Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akademie-Preis für Biologie 2003 an Gießener Virologen

18.11.2003


Akademie der Wissenschaften zu Göttingen zeichnete Arbeit von Dr. Dieter Glebe zu Hepatitis B-Viren aus



Mit dem Akademiepreis für Biologie 2003 der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ausgezeichnet wurde in diesem Jahr Dr. Dieter Glebe, Institut für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Preisverleihung fand bei der öffentlichen Jahressitzung der Akademie am vergangenen Freitag in der Aula der Universität Göttingen statt. Ausgezeichnet wurde dabei seine Arbeit "Ein Infektionssystem für Hepatitis B-Viren in Leberzellkulturen von Tupaias". Der Akademiepreis ist dotiert mit 3068 Euro.

... mehr zu:
»B-Virus »Biologie »Hepatitis »Infektion »Virus


Die Infektion mit dem Hepatitis B-Virus (HBV) war und ist weltweit ein großes gesundheitliches Problem. Über zwei Milliarden Menschen haben Merkmale einer überstandenen HBV-Infektion und mehr als 350 Millionen Menschen sind chronische Träger des Virus.

Das Hepatitis B-Virus infiziert hauptsächlich Leberzellen und erzeugt dabei sehr häufig eine Leberentzündung, die sogenannte Hepatitis. Die akute Form der Virus-Hepatitis heilt bei Erwachsenen meistens aus; die Infektion kann jedoch auch einen chronischen Verlauf nehmen, wenn es dem Immunsystem des Patienten nicht gelingt, das Virus zu beseitigen. Die chronische Hepatitis B kann zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Einen wirksamen Schutz vor dem Hepatitis B Virus bietet eine aktive Impfung, die gut verträglich und seit 20 Jahren verfügbar ist. Eine dauerhaft wirksame und verträgliche Therapie für chronisch infizierte Patienten ist zurzeit nicht verfügbar, jedoch aufgrund der hohen Zahl an chronischen Virusträgern weltweit dringend erforderlich.

Der natürliche Wirt des Hepatitis B-Virus ist nur der Mensch und einige wenige Affenarten. Experimentelle Untersuchungen zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapieformen wurden daher bislang an Schimpansen oder bei Operationen entnommenen Proben menschlicher Leber durchgeführt. Die experimentelle Infektion von Schimpansen ist jedoch ethisch nicht zu vertreten und zudem überaus kostspielig. Menschliches Lebergewebe aus chirurgischen Eingriffen (z.B. Leber-Biopsien), das für weitere Untersuchungen durch eine Ethikkommission freigegeben wurde, ist jedoch für Infektionsexperimente in Zellkulturen weniger geeignet und nur sehr selten verfügbar.

Mitte der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts gelang chinesischen Forschern die experimentelle Infektion des südostasiatischen Spitzhörnchens (Tupaia belangeri) mit Hepatitis B-Virus. Dieser Kleinsäuger, der entgegen früheren Auffassungen nicht zu den Primaten zählt, ist in den Tropenwäldern Asiens beheimatet, und lässt sich in Gefangenschaft züchten. Aus den Lebern von Tupaias lassen sich Zellkulturen herstellen, die mit dem Hepatitis B-Virus infizierbar sind. Doch fehlte bislang der Beweis, dass dieser Vorgang mit der Infektion des Menschen vergleichbar ist. Am Institut für Medizinische Virologie in Gießen gelang dem Preisträger Dr. Dieter Glebe nun der Nachweis, dass isolierte Tupaia-Leberzellen das Virus spezifisch binden und aufnehmen und somit der Infektion beim Menschen entsprechen. Erst auf der Basis dieser Erkenntnis erscheint es sinnvoll, das Tupaia-Infektionssystem zur Entwicklung von neuen Impfstoffen und Medikamenten zu nutzen. Das Infektionssystem wurde zudem soweit optimiert, dass aus einer Tupaia-Leber eine große Anzahl von Versuchen durchgeführt werden können. Man kann also im Sinne des Tierschutzes mit einer kleineren Zahl von Tieren als bisher auskommen. Außerdem ist es nun möglich, auf Schimpansenversuche und Arbeiten mit menschlichen Leberzellen weitgehend zu verzichten.

Diese Arbeit wurde in der Septemberausgabe 2003 der angesehenen internationalen virologischen Fachzeitschrift "Journal of Virology" (Vol. 77, No.17, Seiten 9511-9521, 2003) publiziert. Die Arbeit wurde im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Krankheitserregern" (SFB 535) der Justus-Liebig-Universität Gießen mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erstellt.

Dr. Dieter Glebe, Jahrgang 1968, ist seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich "Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Krankheitserregern" (SFB 535). Nach dem Studium der Biologie (Diplom 1994 bei Prof. Dr. Wolfram H. Gerlich, Institut für Medizinische Virologie) wurde er im Jahr 2000 mit einer Arbeit über "Oberflächenstrukturen des Hepatitis B-Virus und ihre Bedeutung für den Infektionsvorgang" bei Prof. Dr. Wolfram H. Gerlich promoviert.

Kontakt:

Dr. Dieter Glebe
Institut für Medizinische Virologie
Frankfurter Straße 107, 35392 Gießen
Tel.: 0641/99-41203, Fax: -41209
e-mail: Dieter.Glebe@viro.med.uni-giessen.de

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de

Weitere Berichte zu: B-Virus Biologie Hepatitis Infektion Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE