Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

281.200 EUR für Sprachforschungsprojekt in Nordamerika

14.04.2003


Die VolkswagenStiftung hat den beiden Erfurter Sprachwissenschaftlern Prof. Dr. Christian Lehmann und Dr. Johannes Helmbrecht 281.200 Euro für ihr Forschungsprojekt zur Dokumentation der vom Aussterben bedrohten Sioux-Sprache Hocank bewilligt. Das Projekt läuft über die Dauer von drei Jahren im Rahmen des Förderprogrammes "Dokumentation bedrohter Sprachen" der Stiftung.

... mehr zu:
»VW-Stiftung

Der Sioux-Stamm der Hocank Indianer gehört zu einer Sprachfamilie mit 18 verschiedenen Sprachen. Die Hocanks leben in Wisconsin und Nebraska. Von den rund 5000 eingetragenen Stammesmitgliedern in Wisconsin sprechen lediglich noch 200, vorwiegend ältere Indianer, die Stammessprache. "Um dem drohenden Verlust an Identität für den Stamm entgegenzusteuern, hat man vor Ort eine Organisation gegründet, die versucht, Sprache und Kultur zu erhalten und zu revitalisieren", berichtet Dr. Johannes Helmbrecht, der bei einem Forschungsaufenthalt in Chicago auf die Sprache gestoßen ist. "Als Sprachlehrer konnten ältere Indianer aktiviert werden, allerdings können diese die Grammatik der Sprache nicht erklären". Vernünftiges Lehrmaterial werde gebraucht und ein Sprachwissenschaftler, der den Sprachlehrern vor Ort die Grammatik vermittelt. Dies soll auch ein Bestandteil des Projekts sein, für das die Erfurter Wissenschaftler einen zusätzlichen Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte gewinnen wollen.

Helmbrecht bietet an der Universität seit dem Wintersemester einen Einführungskurs in die Hocank-Sprache an, in dem sieben Studierenden des BA-Studiengangs ein Einblick in die Struktur einer außereuropäischen Sprache vermittelt werden soll. Er hofft, diese Studenten in das Projekt einbinden zu können, denn die Dokumentation der Hocank-Sprache, die Aufbereitung und Übersetzung ins Englische, wird eine umfangreiche Fleißarbeit erfordern. Es gilt Tonbänder und Videos auszuwerten, die zuvor in Feldforschung vor Ort aufgezeichnet werden müssen. Insbesondere werden die Sprachwissenschaftler dabei die Konversation unter den Stammesangehörigen analysieren.


Für Prof. Dr. Christian Lehmann, der sich bislang vorwiegend mit
lateinamerikanischen Sprachen beschäftigt hat, ist das Projekt eine spannende neue Herausforderung. 50 verschiedene Sprachfamilien gäbe es in Nordamerika, wobei damit keine Dialekte gemeint seien. "300 Sprachen waren es einmal zu Kolumbus’ Zeiten gewesen. Der größte Teil davon ist heute ausgestorben und auch nicht dokumentiert." Sprachen, deren Namen z.T. auch aus den alten Karl-May-Büchern bekannt sind, werden schon nicht mehr gesprochen.

Lehmann hat das Programm der VW-Stiftung gemeinsam mit anderen Sprachwissenschaftlern vor acht Jahren angeregt. Ende diesen Jahrhunderts - so befürchten die Wissenschaftler - dürften rund zwei Drittel der derzeit weltweit gesprochenen 6500 Sprachen verschwunden sein. 90 Prozent der Sprachen werden schon heute von jeweils nicht einmal mehr 5000 Menschen beherrscht - zum Teil von einem Dutzend oder weniger Personen. Die Förderinitiative "Dokumentation bedrohter Sprachen" der VW-Stiftung hat zum einen das Ziel, den Blick der Wissenschaft - und darüber hinaus auch der Öffentlichkeit - auf diese Entwicklung zu lenken. Mit der Dokumentation soll verhindert werden, dass Sprachen verschwinden, ohne im kulturellen Gedächtnis der Welt eine Spur zu hinterlassen. Derzeit laufen zwölf Projekte zu bedrohten Sprachen, neun neue hat die Stiftung jetzt mit einem Fördervolumen von insgesamt 2,9 Millionen Euro bewilligt. "Wir Sprachwissenschaftler sind für die großzügige Förderung sehr dankbar. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", so Lehmann.

Kontakt:
Dr. Johannes Helmbrecht
Tel.: 0361-737 4202
E-Mail: johannes.helmbrecht@uni-erfurt.de


Jens Panse | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/archiv03.html

Weitere Berichte zu: VW-Stiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovationen in der Bionik gesucht!
18.01.2018 | VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.

nachricht Fraunhofer HHI erhält AIS Technology Innovation Award 2018 für 3D Human Body Reconstruction
17.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie