Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Investitionen in geistiges Eigentum

11.06.2007
Die Fraunhofer-Gesellschaft hat ein umfangreiches Programm aufgelegt, um in den nächsten Jahren verstärkt Patentcluster zu erzeugen. Mit diesen massiven Investitionen in Eigenforschung können Fraunhofer-Wissenschaftler schutzfähige Ideen und Erfindungen konsequent voranbringen und durch Patentfamilien die wirtschaftliche Verwertung absichern. Die ersten beiden Projekte »Solarzellen auf Basis metallurgischen Siliziums« und »Mikrobrennstoffzellen« werden jeweils mit bis zu 10 Mio Euro gefördert.

»Wir wollen unseren Ideenpool systematisch ausbauen und aussichtsreiche Gebiete durch Patentcluster absichern«, erklärt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, die Eigenforschungsinitiative. Danach werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren über 100 Mio Euro für IP-relevante Eigenforschung zur Verfügung gestellt. »Wir investieren große Teile der MP3-Lizenzerträge in neues IP, Intellectual Property, um auch in Zukunft deutliche Erlöse aus Lizenzen erzielen zu können,« beschreibt Bullinger die Strategie. Letztlich gehe es darum, »geistiges Eigentum« für den Standort Deutschland zu sichern, damit wir an den kommenden Wachstumsmärkten erfolgreich teilhaben können.

Die Fraunhofer-Gesellschaft gehört seit vielen Jahren zu den zehn größten Patentanmeldern in Deutschland – unter den deutschen Anmeldern. Allein im vergangenen Jahr sind 574 Erfindungsmeldungen bei der Abteilung Fraunhofer-Patente und -Lizenzen eingegangen. Beim Deutschen Patent- und Markenamt meldete die Fraunhofer-Gesellschaft im Vorjahr 396 Erfindungen zum Paten an. International wurden es 473 Anmedlungen eingereicht.

Im Jahr 2006 wurden 267 neue Verwertungsverträge vereinbart. Damit wurden in den vergangenen fünf Jahren 1 145 Verwertungsverträge abgeschlossen. Die Fraunhofer-Gesellschaft erzielte im Jahr 2006 rund 92 Millionen Lizenzerträge. Zwei Drittel davon sind auf die MP3-Patente zur Audiocodierung zurückzuführen.

Mit dem neuen Programm soll das Fraunhofer-Patentportfolio gestärkt und systematisch ausgebaut werden. Es sollen gezielt solche Erfindungen generiert und patentiert werden, die große und attraktive Märkte adressieren und klare wirtschaftliche Vorteile versprechen. Es geht also um den strategischen Aufbau von patentrechtlich geschütztem IP, das Fraunhofer Alleinstellungsmerkmale auf ausgewählten Technologiefeldern verleiht und so neben dem laufenden Geschäft der Vertragsforschung das Potenzial zur nachhaltigen Erzielung von Lizenzerträgen schafft. Die dazu notwendige Eigenforschung soll längerfristig und in größerem Umfang gefördert werden, so dass es möglich wird, ganze Technologiefelder über möglichst dichte Patentcluster zu schützen.

Im Frühjahr wurden die ersten beiden Projekte bewilligt. Im Projekt »Solarzellen auf Basis metallurgischen Siliziums« geht es darum, durch die Verwendung von kostengünstigem »schmutzigem« Silizium den Engpass an hochreinem, kristallinem Silizium zu beseitigen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg hat dazu aussichtsreiche Konzepte entwickelt, die es rasch weiterzuentwickeln und zu schützen gilt.

Im Projekt »Mikrobrennstoffzellen in Multilayerkeramik für die Massenproduktion« arbeiten die Fraunhofer-Institute für Keramische Technologien und Systeme IKTS und ISE an zwei Mikrobrennstoffzellensystemen: Ein tragbares Hochtemperatur-Brennstoffzellensystem der Leistungsklasse 100 Watt, das mit einem Reformer ausgestattet ist und mit verfügbaren Treibstoffen wie Flüssiggas oder Bioethanol direkt betrieben werden kann. Und zum anderen wird ein kleines Niedrigtemperatur-Brennstoffzellensystem für Elektrogeräte entwickelt, das die Ausgangsleistung von etwa einem Watt hat.

In einem weiteren, deutlich kleineren Programm »Challenge« erhalten Fraunhofer-Institute die Möglichkeit unkonventionellen Ideen nachzugehen, die große Chancen eröffnen könnten. Ziel ist, auszuloten, ob sich diese bisher unbekannten Wege als gangbar erweisen. Dafür stellt der Vorstand über 5 Mio Euro in den kommenden drei Jahren zur Verfügung.

»Wir setzen auf das Potenzial der kreativen Köpfe, das wir zielgerichtet und systematisch erschließen wollen« betont der Fraunhofer-Präsident. »Dabei müssen wir aber darauf achten, dass das neue ‘geistige Eigentum’ geschützt und die Verwertung gesichert ist«.

Franz Miller | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Eigenforschung Patentcluster Technologiefelder

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik