Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Otto von Guericke-Preise 2002 für Wasserinjektionstechnik beim Spritzgießen von Kunststoffen

27.11.2002


Preisträger des Otto von Guericke-Preises 2002


Für Griffe, Armlehnen, Leitungen und viele weitere Produkte braucht man Kunststoffbauteile, die innen hohl sind. Dies erfordert oft nicht allein die Funktion, sondern sorgt auch für weniger Materialverbrauch und Gewicht. Mit ihrer Entwicklung der innovativen Wasserinjektionstechnik zur schnelleren, preiswerteren und besseren Herstellung hohler Kunststoffbauteile belegen André Brunswick, Tim Jüntgen und Professor Dr. Walter Michaeli vom Institut für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen (IKV) in diesem Jahr den 1. Platz des Otto von Guericke-Preises, den die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) alljährlich verleiht.


Zur Herstellung von Kunststoffformteilen samt Hohlraum in einem Schritt hat sich das Spritzgießen bewährt. Dabei wird schmelzflüssiger Kunststoff in eine Metallform mit den Um-rissen des herzustellenden Teils gegossen. Während der Formgebung erkaltet die Kunststoffschmelze von außen nach innen. Die noch nicht erstarrte Schmelze im Inneren, "Seele" genannt, wird während dieses Formgebungsprozesses mit einem Fluid verdrängt, so dass ein Hohlraum entsteht. Dazu wurde bislang zumeist das Gas Stickstoff eingesetzt.

Die Wasserinjektionstechnik der Aachener Forscher knüpft an diese bereits etablierte Gasinjektionstechnik an, benutzt jedoch als Prozessmedium zur Schmelzeverdrängung erstmals Wasser. Damit lassen sich die Zykluszeiten um bis zu 70 Prozent reduzieren, da Wasser eine weitaus bessere Kühlwirkung besitzt als Gas. Außerdem kann das Prozessmedium Wasser im Kreislauf wiederverwendet werden. Es entfallen im Vergleich zur Gasinjektionstechnik die Kosten für den Stickstoffeinsatz. Produktionstechnisch lassen sich mit dem innovativen Verfahren dünnere Restwanddicken realisieren. Dies spart Material und reduziert Bauteilgewicht, bei großvolumigen Produkten bis zu 65 Prozent. Die Materialeinsparung hat eine enorme Kostenreduktion zur Folge, da die Rohstoffkosten im Allgemeinen bis zu 50 Prozent der Bauteilkosten ausmachen. Mit Wasserinjektionstechnik hergestellte Bauteile weisen zudem deutlich glattere innere Oberflächen auf, was zum Beispiel für Leitungen sehr wichtig ist. Außerdem ist der Hohlraum im Bauteil wesentlich besser zentriert.


Eine erste Anwendung fand die neue Technik bei der Herstellung eines neuartigen Ein-kaufswagens, dessen Warenkorb und Seitenelemente mittels Wasserinjektionstechnik im Spritzguss hergestellt wurden. Die Wissenschaftler des IKV haben dieses Produkt gemein-sam mit den Firmen A. Schulman aus Kerpen und Sulo Plast aus Herford entwickelt. Aber auch bei der Serienfertigung von Griffen für gläserne Schneidplatten, die besonders ver-zugsarm sein müssen, und zur Herstellung von Kühlwasserrohren kommt das innovative Verfahren bereits zum Einsatz.

Der 33-jährige André Brunswick studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig und Kunststofftechnik an der RWTH Aachen. Von 1996 bis 2000 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IKV und ist gegenwärtig im Europäischen Patentamt in München tätig. Tim Jüntgen, Jahrgang 1970, schloss 1999 sein Studium des Maschinenbaus an der RWTH Aachen ab und arbeitet seitdem als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IKV. Professor Dr. Walter Michaeli, geboren 1946 in Wetzlar, studierte Fertigungstechnik an der RWTH Aachen. Nach seinem Diplom arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Abteilungsleiter im IKV. Nach über acht Jahren Industrietätigkeit übernahm er 1988 als Direktor die Leitung des IKV. Die Universität Erlangen-Nürnberg verlieh ihm 1998 die Ehrendoktorwürde.

AiF-Präsident Johann Wilhelm Arntz überreicht den Otto von Guericke-Preis anlässlich der diesjährigen Tagung des Wissenschaftlichen Rates der AiF am 28. November 2002 in Mag-deburg. Die Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der industriellen Gemeinschaftsforschung kleiner und mittlerer Unternehmen. Der 1. Platz ist mit 5000 Euro dotiert.

Ansprechpartner:

Professor Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Walter Michaeli
Institut für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk
an der RWTH Aachen
E-Mail: zentrale@ikv.rwth-aachen.de

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de

Weitere Berichte zu: IKV Kunststoff RWTH Wasserinjektionstechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise