vier Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler aus
14.12.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten