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Auszeichnungen für herausragende wissenschaftliche Leistungen

02.12.2011
Auf der Festsitzung zu ihrem diesjährigen Einsteintag am 02. Dezember 2011 im Nikolaisaal in Potsdam verleiht die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften den Eva und Klaus Grohe-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Infektiologie, den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gestiftet von der Monika Kutzner Stiftung zur Förderung der Krebsforschung, den Walter de Gruyter Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und den Liselotte Richter-Preis der Leibniz-Edition Potsdam der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

• Der Eva und Klaus Grohe-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Infektiologie geht an den Mykobakteriologen PD. Dr. rer nat. Stefan Niemann, der zu den weltweit führenden Forschern auf dem Gebiet der Populationsgenetik von Tuberkulosebakterien gehört.

• Den Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gestiftet von der Monika Kutzner Stiftung zur Förderung der Krebsforschung erhält der Dermatologe PD Dr. med. Alexander Rösch, der mit seinen Forschungen wesentlich zum Verständnis der Tumorentstehung und –progression beigetragen hat.

• Der Walter de Gruyter Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wird an die Empirische Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. rer. soc. Monique Scheer verliehen, die in ihren Arbeiten u.a. anhand von Marienerscheinungen im 20. Jahrhundert religiöse Traditionen, alltagsweltliche Kultpraxis und politische Instrumentalisierung untersucht hat.

• Den Liselotte Richter-Preis der Leibniz-Edition Potsdam der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften erhalten Ludwig Kuhn, Mirjam Sabionski und Nele Tast vom Gottfried Arnold Gymnasium Perleberg, die Leibniz’ Text „L’Allemagne Vangée. Satyre“ zum deutsch-französischen Verhältnis ediert haben.

Zu den Preisträgern:

Stefan Niemann, Jahrgang 1964, hat von 1986 bis 1992 an der Universität Bielefeld Biologie studiert und hier 1996 mit „magna cum laude“ promoviert. 2004 erfolgte die Habilitation in den Fächern Mikrobiologie und Molekulare Biologie. Während seiner Promotion arbeitete Stefan Niemann in der molekularbiologischen Forschung am Lehrstuhl für Genetik in Bielefeld. Er übernahm anschließend die Leitung des Labors für molekulare Typisierung im nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel. Bereits in dieser Zeit leitete er eigenverantwortlich Forschungsprojekte und wirkte in nationalen und internationalen Konsortien auf dem Arbeitsfeld der Mykobakteriologie mit. Seit 2004 ist er Privatdozent an der Universität Lübeck, seit 2006 Leiter der Arbeitsgruppe Mykobakteriologie am Forschungszentrum Borstel. Stefan Niemanns Forschungsgebiet ist die Tuberkulose. Seine Arbeitsgruppe ist sowohl national als auch international hoch angesehen. Stefan Niemann hat herausragende Forschungsbeiträge zur Entstehung und Verbreitung multiresistenter (MDR) und extrem resistenter (XDR) Tuberkulose-Erreger geleistet. Die umfangreichen Arbeitsergebnisse sind in Zeitschriften mit hohem Impact Factor wie „Nature Genetics“, „NEJM“, „PNAS“ und „PLosS Medicin Journal“ u.a. veröffentlicht worden. Die von ihm aufgedeckten Resistenzmechanismen für verschiedene Kausaltherapeutika und ein inzwischen weltweit im Einsatz befindlicher diagnostischer Test sind neben den erhobenen Schlüsseldaten zur Übertragbarkeit und Virulenz von MDR- und XDR- Stämmen besonders hervorzuheben. Sie tragen zur Effektivität der aktuellen Tuberkulosetherapie in Hochinzidenzregionen bei. Als weltweit einzigartig wird die von ihm kreierte Charakterisierung der pathobiologischen Diversität klinischer Isolate in Tbc-Infektionsmodellen eingeschätzt. Diese Erkenntnisse sind insbesondere von Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapeutika und Impfstoffe gegen Tuberkulose.

Stefan Niemann gehört auf dem Gebiet der Populationsgenetik von Tuberkulosebakterien zu den weltweit führenden Forschern. Dazu haben seine Beiträge zum Verständnis der globalen Populationsstruktur und der Adaption bestimmter phylogenetischer Linien an humanen Tbc-Populationen beigetragen. Darüber hinaus engagiert sich Stefan Niemann im Rahmen von EU-Förderprogrammen auf dem Gebiet der Tuberkuloseforschung. Er ist in nationale und internationale Fachorganisationen eingebunden. Seit 2010 ist er Präsident der europäischen Gesellschaft für Mykobakteriologie.

Alexander Rösch, Jahrgang 1974, ist Privatdozent und Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. Er hat von 1994 bis 2001 in Ulm Humanmedizin studiert und dort nach Abschluss des dritten Abschnittes der Ärztlichen Prüfung noch im gleichen Jahr mit einer experimentellen Arbeit zum Dr. med. promoviert (2001). Danach absolvierte er eine spezielle Ausbildung im Fach Dermatologie und Venerologie an der Universität Regensburg. Nach der Approbation war er zunächst wissenschaftlicher Assistenzarzt an der dortigen Klinik (2003 bis 2006), wurde 2006 Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und erhielt 2008 die Venia legendi für Dermatologie. Von 2007 bis 2010 absolvierte er einen DFG-Forschungsaufenthalt am Wistar-Institute Philadelphia/USA. Seit 2010 ist er Oberarzt für Dermatologie am Universitätsklinikum des Saarlandes.

Der wissenschaftliche Werdegang von Alexander Rösch ist geprägt von einer über Jahre konsequent verfolgten wissenschaftlichen Idee, auf dem Gebiet der Tumorforschung neue Wege zu beschreiten. Seine Arbeitsergebnisse stellen einen wesentlichen Beitrag für das Verständnis der Tumorentstehung und –progression dar. Nach Ansicht von Experten sind sie die Basis für einen Paradigmenwechsel in der Klärung der Ätiopathogenese des Melanoms und anderer solider Tumorentitäten. Die von ihm entwickelten Konzepte eines dynamischen, epigenetisch determinierten Tumorstammzell-Pools in soliden Tumoren haben zu neuen Lösungswegen geführt, die das ungünstige therapeutische Ansprechen fortgeschrittener Melanome und anderer solider Tumoren auf klassische chemotherapeutische Strategien erklären. Die von ihm erzielten Forschungsergebnisse eröffnen zugleich Wege für die Entwicklung neuartiger therapeutischer Konzepte. Sie fanden breite Resonanz in erstrangigen Journalen wie „Nature“, „Nature Medicine“, „Nature Reviews Cancer“ u.a. Ungeachtet mehrerer Angebote aus den USA ist Alexander Rösch nach seinem Forschungsaufenthalt in Philadelphia nach Deutschland zurückgekehrt, um eine eigene Arbeitsgruppe an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums des Saarlandes aufzubauen.

Neben seiner intensiven Forschungstätigkeit erfüllt Alexander Rösch in verantwortungsvoller Weise seine Aufgaben als Arzt und Dermatologe. Als Oberarzt ist er in die Klinik und die universitäre Lehre eingebunden; er betreut den operativ-onkologischen Bereich an der Hautklinik, einschließlich der Konzeption und Leitung neuer Studien. Alexander Rösch verkörpert das Ideal des forschenden Arztes.

Monique Scheer arbeitet zum Thema „Religiöser Enthusiasmus“. Sie ist in den USA geboren und aufgewachsen und hat ihren B.A. 1989 an der Stanford University gemacht, mit einem major in Geschichte. Schon während ihres Bachelor-Studiums und unmittelbar danach ging sie an die Universität Heidelberg und von hier 1990 zunächst für vier Jahre als Redakteurin zum Stuttgarter Georg Thieme Verlag. Anschließend setzte sie ihre akademische Ausbildung fort, zuerst mit einem Magisterstudium an der Universität Tübingen in den Fächern Empirische Kulturwissenschaft und Religionswissenschaft (MA 2000), dann mit einer Promotion ebendort (2005). 2011 folgte sie einem Ruf an das dortige Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft.

Aus ihrer Magisterarbeit ging bereits ein weitbeachteter Aufsatz hervor, den sie 2002 in der Fachzeitschrift American Historical Review publizierte. Der Text, der sich mit dem Bedeutungswandel schwarzer Madonnen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert beschäftigt, vereint geschichts-, religions- und kulturwissenschaftliche Perspektiven. Auch in ihrer Dissertation blieb Monique Scheer dieser Multiperspektivität treu. Sie untersuchte Marienerscheinungen im 20. Jahrhundert, vor allem in und nach den beiden Weltkriegen, und stellte sie in einen erfahrungsgeschichtlichen Kontext. Religiöse Traditionen, alltagsweltliche Kultpraxis und politische Instrumentalisierung bilden die Eckpunkte einer Studie, die sich als Beitrag zu einer empirischen Kulturwissenschaft versteht, aber ebenso gut in religions- oder geschichtswissenschaftliche Diskurse passt.

Von 2008 bis zu ihrer Rückkehr nach Tübingen war Monique Scheer, nach einigen kreativen Jahren im Tübinger Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen“ (2005-2007), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (bis 2011). Sie hat sich nun gleichsam mit ihren Forschungen von den Katholiken zu den Protestanten begeben, den Zeitraum erweitert (18. Jahrhundert bis heute) und den räumlichen Fokus bis in die USA ausgedehnt. Ihrem Interesse, Religion, Geschichte und Ethnologie zu verbinden, ist sie treu geblieben. Deshalb arbeitet sie auch nicht nur mit Texten, in denen sie die Spuren schwärmerischer Gefühle verfolgt, sondern auch mit teilnehmender Beobachtung und mit Interviews bei den protestantischen „mega-churches“, die sich rund um Stuttgart angesiedelt haben. Sie hat einen starken Sinn für theoretische Fragen und Konzepte, ist aber immer darauf bedacht, diese Konzepte am empirischen Material zu testen. Und sie ist eine Meisterin disziplinärer Verknüpfung.

Ludwig Kuhn (geb. 1993), Mirjam Sabionski (geb. 1994) und Nele Tast (geb. 1992) gehören dem Abiturjahrgang 2012 am Gottfried-Arnold-Gymnasium Perleberg an. Gemeinsam erlernen sie im Französisch-Grundkurs bei Christian Waldmann die französische Sprache. Hier wurden sie auch auf die Ausschreibung des Liselotte Richter-Preises aufmerksam. Sie edierten nach den Regeln der Akademieausgabe den von Leibniz’ eigener Hand geschriebenen Text „L’Allemagne Vangée. Satyre“ zum deutsch-französischen Verhältnis, das in der Leibniz-Zeit durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt war.

Der Liselotte-Richter-Preis der Leibniz-Edition Potsdam wird im Zweijahresrhythmus ausgelobt. Der bislang unter den Oberstufen der Gymnasien und Oberstufenzentren in Brandenburg ausgerufene Wettbewerb hat zum Ziel, die Oberstufenschüler/innen für die historisch-kritische Edition als einen Bereich geisteswissenschaftlichen Arbeitens zu interessieren, ihnen praktische Erfahrungen im Zusammenwirken mehrerer Disziplinen (z.B. Französisch und Geschichte oder Latein und Religion) zu ermöglichen und allgemein Freude am Umgang mit Texten zu wecken. Der Wettbewerb wird von der Leibniz-Edition Potsdam betreut.

Pressekontakt:
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Leitung Referat Information und Kommunikation
Gisela Lerch
Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
Tel. 030/20370-657, Fax: 030/20370-366
E-Mail: glerch@bbaw.de

Gisela Lerch | idw
Weitere Informationen:
http://www.bbaw.de/

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