Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Otto-Klung-Weberbank-Preis 2001 an Dr. Jan Hendrik Schön

07.12.2001


Preis erstmals in Zusammenarbeit zwischen Otto-Klung-Stiftung und Fördergesellschaft der Weberbank verliehen

Der Otto-Klung-Weberbank-Preis 2001 wird heute im Rahmen einer Festveranstaltung in Berlin an den 31-jährigen deutschen Physiker Dr. Jan Hendrik Schön verliehen. Auf Vorschlag der Auswahlkommission am Fachbereich Physik der Freien Universität Berlin wird Schön für seine richtungweisenden Arbeiten über organische Halbleiter und zur Supraleitung ausgezeichnet. Der Preis wird im jährlichen Wechsel für Chemie und Physik an herausragende jüngere deutsche Wissenschaftler vergeben, im Jahr 2001 erstmals in Kooperation zwischen der Otto-Klung-Stiftung an der Freien Universität Berlin und der Fördergesellschaft der Weberbank gGmbH. In diesem Zusammenhang wurde das Preisgeld von zuletzt DM 30.000 auf DM 50.000 erhöht. Der Preis tritt in die unmittelbare Nachfolge des bisherigen, seit 1973 vergebenen Otto-Klung-Preises und zählt zu den angesehensten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland.

Organische Materialien für Anwendungen in Elektronik und Optoelektronik haben das Potenzial zu erheblich einfacheren und billigeren Herstellungsverfahren als die bisher üblichen anorganischen Halbleiter. Da organische Materialien auch mit flexiblen Plastiksubstraten kompatibel sind, zeigen sie einen Weg für eine kostengünstigere Plastikelektronik auf, die beispielsweise elektronische Etiketten auf Waren des täglichen Bedarfs ermöglichen könnte. Sobald solche elektronische Etiketten preiswert herstellbar sind, würde der Gang durch die Kasse des Supermarktes nur noch eine Angelegenheit von Sekunden sein, ohne dass die Waren einzeln auf das Band gelegt werden müssten.

Schön und seine Kollegen Bertram Batlogg und Christian Kloc von den Bell Laboratories, Lucent Technologies, erreichten in den vergangenen drei Jahren wesentliche Fortschritte in der festkörperphysikalischen Anwendung organischer Materialien. Wesentlich war dabei ein neuartiges Verfahren zur Herstellung und Reinigung von nahezu perfekten Einkristallen von Polyazenen, welche die Entwicklung innovativer Bauelemente auf Basis dieser organischen Materialien im Bereich von Elektronik und Optoelektronik ermöglichten. So konnten beispielsweise Transitoren und einfache elektronische Schaltkreise realisiert werden, die ein großes Potenzial im Bereich der Billig- und Einwegelektronik besitzen.

Ein wichtiger weiterer Schritt war die Realisierung des organischen Feldeffekt-Transistors und die Demonstration, dass damit Materialien mit elektrischen Ladungen dotiert werden können.

Auf diese Weise kann die elektrische Leitfähigkeit des Materials über einen größtmöglichen Bereich variiert werden, von isolierend über metallisch bis hin zu supraleitend. Um diese Veränderungen der elektrischen Eigenschaften zu erreichen, ist es lediglich erforderlich, eine Spannung am Feldeffekt-Transistor zu ändern.

Neben der Realisierung des ersten Polymer-Supraleiters konnten Schön und seine Kollegen auf diese Weise auch in Substraten aus Fullerenen, also Kristallen aus fußballförmigen Kohlenstoffmolekülen, supraleitende Sprungtemperaturen bis zu minus 156 Grad Celsius erreichen. Diese Temperatur ist durch Kühlung mit flüssigem Stickstoff leicht und kostengünstig erzielbar. Durch diese Methode, Supraleitung zu induzieren, sind die supraleitenden Eigenschaften eines Materials auf einfache Weise lateral zu kontrollieren. Dies erlaubt, die sogenannte Josephson-Kopplung zwischen zwei Supraleitern voll durchzustimmen - möglicherweise die Basis zum Bau von supraleitenden Quantencomputern.

Jan Hendrik Schön, Jahrgang 1970, studierte Physik an der Universität Konstanz. Schön ging als Postdoktorand zu den angesehenen Bell Laboratories, Lucent Technologies, um dort in der Arbeitsgruppe von Bertram Batlogg zu forschen. Zusammen mit Batlogg, zwischenzeitlich ein Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, und mit dem Materialforscher Christian Kloc gelangen Schön nach kurzer Zeit die ersten Aufsehen erregenden Experimente zu organischen Halbleitern.

Der Otto-Klung-Weberbank-Preis wird durch die Otto-Klung-Stiftung an der Freien Universität Berlin in Verbindung mit der Fördergesellschaft der Weberbank gGmbH verliehen. Die Otto-Klung-Stiftung besteht seit 1973 als Vermächtnis des Berliner Kaufmanns Otto Klung (1893 - 1968). 2001 wurde die Zusammenarbeit mit der Fördergesellschaft der Weberbank aufgenommen.

Kurt Hammer | ots

Weitere Berichte zu: Fördergesellschaft Halbleiter Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie