Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Berlin: Mit Quantenpunkten gegen Cyberspace-Diebe

07.11.2006
Drei Nachwuchswissenschaftler der TU Berlin erhalten Nanowissenschaftspreis 2006

Die Nachwuchswissenschaftler Dr. Sven Rodt, Andrei Schliwa und Robert Seguin vom Institut für Festkörperphysik der TU Berlin wurden gestern mit dem Nanowissenschaftspreis 2006 ausgezeichnet. Der Preis würdigt die herausragenden wissenschaftlichen Beiträge der jungen Physiker aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Bimberg auf dem Gebiet der Einzelquantenpunktspektroskopie. Der Preis wurde auf der Tagung "nanoDE 2006" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung überreicht. Er ist mit 5000 Euro dotiert.

Die Methode: quantenkryptographische Systeme sind abhörsicher

Sie erhalten die Auszeichnung für ihre experimentellen und theoretischen Unter¬suchungen der elektronischen Struktur von einzelnen Halbleiter-Quantenpunkten. Hierbei handelt es sich um nanometergroße dreidimensionale Objekte, deren elektronische Eigenschaften aufgrund ihrer geringen Größe durch die Gesetze der Quantenmechanik bestimmt werden. Abhängig von Form, Größe und chemischer Zusammensetzung der Quantenpunkte ist es möglich, dass sie einzelne linear polarisierte Photonen oder polarisationsverschränkte Photonenpaare aussenden bzw. emittieren. Derartige Photonen(-Paare) ermöglichen die Realisierung quantenkryptografischer Übertragungsverfahren. Basierend auf den Gesetzen der Quantenmechanik ist hier ein unbemerktes Abhören einer Nachricht prinzipiell unmöglich. Das betrifft beispielsweise Schlüssel für eine spätere chiffrierte Übertragung.

Die zu übertragende Information wird dabei in Photonen kodiert. Versucht ein Spion die Photonen abzufangen, muss er den quantenmechanischen Zustand des abgefangenen Photons messen und legt damit diesen Zustand fest. Mittels einer statistischen Analyse der empfangenen Photonen merken Sender und Empfänger sofort, ob jemand ihrer Übertragung gelauscht hat. Da die Übertragung der Bits mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt, können die Schlüssel beliebig groß gewählt werden, um dadurch die Dechiffrierung mit herkömmlichen Methoden unmöglich zu machen. Auf Basis des heutigen Wissens sind quantenkryptographische Systeme demnach absolut abhörsicher.

Bereits zum Patent angemeldet

Die Arbeiten aller drei Autoren gehören zu den meist zitierten dieses Arbeitsgebietes in einem internationalen Rahmen. Die Experimentalphysiker Rodt und Seguin konnten sich mit ihren Experimenten und wissenschaftlichen Ergebnissen auf dem beschriebenen Gebiet weltweit an die Spitze all jener Gruppen setzen, die Einzelquantenpunktspektroskopie betreiben. Andrei Schliwa gelang die qualitative Erklärung und Beschreibung des Vorgangs. Ein Bericht über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe erschien in "Physical Review Letters". Der Entwurf einer Reihe unterschiedlicher Bauelementeausführungen, welche die entdeckten Effekte nutzen werden, wurde zum Patent eingereicht.

Zu den drei Personen:

Dr. Sven Rodt wurde 1974 in Berlin geboren. Nach seinem Physikstudium an der TU Berlin arbeitet der promovierte Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Bimberg am Institut für Festkörperphysik der TU Berlin. Er wurde im Jahr 2002 auf der 26th International Conference on Semiconductors in Edinburgh mit dem Young-Author-Award gewürdigt.

Andrei Schliwa wurde 1970 in Leipzig geboren. Er studierte Philosophie sowie Spanisch und schloss sein Physikstudium an der TU Berlin im Jahr 2001 ab. Seit Frühjahr 2001 ist er Mitglied der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Bimberg am Institut für Festkörperphysik und promoviert an der TU Berlin.

Robert Seguin wurde 1978 in Berlin geboren. Im Jahr 2004 schloss er sein Physikstudium an der TU Berlin ab. Seit Sommer 2004 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Bimberg am Institut für Festkörperphysik und promoviert an der TU Berlin.

Mit dem Nanowissenschaftspreis werden hervorragende Arbeiten von jüngeren Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologie ausgezeichnet, die in Deutschland entstanden sind. Der Preis wurde erstmals im Jahr 2000 vom Kompetenzzentrum Nanoanalytik verliehen. Seit 2003 wählt das Kompetenz¬zentrum HanseNaoTec die Preisträger aus, das Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt das Preisgeld.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Dieter Bimberg, Direktor des Instituts für Festkörperphysik der TU Berlin, Tel.: 030/314 22 783, E-Mail: bimberg@physik.TU-Berlin.DE

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2006/pi265.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblick ins geschlossene Enzym

26.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Laser – World of Photonics: Offene und flexible Montageplattform für optische Systeme

26.06.2017 | Messenachrichten

Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017

26.06.2017 | Messenachrichten