Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ist ein erfülltes Leben möglich?

03.07.2008
Richard Sennett erhält den Gerda Henkel Preis 2008

Die Gerda Henkel Stiftung verleiht den diesjährigen internationalen Gerda Henkel Preis dem amerikanischen Soziologen und Kulturhistoriker Professor Dr. Richard Sennett.

Das Stiftungskuratorium folgte damit einer Empfehlung der Jury unter Vorsitz von Professor Dr. Lord Ralf Dahrendorf, der Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik sowie die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung angehören. Der Gerda Henkel Preis wird in zweijährigem Turnus für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Historischen Geisteswissenschaften vergeben. Mit einem Preisgeld von 100.000 Euro zählt er zu den am höchsten dotierten Ehrungen in diesem Bereich. Die Verleihung findet am 10. November 2008 in Düsseldorf statt.

In der Begründung der Jury heißt es: "Richard Sennett ist eine der bedeutenden geistigen Leitfiguren der Gegenwart. In seinen vielgelesenen Büchern überschreitet er mühelos die Fachgrenzen der geisteswissenschaftlichen Disziplinen, insbesondere von Soziologie und Geschichte, Psychologie und Philosophie. Seine stupenden Kenntnisse und sein theoretischer Sinn zeigen den Wissenschaftler, doch erweisen Lebenserfahrung Temperament und Stil ihn auch als Künstler. Sein großes Thema gilt der Frage, wie ist ein erfülltes Leben angesichts der Auflösungstendenzen moderner Gesellschaften möglich. Zwei zentralen Lebensbereichen widmet Sennett besondere Aufmerksamkeit, der Stadt und der Arbeit.

... mehr zu:
»Geisteswissenschaft

In beiden sind alte Tugenden der Selbstverwirklichung durch Fertigkeiten, des Miteinander bei aller Flexibilität, des Respekts auch unter Ungleichen neu zu entwickeln. Sennett ist Kulturkritiker ohne larmoyanten Kulturpessimismus. Wie seine Lehrer Hannah Arendt und David Riesman wirkt er als Mentor, und zuweilen als Prophet. Bei alledem bleibt er, wie sein Freund Michel Foucault, ein Anreger der Geisteswissenschaften".

Richard Sennett, geboren am 1. Januar 1943 in Chicago, Illinois, begann seine berufliche Laufbahn an der Juillard School, New York, mit einem Studium der Musikwissenschaften und des Violoncello. Aufgrund einer fehlgeschlagenen Operation an der Hand entschied er sich für eine wissenschaftliche Karriere. Nach einem Abschluss in Urbanistik an der Harvard University gründete Sennett zunächst in Cambridge, Massachussetts, das Cambridge Institute, ein soziologisches Forschungszentrum.

Als Gründungsdirektor des renommierten "New York Institute of the Humanities" an der New York University förderte er ab 1975 den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Medien. Richard Sennett ist Berater der UNESCO auf dem Feld der Städteplanung. Er lebt und lehrt in zwei Metropolen, als Professor an der New York University und der London School of Economics.

Die Aktualität seiner Forschungen und ein besonderes Ausdrucksvermögen lassen seine Bücher ein großes Publikum finden. Deutschen Lesern ist er u. a. durch seine Werke "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens: Die Tyrannei der Intimität" (1983), "Autorität" (1985), "Civitas, Die Großstadt und die Kultur des Unterschieds" (1991), "Fleisch und Stein: Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation" (1995), "Der flexible Mensch: Die Kultur des neuen Kapitalismus" (1998) und "Respekt im Zeitalter der Ungleichheit" (2002) bekannt. Dass er den Glauben an die Möglichkeit einer besseren Zukunft nicht verloren hat, belegt der Autor auch mit dem 2008 erschienenen Buch "Handwerk", in dem er die Beziehungen zwischen dem Herstellen materieller Dinge und dem Nachdenken darüber erforscht. Das Buch führt Sennetts seit Langem bestehende Überlegungen zur Kultur der Arbeit zusammen.

"Wir freuen uns außerordentlich über diese Entscheidung", so der Vorsitzende des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung Dr. Michael Hanssler. "Der Gerda Henkel Preis fördert exzellente Wissenschaftler, von deren Forschung und internationaler Sichtbarkeit wichtige gesellschaftliche Impulse ausgehen. Richard Sennett wirkt in diesem Sinne mit seinen Arbeiten in besonderer Weise über nationalstaatliche Grenzen hinweg.".

Professor Sennett ist Mitglied zahlreicher internationaler Organisationen und wissenschaftlicher Akademien, darunter der American Academy of Arts and Sciences, der Royal Society of Literature und der Royal Society of the Arts. 1998 wurde er mit dem Premio Europeo Amalfi per la Sociologia e le Scienze Sociali, 1999 mit dem Preis "Das politische Buch" der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Er ist Träger des Hegel-Preises der Stadt Stuttgart (2006).

Die Gerda Henkel Stiftung
Die Stiftung wurde 1976 von Lisa Maskell zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel als gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Düsseldorf errichtet. Ausschließlicher Stiftungszweck ist die Förderung der Wissenschaft, vornehmlich der Historischen Geisteswissenschaften. Die Stiftung ist in Deutschland und international tätig. In den 32 Jahren ihres Bestehens wurden rund 4500 Forschungsvorhaben mit ca. 70 Millionen Euro unterstützt. Im vergangenen Jahr stellte die Stiftung für 346 Projekte Fördermittel in einer Höhe von mehr als 6,7 Millionen Euro bereit.
Kontakt
Pressestelle der Gerda Henkel Stiftung, Dr. Sybille Wüstemann
Telefon: +49 (0)211 93 65 24 0, E-Mail: wuestemann@gerda-henkel-stiftung.de

Dr. Sybille Wüstemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.gerda-henkel-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Geisteswissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie