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Dr. Leopold-Lucas-Preis wird in diesem Jahr dem syrischen Philosophen verliehen

02.03.2004


Der mit 40.000 Euro dotierte Dr. Leopold-Lucas-Preis wird in diesem Jahr dem syrischen Philosophen Sadik Al-Azm, Damaskus, verliehen.



Der mit 40.000 Euro dotierte Dr. Leopold-Lucas-Preis wird in diesem Jahr dem syrischen Philosophen Sadik Al-Azm, Damaskus, verliehen. Die Preisverleihung wird am 18. Mai 2004 um 17.15 Uhr im Festsaal der Neuen Aula stattfinden.

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Sadik Al-Azm ist Professor emeritus für Moderne Europäische Philosophie an der Universität Damaskus. Mit ihm wird ein Gelehrter geehrt, der wie kein zweiter gründlich vertraut ist sowohl mit der arabischen Tradition als auch mit den Traditionen des westlichen Denkens. Über seinen Lehrstuhl in Damaskus hat er das Denken der neuzeitlichen europäischen Philosophie, insbesondere das Werk Immanuel Kants, in den arabischen Raum vermittelt. Durch Gastprofessuren an amerikanischen, deutschen, belgischen, niederländischen und japanischen Universitäten versuchte er gleichzeitig, westlichen Fehlvorstellungen über die arabische Welt entgegen zu treten. Besondere Authentizität hat diese Vermittlungstätigkeit dadurch gewonnen, dass Al-Azm seinen Lebensmittelpunkt in der arabischen Welt, nämlich in Damaskus beibehalten hat. Dort nimmt er als Beobachter und Kommentator engagiert an den inneren Spannungen und Chancen des Lebens in arabischen Ländern teil. Nach wie vor setzt er sich für die Ausschöpfung der Möglichkeiten einer friedlichen Verständigung zwischen den arabischen Ländern und Israel ein. Dieses Ausharren in der arabischen Welt unterstreicht seine Überzeugung, dass nur eine Auseinandersetzung mit dem westlichen Denken von innen heraus, aus der Mitte der arabischen Tradition, zu einer neuen Fruchtbarkeit dieser Tradition führen kann.

Mit dem Dr. Leopold-Lucas-Preis werden alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie gewürdigt. Geehrt werden dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper oder Michael Walzer, aber auch hervorragende politische Repräsentanten des Geistes und der Kultur wie Richard von Weizsäcker, Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, oder Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama.

Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommenen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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