Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

8,3 Millionen Euro für "exzellenten" SFB an der Philipps-Universität Marburg

20.12.2006
Sonderforschungsbereich Zellkompartimentierung unter Leitung von Professor Dr. Roland Lill um vier Jahre verlängert - 16 medizinische und biologische Arbeitsgruppen untersuchen intrazellulare Reaktionsräume

Mit 8,3 Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Arbeit des im Jahr 2003 etablierten Sonderforschungsbereichs (SFB) "Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen" weitere vier Jahre lang. Sprecher des SFB ist Professor Dr. Roland Lill, Direktor des Instituts für Zytobiologie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg.

Der SFB, dem 16 Arbeitsgruppen der Philipps Universität Marburg und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie in Marburg angehören und dessen bisherige Arbeit vom DFG-Gutachtergremium nun als "exzellent" beurteilt wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, wesentliche Beiträge zum Verständnis der intrazellulären Kompartimentierung sowohl in gesunden als auch in pathologisch veränderten Zellen zu erarbeiten. Die Kompartimentierung von Zellen, also deren räumliche Unterteilung durch Biomembranen, ist die Voraussetzung für die Schaffung von Reaktionsräumen, in denen spezifische biologische Prozesse ablaufen und gesteuert werden. "In diesem SFB wollen wir insbesondere verstehen", sagt Roland Lill, "was in bestimmten Krankheiten mit der zellulären Kompartimentierung schief läuft, und wie pathogene Erreger die zellulären Räume für ihre eigene Fortpflanzung nutzen und verändern."

SFB fördert den Nachwuchs

"Die neuen Geldmittel erlauben uns", so Lill weiter, "in Geräte und vor allem in Mitarbeiter zu investieren, um damit international kompetitiv an wichtigen wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten." Tatsächlich fließt der Großteil der Mittel in die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern: "25 Doktoranden wurden in den vergangenen Jahren allein im SFB promoviert", berichtet der Zellbiologe. Darüber hinaus arbeiten zahlreiche Postdoktoranden in den Arbeitsgruppen mit.

Erkenntnisfortschritt auf vielen Gebieten

Zu den jüngsten Ergebnissen des SFB gehören unter anderem Erkenntnisse über die Kompartimentierung von Proteinen im Zellkern, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen. Ferner wird die Interaktion von Viren und ihren Wirtszellen am Beispiel von hochpathogenen Erregern wie Marburg-, Ebola- oder Nipah-Virus untersucht. Diese Untersuchungen werden im neuen Hochsicherheitslabor auf den Marburger Lahnbergen durchgeführt werden.

Zu den Themen des SFB gehören aber auch der Stofftransport in und über die unterschiedlichen Membranen einer Zelle, die Verteilung von Metallen auf Kompartimente sowie die Biosynthese von Zellorganellen. Zwei neu in den SFB aufgenommene Projekte machen sich die kürzlich erfolgte Entschlüsselung des Genoms vom Maisbrandpilz Ustilago maydis zunutze. Forscher des Marburger Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie berichteten im November 2006 im Fachjournal Nature über eine bislang unbekannte, aber sehr effektive Strategie des Pilzes bei der Infektion seiner Wirtspflanzen (siehe auch http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/20061101ustilago/20061101ustilago). Die molekularen Grundlagen dieser Vorgänge sollen nun eingehend bearbeitet werden.

Ein weiteres neu gefördertes Projekt widmet sich der Regulation des Blutdrucks durch die Kompartimentierung entsprechender Signalmoleküle in bestimmten Membranbereichen der Zelle und bildet somit die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik. Assoziiert mit dem SFB ist seit Oktober 2006 auch die Juniorgruppe von Dr. Christopher Horst Lillig, der nach einem Postaufenthalt in Stockholm (Schweden) wieder in Deutschland forscht.

Auch Gelder für Kooperationen mit Schulen

Dem SFB wurden von der DFG nun auch Gelder zur Verfügung gestellt, um mit Schulen zu kooperieren. "Hier wollen wir sowohl in Vorträgen zu aktuellen Themen als auch durch Schülerpraktika die jungen Leute für die Forschung begeistern", so Lill über seine Pläne. Kontakte zu den Schulen wurden bereits aufgenommen und sollen ab 2007 in konkrete Projekte umgesetzt werden.

Kontakt

Professor Dr. Roland Lill: Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Medizin, Institut für Zytobiologie, Robert-Koch-Straße 6, 35037 Marburg

Tel.: (06421) 28 66483, E-Mail: lill@staff.uni-marburg.de

Thilo Körkel | idw
Weitere Informationen:
http://web.uni-marburg.de/sfb593
http://www.uni-marburg.de/cyto

Weitere Berichte zu: Kompartimentierung Mikrobiologie Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit