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Sechs Millionen US-Dollar für Forschung zur Herzschwäche

29.06.2005


MHH-Kardiologe leitet transatlantisches Netzwerk



Professor Dr. Helmut Drexler, Direktor der Abteilung Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und weitere internationale Kooperationspartner erhalten von der französischen Leducq Stiftung sechs Millionen US-Dollar (rund fünf Millionen Euro) zur Erforschung der Herzschwäche. Damit soll ein "Transatlantic Network of Excellence for Cardiac Research" gebildet werden. "Für uns ist dies eine besondere Auszeichnung, da die MHH die Federführung übernommen hat und diese Förderung unsere Spitzenstellung in der Herzforschung stärkt", sagt Professor Drexler. "Unser Netzwerk ’Adaptive and Maladaptive Signaling in Cardiac Growth and Regeneration’ wurde 2005 als eines von weltweit vier Projekten ausgewählt."



Das Ziel: neue therapeutische Strategien gegen die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und für die Regeneration nach einem Herzinfarkt zu entwickeln. Auf europäischer Seite sind Experten vom Imperial College, London, Großbritannien, und der University of Louvain Medical School, Brüssel, Belgien, beteiligt. Auf amerikanischer Seite arbeiten Wissenschaftler der University of Cincinnati, Cincinnati, der Duke University Medical Center Durham, NC, und der University of Miami School of Medicine, Miami, alle USA, mit. Die Fondation Leducq ist eine französisch-amerikanische Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, internationale Forschungskooperationen zwischen Europa und Nordamerika zu fördern und so Wissenschaftsallianzen über Landesgrenzen hinweg zu schmieden. "Damit möchte die Stiftung die Innovation und Effizienz kardiovaskulärer Forschung bündeln und verstärken", sagt Professor Drexler.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. Die Herzinsuffizienz ist dabei die häufigste Todesdiagnose. Diese Erkrankung hat eine Vielzahl an Ursachen: das unbehandelte übermäßige Wachsen des Herzmuskels (Hypertrophie), Mutationen in Proteinen, die für das Zusammenziehen des Herzmuskels sorgen, oder Herzinfarkt und Herzklappenfehler. Dabei spielen hormonähnliche (parakrine) Moleküle in den Zellen oder auch zwischen den Zellen eine wichtige Rolle: Sie sind im gestressten Herzen aktiviert und können direkt bestimmte Signalwege in der Herzmuskelzelle regulieren. Die Wirkung dieser Mediatoren hat aber zwei Gesichter: Sie können dafür sorgen, dass sich die Zellen an die veränderte Situation anpassen und somit der Herzmuskel stabilisiert wird (Adaptation). Gleichzeitig können sie aber auch quasi überschießend die Krankheit vorantreiben (Maladaptation) und damit schneller zu einer Herzschwäche führen. "Die gemeinsame Hypothese des Netzwerks besagt deshalb, dass diese parakrinen Signalmediatoren eine entscheidende Rolle bei der Regulation von physiologischen und pathophysiologischen Prozessen am Herzen spielen", erläutert Professor Drexler.

Das Netzwerk sucht deshalb nach neuen Signalwegen und parakrinen Signalmediatoren, die den Herzmuskel regenerieren können. Neu identifizierte Mediatoren sollen dann in Zellkulturen und Tiermodellen charakterisiert werden. Parallel wird das Netzwerk verschiedene bekannte Signalwege genauer untersuchen, von denen die Experten annehmen, dass sie eine Schlüsselrolle bei parakrinen Mechanismen der Herzinsuffizienz spielen. "In diesem Sinne wollen wir in beide Richtungen forschen: aus dem experimentellen Labor in die Klinik und umgekehrt, um die Mechanismen besser zu verstehen, die zur Herzinsuffizienz führen. Zusammenfassend kombiniert das Netzwerk auf einmalige Art und Weise den effizienten Austausch von Methoden, Wissen, Infrastruktur und Expertise unter ausgezeichneten Wissenschaftlern und Klinikern, mit dem Ziel, neue therapeutische Strategien zur Behandlung der Herzinsuffizienz zu entwickeln", fasst Professor Drexler die Aufgaben zusammen.

Als Koordinator des Netzwerks wird er von seinen Mitarbeitern Dr. Denise Hilfiker-Kleiner und Privatdozent Dr. Kai C. Wollert unterstützt. Neben Professor Drexler gehören dem europäischen Team Professor Peter Sugden (Imperial College, London) und Professor Jean-Luc Balligand (University of Louvain Medical School, Brüssel) an. Professor Sugden ist seit langem einer der führenden Wissenschafter auf dem Gebiet von Signalwegen, die das Wachstum und das Überleben in Herzmuskelzellen steuern. Auf diesem Gebiet war er der erste, der bereits 1993 eine regulatorische Rolle des so genannten MAPK-Signaling für den Herzmuskel vorgeschlagen hat. Professor Balligand ist ein Experte für intrazelluläre und extrazelluläre Effekte des NO-Signalings im kardiovaskulären System.

Professor Jeffrey D. Molkentin (University of Cincinnati, Cincinnati, USA) koordiniert das amerikanische Team, dem auch Professor Victor Dzau (Duke University Medical Center Durham, NC, USA) und Professorin Nanette H. Bishopric (University of Miami School of Medicine, Miami, USA) angehören. Professor Molkentin ist ein Experte für die Entwicklung von transgenen Mausmodellen im kardiovaskulären Bereich sowie für adaptive und maladaptive Signalwege im Herzmuskel in vivo. Professor Dzau hat kürzlich gezeigt, dass genetisch veränderte mesenchymale Stammzellen bestimmte hormonartige Faktoren ausschütten, deren Injektion zu einer Verkleinerung des Infarktschadens im Mausmodell führt. Professorin Bishopric ist eine Expertin auf dem Gebiet der so genannten transkriptionellen Regulation in Herzmuskelzellen, die das Überleben und die Adaptation von Herzmuskelzellen steuern.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern Professor Dr. Helmut Drexler, Direktor der MHH-Abteilung Kardiologie und Angiologie, Telefon: (0511) 532-3840, E-Mail: Drexler.Helmut@mh-hannover.de.

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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