Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftsforum Chemie 2007: Martin Jansen ist diesjähriger Karl-Ziegler-Preisträger

11.09.2007
Der mit 50.000 Euro neben dem Otto-Hahn-Preis höchstdotierte Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Karl-Ziegler-Preis, ausgesetzt durch die Karl-Ziegler-Stiftung, wird in diesem Jahr anlässlich des Wissenschaftsforums Chemie am 17. September in Ulm an Professor Dr. Dr. h.c. Martin Jansen, Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart, verliehen.

Jansen, geboren 1944 auf der Nordsee-Insel Pellworm, wird für sein Lebenswerk auf dem Gebiet der anorganischen Festkörper- und Molekülchemie ausgezeichnet. Damit werden seine herausragenden Leistungen bei der Entwicklung neuer Hochleistungswerkstoffe und neuer Konzepte in der Syntheseplanung gewürdigt. Die Preisverleihung findet um 19 Uhr im Ulmer Kornhaus statt und ist öffentlich.

Ähnlich wie der Nobelpreisträger von 1963, Professor Dr. Karl Ziegler, der bereits als 38jähriger einen Lehrstuhl in Halle vertrat, wechselte Jansen nach Studium, Promotion und Habilitation in Gießen bereits mit 36 Jahren auf einen Lehrstuhl an die Universität Hannover. 1987 nahm er einen Ruf an die Universität Bonn an. Seit 1998 ist er Direktor am Max-Planck-Institut in Stuttgart. Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang: Sie beginnt mit der besten Dissertation 1972/1973 an der Universität Gießen und führt u.a. über den Otto-Bayer-Preis (1987), den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der GDCh (1996), der Auszeichnung mit der Mitgliedschaft in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (2000) und mit der Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München (2004) nun zum Karl-Ziegler-Preis, dem wohl bedeutendsten "reinen" Chemiepreis in Deutschland.

Jansen bearbeitet die Chemie in einer Breite und Tiefe, die kaum mehr Parallelen in der heutigen Forschungslandschaft hat. Neben seinen für die Fachrichtung anorganische Festkörperchemie typischen Arbeitsgebieten wie Strukturchemie von Nichtmetall- und Metalloxiden, insbesondere Strukturaufklärung mit modernen Methoden, und Hochtemperatur- und Hochdrucksynthese, gehört die Untersuchung physikalischer Eigenschaften und die Analyse von Struktur-Eigenschafts-Beziehungen für Jansen zum Selbstverständnis. Das Repertoire der Molekülchemie beherrscht er virtuos. In der Materialforschung gilt Jansens Entdeckung und Entwicklung einer Si-B-N-C-Hochleistungskeramik (Si: Silicium, B: Bor, N: Stickstoff, C: Kohlenstoff), die gegenüber Hitze und zugleich oxidativer Zersetzung stabiler ist als alle zuvor bekannten Hochleistungskeramiken, als ein besonderes Highlight. Aus ihr können u.a. Fasern gezogen werden, und sie findet Anwendung bis hin zur Raumfahrttechnik. In den letzten Jahren hat sich Jansen zudem in theoretischen Arbeiten mit der Strukturvorhersage und der Syntheseplanung befasst.

... mehr zu:
»GDCh »Materialforschung

Jansen geht mit Beharrlichkeit und Kreativität an offene Fragen heran und stellt neue Fragen. Sein außerordentliches Engagement für die Wissenschaft, aber auch seine wissenschaftspolitischen Aktivitäten und seine große Ausstrahlung als Lehrender wurden vom Beirat der Karl-Ziegler-Stiftung in der Begründung für die Preisvergabe hervorgehoben. Viele seiner ehemaligen Schüler sind in leitenden Positionen in der Industrie oder an Universitäten tätig, so auch die Laudatorin in Ulm, Professor Dr. Barbara Albert, Technische Universität Darmstadt und Vorsitzende der GDCh-Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung.

Die Karl-Ziegler-Stiftung wurde 1993 bei der GDCh eingerichtet und 1998 anlässlich des 100. Geburtstags des Namensgebers durch die ersten Stiftungsaktivitäten publik gemacht. Stifterin ist die Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte. Seither wurde der Karl-Ziegler-Preis viermal vergeben. Aus der Stiftung werden seit 1998 auch die Karl-Ziegler-Förderpreise bevorzugt an jüngere Wissenschaftler vergeben. In diesem Jahr erhalten über 20 Studierende und Doktoranden ein Reisestipendium bis zu 500 Euro. Der beste Stipendiat, Christophe Linder, Universität Kaiserslautern, erhält 1.000 Euro und darf seine Arbeiten im Karl-Ziegler-Stiftungssymposium anlässlich des Wissenschaftsforums präsentieren. Prominente Vortragende auf diesem Symposium sind Professor Dr. Peter Hofmann, Universität Heidelberg, mit einem Beitrag über industrielle Katalyse und Professor Dr. Ferdi Schüth, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr, mit einem Beitrag über Metall-Nanopartikel als Basis katalytisch aktiver Materialien. Karl Ziegler, seinerzeit Direktor des MPI für Kohlenforschung, hat den Nobelpreis 1963 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der metallorganischen Katalyse erhalten, womit er vor allem der Kunststoffentwicklung entscheidende Impulse gab.

Anmerkung an die Redaktionen: Professor Jansens Arbeiten in der Materialforschung sind auch essentiell für die chemische Energieforschung. Daher wird Professor Jansen an der GDCh-Pressekonferenz zum Wissenschaftsforum Chemie 2007 an der Ulmer Universität am 17. September um 12 Uhr zur Frage "Energie - durch Chemie?" teilnehmen. Sie sind herzlich eingeladen.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: GDCh Materialforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg
29.05.2017 | Universität Hamburg

nachricht Auszeichnung der ESA BIC Startup-Challenge während der INNOspace Masters Konferenz in Berlin
24.05.2017 | Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise