Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Siemens erhält Innovationspreis „Intelligenz für Verkehr und Logistik“

12.06.2007
Das neue Triebfahrwerk Syntegra für U- und S-Bahnen setzt Maßstäbe bei Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz Siemens hat für seine Neuentwicklung „Syntegra“ den Innovationspreis „Intelligenz für Verkehr und Logistik“ des Jahres 2007 erhalten.

Friedrich Smaxwil, Bereichsvorstand von Siemens TS, nahm die Auszeichnung heute aus den Händen des bayerischen Wirtschaftsministers Erwin Huber auf der Fachmesse „transportlogistic“ in München entgegen. Der Preis wird verliehen vom Center for Transportation & Logistics Neuer Adler e.V., Nürnberg. Mit dem Innovationspreis werden Unternehmen ausgezeichnet, die durch innovative Produkte oder Dienstleistungen einen besonderen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaftswachstum, zur Sicherung von Arbeitsplätzen sowie zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft leisten.

„Die Auszeichnung freut uns ganz außerordentlich und bestärkt uns bei Siemens, den eingeschlagenen Weg zu noch mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in der Bahntechnik entschlossen fortzusetzen“, so Friedrich Smaxwil. „Mit dem Triebfahrwerk ‚Syntegra’ lassen sich erhebliche Gewichts- und Energieeinsparungen realisieren. So können wir auch einen weiteren Beitrag leisten zur Senkung des CO2-Ausstoßes und damit zum Klimaschutz.“

Syntegra begründet einen Generationswechsel bei Triebfahrwerken für Schienenfahrzeuge. Antriebs-, Fahrwerk- und Bremstechnologie werden mit Syntegra zu einem hochintegrierten mechatronischen Gesamtsystem zusammengeführt. Syntegra ersetzt den heutigen, mechanisch sehr komplexen Traktionsantrieb durch einen im Aufbau sehr einfachen getriebelosen Drehstromantrieb auf Basis einer permanenterregten Synchronmaschine. Die vollständig gekapselte Ausführung des Fahrmotors schützt die Wicklung wirkungsvoll vor Verschmutzung und Nässe. Dies gewährleistet einen wartungsfreien Betrieb und eine lange Lebensdauer.

Weiterer Kernbestandteil ist ein völlig neues Fahrwerkkonzept, in das der Direktantrieb komplett integriert ist. Der Fahrmotor wird so zu einem integralen Bestandteil des Fahrwerks. Permanenterregte Synchronmaschinen bieten systembedingt einen höheren elektrischen Antriebswirkungsgrad.

Durchschnittlich wurde eine Verbesserung von drei Prozent gemessen. Verglichen mit einem konventionellen Metro- Fahrwerk identischer Antriebsleistung und Tragkraft weist der Syntegra-Prototyp einen Massevorteil von über 15 Prozent aus. Weitere Leichtbaumaßnahmen bis zur Serienreife steigern den Gewichtsvorteil auf circa 30 Prozent. Der höhere Wirkungsgrad in Verbindung mit der Reduzierung der Massen senkt den Energieverbrauch im Fahrspiel für den Betreiber um bis zu 20 Prozent.

Bei einem 4-teiligen Fahrzeug in einem typischen Metro-Fahrspiel ist so eine jährliche Einsparung von 340.000 kWh möglich. Dies entspricht dem Jahresenergieverbrauch von circa 100 Familienhaushalten. Abhängig vom verwendeten Primärenergieträger werden damit auch Treibhausgase reduziert. Syntegra trägt so über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs (40 Jahre) auch zur Verbesserung der Umweltbilanz des Betreibers bei.

Umweltschutz durch Reduktion der Emissionen

Die niedrige Drehzahl des Direktantriebes, die höhere Induktivität des Fahrmotors sowie der Wegfall des Getriebes und Fahrmotorlüfters führen zu einer geringeren Schallentwicklung. Die Mantelwasserkühlung dämpft den Außenschall und senkt die Lärmemissionen zusätzlich.

Der getriebelose Syntegra-Antrieb kennt keinen Ölverlust und verursacht weder Bremsstaub noch Bremsabrieb. Auch moderne Fahrzeuge haben mit herkömmlichen Getrieben deutliche Ölverluste im Betrieb. Das belastet die Umwelt und bedingt entsprechenden Wartungsaufwand. Um nicht das Risiko einer Belastung des Grundwassers einzugehen, müssen Tunnel aufwändig von Ölen gereinigt werden. Zudem müssen die Fahrzeuge gereinigt und das eigentliche Getriebe muss gewartet werden. Bei den regelmäßigen Ölwechseln fällt Altöl an. Der Bremsabrieb der mechanischen Bremse beeinträchtigt Bahninfrastruktur und Umwelt, da die Oberflächen nur aufwändig mit aggressiven Reinigungsmitteln von den extrem feinen Stäuben befreit werden können.

Geringere Lebenszykluskosten

Der geringere Energieverbrauch durch die Massereduktion, der höhere Wirkungsgrad sowie die Minimierung von Verschleiß- und Wartungsteilen senken die Lebenszykluskosten deutlich. Der Wegfall des Getriebes, der Kupplung und der vollwertigen mechanischen Bremse senken die Betriebs-, Unterhalts- und Wartungskosten.

Syntegra ist ein internes Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Siemens AG und wurde von den Bereichen TS (Erlangen und Graz) sowie A&D (Nürnberg) komplett neu entwickelt. Wegen der grundlegend veränderten Systemarchitektur wurde das Projekt mit dem Zwischenschritt eines Prototypfahrzeugs realisiert. Ein U-Bahnfahrzeug (Baureihe B) wurde mit der neuen Syntegra- Technologie ausgestattet, um Lauftechnik und Bremstechnologie im Siemens-Prüfcenter Wegberg-Wildenrath im Betrieb zu testen. Die Langzeiterprobung im regulären Fahrgastbetrieb erfolgt ab Sommer 2007 für mindestens ein Jahr bei den Stadtwerken München. Die Einführung der Technologie bei Serienfahrzeugen wird in circa drei Jahren erfolgen. Syntegra ist skalierbar und zielt damit auf den gesamten Markt elektrischer und dieselelektrischer Schienenfahrzeuge. Alle üblichen Achslasten, Antriebsleistungen und Fahrzeuggeschwindigkeiten können abgedeckt werden.

r. Joachim Stark | Siemens TS-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik