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Verleihung des Thurn und Taxis Förderpreises 2004

16.11.2004


Die Technische Universität München hat am 15. November 2004 den Thurn und Taxis Förderpreis für die Forstwissenschaft 2004 verliehen. Den Preis teilen sich in diesem Jahr zwei junge Wissenschaftler: PD Dr. Thomas Knoke (Fachgebiet Waldinventur und Forstbetriebsplanung an der TU München) und PD Dr. Gerald Koch (Bundesforschungsanstalt für Forst und Holzwirtschaft, Hamburg).

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Mit dem 1978 gestifteten Thurn und Taxis Förderpreis sollen nach dem Willen des Stifters, S.D. Johannes Fürst von Thurn und Taxis, junge Akademiker ausgezeichnet werden, die sich durch hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Forstwissenschaft während des Studiums und danach hervorgetan haben. Der Preis wird jährlich verliehen und ist mit 6.000 Euro dotiert. Er soll zur Finanzierung eines weiterführenden Studien- oder Forschungsaufenthaltes im Ausland dienen.

Dr. Thomas Knoke (39) wird für seine Habilitationsschrift mit dem Titel "Eine Bewertung von Nutzungsstrategien für Buchenbestände (Fagus sylvatica L.) vor dem Hintergrund des Risikos der Farbkernbildung - eine waldbaulich-forstökonomische Studie" ausgezeichnet. Er hat nach seinem Studium der Forstwissenschaft an der TU München promoviert und wurde nach seiner Habilitation 2003 zum Privatdozenten ernannt. Seit 2004 leitet er vertretungsweise das Fachgebiet Waldinventur und Forstbetriebsplanung an der TU München.


Die Buche ist die am weitesten verbreitete Laubbaumart in Europa, der auch holzwirtschaftlich eine besondere Rolle zukommt. Jedoch wird das Buchenholz durch Farbkernbildung deutlich entwertet, so dass die Betriebe nach Optimalstrategien suchen müssen, um ihre teilweise bereits entwerteten, teilweise noch nicht verkernten Buchenstämme zu nutzen, und die jungen noch unverkernten Bestände so zu behandeln, dass in der Endnutzung ein möglichst großer Anteil nicht verkernter Stämme enthalten ist. Die Verkernung ist ein Vorgang, der nicht direkt beobachtet werden kann, weil er im Baumstamm abläuft und technische Methoden zur zerstörungsfreien Untersuchung der Stämme (noch) nicht zur Verfügung stehen. Ob ein Stamm verkernt ist und wie weit er bereits entwertet ist, lässt sich erst nach seiner Fällung und Zerlegung sicher feststellen. Deshalb sind die Entscheidungsträger auf Indikatoren angewiesen. Sie besitzen kein Wissen über den Verkernungszustand, sondern können bestenfalls eine Wahrscheinlichkeit abschätzen. Eine entscheidende Frage, die Dr. Knoke in seiner Arbeit behandelt, ist daher auf den Wert der Information über die Verkernung gerichtet. Dr. Knoke hat zunächst das Problem der Wahl von Behandlungsstrategien für Buchenbestände mit adäquaten Methoden auf empirischer Grundlage angegangen und mit Hilfe von Berechnungsexperimenten den Bereich abgesteckt, in dem die Wahl von Behandlungsstrategien überhaupt relevant sein kann. Dann wurden mit Hilfe von statistischen Verfahren aus realen Daten die Grundlagen für eine realistische Bewertung von Nutzungsstrategien in Buchenbeständen geschaffen.

Dr. Gerald Koch (36) befasst sich in seiner preiswürdigen Habilitationsschrift ebenfalls mit Verfärbungen des Buchenholzes. Er hat Holzwirtschaft an der Universität Hamburg studiert und dort promoviert. Seit November 2003 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet "Struktur und Qualität des Holzes" am Institut für Holzbiologie und Holzschutz an der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in Hamburg.

Dr. Koch hat in seiner Arbeit die Ursachen der Verfärbung der Buchen untersucht, die nach der Fällung auftreten. Sie beruht auf komplexen physiologischen, biochemischen oder chemischen Reaktionen von Holzinhaltsstoffen. Aus dem gewonnenen neuen Verständnis der verschiedenen Ursachen und Reaktionsmechanismen, aber auch der Gemeinsamkeiten hat er gelernt, vermeidbare und unvermeidbare Verfärbungen klar zu trennen und mit angepassten Strategien darauf zu reagieren. Beiden Verfärbungskategorien ist gemeinsam, dass das Holz in seinen technologischen und elasto-mechanischen Eigenschaften nicht beeinträchtigt wird. Daher hat Dr. Koch für die vermeidbaren Verfärbungen des Holzes nach der Fällung in Zusammenarbeit mit Industrie-Partnern vorbeugende Maßnahmen entwickelt und zur Erprobung an die Praxis weitergegeben. Dagegen hat er für die Rotkernbildung während des Baumwachstums einen gänzlich neuen Weg beschritten. In enger Zusammenarbeit mit der forst- und holzwirtschaftlichen Praxis sowie den Verbänden sind Marketing-Initiativen eingeleitet worden mit dem Ziel, rotkernige Buche als hochwertigen natürlichen Rohstoff zu akzeptieren.

Den Festvortrag über "Globalisierung, Nachhaltigkeit und die Zukunft der Wälder" hält im Rahmen der Festveranstaltung im Freisinger Diözesanmuseum Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Leiter des Forschungsinstitutes für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm. Prof. Radermacher ist promovierter Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler. Sein Institut erarbeitet integrierte Systemlösungen in informationstechnisch anspruchsvollen interdisziplinären Themenbereichen, wie z.B. Integrierte Produktionssysteme, Unternehmensintegration, Umweltinformationssysteme, Kommunikationssysteme. Prof. Radermacher dozierte an verschiedenen Universitäten in den Bereichen Angewandte Informatik, Datenbanken und Künstliche Intelligenz. 1988-1992 war er Präsident der Gesellschaft für Mathematik, Ökonomie und Operations Research. Seit 1990 ist Radermacher Mitglied in zahlreichen verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Organisationen. Er ist Autor von über 2000 wissenschaftlichen Arbeiten aus den Bereichen Angewandte Mathematik, Operations Research, angewandte Informatik, Systemtheorie sowie tangierten Fragen der Technikfolgenforschung, Ethik und Philosophie.

Dieter Heinrichsen M.A. | idw

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