Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Hertie-Exzellenz-Programm Neurowissenschaften" - Stipendienprogramm für Hirnforscher

19.08.2003


Mit dem "Hertie-Exzellenz-Programm Neurowissenschaften" mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro soll Hirnforschern, die trotz ihrer exzellenten Leistungen keine weiteren zeitlich befristeten Arbeitsverträge mehr erhalten können, die Fortsetzung der beruflichen Laufbahn in Deutschland ermöglicht und eine Abwanderung ins Ausland verhindert werden.


Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat das "Hertie-Exzellenz-Programm Neurowissenschaften" im Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro ins Leben gerufen. Mit diesem Stipendienprogramm will sie Hirnforschern, die trotz ihrer exzellenten Leistungen keine weiteren zeitlich befristeten Arbeitsverträge mehr erhalten können, die Fortsetzung der beruflichen Laufbahn in Deutschland ermöglichen und eine Abwanderung ins Ausland verhindern.

Seit Jahren verliert die neurowissenschaftliche Forschung in Deutschland einen Großteil ihres herausragenden Nachwuchses ans Ausland. Die Ursachen sind multifaktoriell. Fehlende berufliche Perspektiven und Strukturschwächen des deutschen Wissenschaftssystems stehen auf der Mängelliste der Hirnforscher ganz oben. Neben individueller Qualifikation und Leistung sind es zunehmend arbeitsrechtliche Vorschriften, die die Forschungsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse an deutschen Einrichtungen beeinträchtigen. Häufig ist die Folge, dass Neurowissenschaftler ihre wissenschaftliche Karriere aufgeben oder an ausländische Institutionen abwandern.


Die Hertie-Stipendien sollen diesem Trend entgegenwirken. Sie wurden Anfang 2003 ausgeschrieben. Bewerben konnten sich Neurowissenschaftler aller Arbeitsgebiete, deren Vertrag an einer deutschen Forschungseinrichtung ohne Verlängerungsmöglichkeit innerhalb der vorangegangenen 12 Monate ausgelaufen war bzw. innerhalb der folgenden 12 Monate auslief, die eine Berufung auf eine Professur anstrebten und darauf Aussichten hatten und deren Exzellenz bereits durch die Förderung in einem der renommierten Nachwuchsprogramme (etwa Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Nachwuchsgruppen der Max-Planck-Gesellschaft) dokumentiert worden waren.

Eine fachspezifische Jury aus führenden Neurowissenschaftlern Deutschlands hat nun aus 20 Bewerbern vier Kandidaten ausgewählt: Dr. rer. nat. Michael Kiebler, Tübingen, Priv.-Doz. Dr. phil.nat. Siegrid Löwel, Magdeburg, zur Zeit San Francisco, Priv.-Doz. Dr. sc. nat. Beat Lutz, München, und Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Christoph Schuster, Tübingen.

Die Stipendien enden mit der Annahme eines Rufes, der Aufnahme einer anderen Berufstätigkeit oder nach Ablauf von fünf Jahren. Eine Verlängerung ist nicht möglich. Die Stipendien werden leistungsbezogen dotiert, wobei das Grundgehalt (entsprechend Besoldungsgruppe C2) bis zu einer Höhe entsprechend Besoldungsgruppe C3 angehoben werden kann. Neben dem persönlichen Gehalt beinhaltet das Stipendium eine einmalige Förderung für Sachmittel in Höhe von 50.000 Euro. Der Stipendiat kann die Forschungseinrichtung innerhalb Deutschlands wechseln.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ist die größte private deutsche Förderinstitution im Bereich der Neurowissenschaften. Schwerpunkte liegen zur Zeit auf der Initiierung neuer Forschungsstrukturen und -felder sowie auf der Erforschung der multiplen Sklerose. Im Jahr 2000 hat die Stiftung das Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung in Tübingen gegründet, das neueste und modernste Zentrum für Neurologie in Deutschland.

Die Stipendiaten des Hertie-Exzellenzprogramms:

Dr. rer. nat. Michael Kiebler. Seit 1999 leitet er eine unabhängige Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen und beschäftigt sich dort mit dem dendritischen Transport von Boten-RNAs in polarisierten Nervenzellen. Insbesondere geht er der Frage nach, wie dendritisch lokalisierte Boten-RNAs an aktivierten Synapsen in Einweiße übersetzt werden.

Priv.-Doz. Dr. phil.nat. Siegrid Löwel. Von 1997 bis 2002 war sie Leiterin der Forschergruppe "Visuelle Entwicklung und Plastizität" am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Im Jahr 2002 nahm sie die Position eines Associate Research Physiologist / Research Professor am W. M. Keck Foundation Center for Integrative Neuroscience der University of California, San Francisco, USA, an. Kernthema ihrer Forschungsarbeiten sind die Mechanismen der Entwicklung und Plastizität von Nervenzellverschaltungen in der Großhirnrinde.

Priv.-Doz. Dr. sc. nat. Beat Lutz. Seit 1997 leitet er die Nachwuchsgruppe "Molekulare Genetik des Verhaltens" am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit ist die Untersuchung der synaptischen Plastizität, welche die Grundlage unserer Fähigkeit bildet, Neues zu erlernen und sich an das Gelernte zu erinnern. Dabei hat die Untersuchung der physiologischen Rolle des endogenen Cannabinoid-Systems eine zentrale Bedeutung. 2002 erhielt er den Organon-Forschungspreis für Biologische Psychiatrie.

Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Christoph Schuster. Seit 1996 ist er Leiter einer unabhängigen Arbeitsgruppe am Friedrich-Miescher-Laboratorium der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen. Sein Forschungsgebiet ist die Identifizierung und Charakterisierung von molekularen und zellulären Mechanismen am Modell der neuromuskulären Endplatten von Larven der Taufliege Drosophila melanogaster. 1994 hat er den Heinz-Meyer-Leibnitz Preis der DFG für außergewöhnliche Veröffentlichungen im Bereich Ionenkanäle und Signaltransduktion erhalten.

Kontakt:

Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Prof. Dr. Michael Madeja
Bereichsleiter Neurowissenschaften
Grüneburgweg 105, 60323 Frankfurt
Tel. 069 / 660756 147
E-Mail: MadejaM@ghst.de

Claudia Finke | idw
Weitere Informationen:
http://www.ghst.de

Weitere Berichte zu: Hirnforscher Neurowissenschaft Stipendienprogramm Stipendium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics