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Fördermittel für Wissens-Transfer

06.02.2006


Wissen ist nicht immer dort, wo man es braucht. Die Ökologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena beispielsweise benötigen für ihre molekularbiologischen Analysen Expertenwissen über effiziente Technologien zur Analyse, die Wissenschaftler anderswo bereits entwickelt haben und erfolgreich anwenden. Um das bereits vorhandene Wissen von Experten dorthin zu bringen, wo es benötigt wird, hat die Europäische Union (EU) ein spezielles Transferprogramm aufgelegt. Die EU-Kommission hat jetzt den Jenaer Wissenschaftlern knapp 656.000 Euro aus diesem Programm bewilligt, um Forscher aus anderen EU-Ländern für längere Zeit an die Saale holen zu können. Auf diese Weise können in Jena neue Kompetenzen in der molekularen ökologischen Forschung aufgebaut werden.



HDoz. Dr. Kirsten Küsel, Junior-Professorin Dr. Kerstin Wiegand sowie die Professoren Dr. Wolfgang Weisser und Dr. Stefan Halle untersuchen, wie sich ökologische Veränderungen in einem bestimmten Raum auf die Diversität und Verbreitung dort lebender Organismen auswirken. Kirsten Küsel selbst erforscht räumliche Veränderungen in der Diversität von Mikroorganismen, die zum Beispiel in der Lage sind, aufgrund ihres Stoffwechsels Metalle im Boden zu reduzieren. "Die Schwierigkeit besteht darin, unter den vielen Mikroben genau jene herauszufinden, die uns interessieren und diese zu analysieren", sagt die Limnologin, die das Transfer-Projekt koordiniert. Das für die Analyse derzeit effizienteste Verfahren ist das "stable isotope probing" (SIP), dessen Anwendung aber in Jena niemand beherrscht - bisher.



Untersucht werden Mikroorganismen, die Eisen oder andere Schwermetalle reduzieren können. Dabei werden spezifische Substrate mit 13C-Isotopen markiert, die dann in die DNA eingebaut werden, so dass die Eisen(III)-Reduzierer von den anderen, nicht markierten Organismen unterschieden werden können. Dann lassen sie sich per Zentrifuge abtrennen und können gezielt analysiert werden.

Auch ihre Jenaer Kollegen arbeiten daran, räumliche Strukturen zu erfassen oder zu modellieren. "Wir arbeiten zwar mit unterschiedlichen Forschungsobjekten - etwa Mikroorganismen, Blattläusen oder Mäusen -, aber wir alle brauchen molekularbiologische Methoden und Techniken", weiß Küsel. Mit Hilfe des am 1. März beginnenden Programms JEN-A-MACE (Jena Initiative of Applying Molecular Techniques for the Analysis of Variations of Ecological Processes in Space) kann die Jenaer Limnologin nun Wissenschaftler einladen, die mit jenen speziellen Methoden und Techniken vertraut sind, die sie und ihre Kollegen benötigen.

Eingeladen werden können nach den Vorgaben des EU-Programms promovierte Wissenschaftler, die aus der EU kommen und in den vergangenen drei Jahren maximal ein Jahr in Deutschland gearbeitet haben. Im Rahmen von JEN-A-MACE kann das Institut für Ökologie in den kommenden vier Jahren vier Wissenschaftler an die Friedrich-Schiller-Universität holen. Die Ausschreibungen dafür laufen.

Die Gastwissenschaftler werden nicht gleichzeitig, sondern zeitversetzt in Jena arbeiten, sagt Dr. Küsel. Sie werden für zwei Jahre am Institut für Ökologie tätig sein und an den Forschungen der Jenaer Wissenschaftler mitwirken. "So können sie selbst schon an den zwischenzeitlich vorliegenden Erkenntnissen der anderen teilhaben", weist Küsel auf einen Vorteil. Geplant sind in dieser Zeit offene Praktika und Workshops. "Von den Gästen und ihrem Wissen soll eine Art Initialzündung ausgehen", hofft die Ökologin. Ziel sei es, dass sich die durch das Austauschprogramm entstehenden Kompetenzen auch nach Abschluss des Projektes weiterentwickeln können.

Kontakt:
HDoz. Dr. Kirsten Küsel
Institut für Ökologie der Universität Jena
Arbeitsgruppe Limnologie
Carl-Zeiss-Promenade 10, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 949461, Fax: 03641 / 949462
E-Mail: Kirsten.Kuesel@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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