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Forschungspreis für neue Ansätze im Kampf gegen Sepsis und Multiorganversagen

16.09.2008
In der Intensivmedizin spielt die Behandlung der Sepsis („Blutvergiftung“) und des häufig darauf folgenden Multiorganversagens (MODS) aufgrund der hohen Zahl der Neuerkrankungen und der auch heute noch eingeschränkten Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten mit dieser Erkrankung eine herausragende Rolle.

Für seine Forschungen und neuen Erkenntnisse – beispielsweise erkannte er den möglicherweise positiven Einfluss bestimmter Medikamente – auf diesem Gebiet erhielt PD Dr. Hendrik Schmidt, Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Halle (Saale), den Forschungspreis „Intensivmedizin“ 2008 der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis teilt sich Dr. Schmidt mit einem Mediziner aus Gießen.

Die Sepsis ist eine oftmals tödlich verlaufende Erkrankung. Sie entsteht durch das Eindringen von Bakterien aus einem Infektionsherd in die Blutbahn. Dadurch kann eine Vielzahl von Entzündungen in anderen Organen ausgelöst werden. Bisher fokussierten die Behandlungsstrategien vor allem auf die Bekämpfung der Entzündungsreaktionen, die für die Ausbildung des Multiorganversagens verantwortlich gemacht wurden sowie auf die Unterstützung des ausgefallenen Einzelorgans. „Leider konnte die Sterblichkeit dadurch bisher nicht entscheidend gesenkt werden, so dass es notwendig war, neue Mechanismen der Ausbildung eines MODS zu identifizieren und deren Relevanz zu untersuchen“, sagt der hallesche Kardiologe, der in Halle Medizin studierte und seit zehn Jahren an der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III beschäftigt ist.

So deuteten erste theoretische Befunde Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts darauf hin, dass auch die Kommunikation zwischen den Organen und somit eine Grundvoraussetzung des gesunden menschlichen Körpers - schneller Informationsaustausch zwischen den Organsystemen, um auf wechselnde Situationen adäquat reagieren zu können - gestört sein könnte. Die Arbeitsgruppe von Dr. Schmidt konnte hierfür erste praktische Beweise präsentieren, indem sie Verfahren anwandte, die wichtige Informationen über das Zusammenspiel von beispielsweise Herz und Lunge beziehungsweise Herz und Hirn in kritischen Situationen lieferten (Herzfrequenzvariabilität aus dem 24-Stunden-EKG, Chemoreflex- und Baroreflexsensitivität, approximierte Entropie). Diese Zusammenarbeit der Organsysteme ist bei Sepsis und MODS beeinträchtigt.

Durch die Arbeiten der halleschen Wissenschaftler konnten somit neue potentielle therapeutische Ansätze für die Behandlung von Sepsis und MODS aufgezeigt werden. In retrospektiven Studien konnten sie bereits Hinweise auf günstige Effekte der neuen Behandlungsstrategien bei MODS-Patienten erbringen. So waren die halleschen Wissenschaftler eine der ersten Forschungsgruppen weltweit, die die potentielle Relevanz der Behandlung von Patienten mit Sepsis und MODS mit Statinen (eigentlich „Fettsenker“, aber als „Nebeneffekt“ auch potentiell nützlich für die Verbesserung der Kommunikation der Organe) erkannten und somit die derzeit in der wissenschaftlichen Welt laufende Diskussion über diese Anwendung der Statine mit initiierten. Ähnliche Ansätze konnten für andere Medikamentengruppen aufgezeigt werden. Die Ergebnisse der Arbeiten eröffnen somit neue Ansätze, die therapeutisch genutzt werden könnten, um die hohe Letalität von Sepsis und MODS in einer günstigen Weise zu beeinflussen.

Die geehrte Arbeit trägt den Titel: „Die autonome Dysfunktion von Patienten mit Multiorgandysfunktionssyndrom – Beiträge zur Analytik, Charakterisierung, Prognoserelevanz und Altersabhängigkeit“ und ist die Habilitationsschrift von Dr. Schmidt.

Jens Müller
Unternehmenskommunikation
Leiter und Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
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Jens Müller | Universitätsklinikum Halle (Saal
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