Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschergruppe untersucht die Strahlenresistenz von Tumoren

30.03.2004


Verbesserung der Krebstherapie erwartet -Wissenschaftler der Universitäten in Dresden, Mainz, München und Würzburg beteiligt - DFG unterstützt die Forschungen mit 2,5 Mio. Euro



Bei Krebserkrankungen hängt der Erfolg einer Strahlentherapie wesentlich davon ab, wie empfindlich die Tumoren auf die Bestrahlung reagieren. Diese Empfindlichkeit solider Tumoren, die Strahlensensitivität, wird nach neueren Erkenntnissen durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Welche Faktoren dabei von besonderer Bedeutung sind, untersucht eine neue multiinstitutionelle Forschergruppe der Universitäten in Dresden, Mainz, München und Würzburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Projekt in den kommenden drei Jahren mit 2,5 Mio. Euro.



"Bisher galt eine verminderte oder unzureichende Sauerstoffversorgung der Tumoren neben der genetischen Disposition als wichtigster Parameter, der die Strahlenempfindlichkeit herabsetzt und das Gewebe strahlenresistent macht", erklärte der Leiter der Mainzer Arbeitsgruppe, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Müller-Klieser vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Auf der Basis vorausgegangener Untersuchungen haben wir nun die Hypothese aufgestellt, dass ein Zwischenprodukt des Glukoseabbaus, das Pyruvat, bei hohem Vorkommen ebenfalls die Strahlenempfindlichkeit herabsetzt." Das Pyruvat und die verminderte Sauerstoffversorgung, Hypoxie genannt, stehen daher im Mittelpunkt der Untersuchungen. Nach Einschätzung von Prof. Müller-Klieser könnten aber durchaus noch andere Zwischenprodukte eine Rolle spielen und die Strahlenempfindlichkeit herabsetzen, vielleicht auch das Laktat (Salz der Milchsäure).

Die Mainzer Arbeitsgruppe verwendet zur quantitativen Bestimmung von Stoffwechselprodukten ein Verfahren, das auf schwacher Lichtemission aus Bioluminiszenzreaktionen und der bildgebenden Detektion von Einzelphotonen (single photon imaging) beruht. "Mit dem von uns entwickelten Verfahren können wir sehr genau Substanzen wie Pyruvat, Laktat, Glukose oder ATP in Tumorgewebe messen und vor allem deren Menge bestimmen," so Prof. Müller-Klieser. Die Untersuchungen erfolgen an Gefrierschnitten aus rasch tiefgefrorenen Tumorproben. So kann ein Teil dieser Schnitte an die kooperierenden Arbeitsgruppen versandt werden, die eine Reihe weiterer stoffwechselbezogener Messgrößen im jeweils gleichen Tumor erfassen. Durch einen komplexen Rechenalgorithmus werden diese Parameter und das Bestrahlungsverhalten der Tumoren dann miteinander in Beziehung gesetzt. "Unser Ziel ist die Entwicklung eines Schemas von Parametern, das eine möglichst genaue Vorhersage der Strahlensensitivität solider Tumoren erlaubt", umreißt Prof. Müller-Klieser das Projekt. Er erwartet, dass dadurch die Auswahl von Tumorpatienten, die für eine Strahlentherapie geeignet sind, und die Therapieplanung erheblich verbessert werden können.


Kontakt und Informationen:
Institut für Physiologie und Pathophysiologie
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Müller-Klieser
Tel. 06131 39-25761
Fax 06131-39-25560
E-Mail: wolfgang.mueller-klieser@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw

Weitere Berichte zu: DFG Physiologie Pyruvat Strahlenempfindlichkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Förderung in Millionenhöhe für Regensburger Wissenschaftler
21.04.2017 | Universität Regensburg

nachricht Förderung Technologietransfer im technologischen Ressourcenschutz mit über 500.000 Euro
20.04.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten