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Auszeichnung für einen genialen Kupfer-Trick

15.06.2010
Polnisch-amerikanischer Polymer-Wissenschaftler Krzysztof Matyjaszewski erhält den mit 10.000 Euro dotierten Gutenberg Lecture Award der Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ)

Für seine bahnbrechenden Entwicklungen in der Polymer-Herstellung hat der polnisch-amerikanische Wissenschaftler Professor Dr. Krzysztof Matyjaszewski am Dienstag den Gutenberg Lecture Award 2010 erhalten. Matyjaszewski zählt zu den renommiertesten Chemikern weltweit.

Er lehrt und forscht an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA. Den mit 10.000 Euro dotierten Gutenberg Lecture Award erhält der Wissenschaftler vor allem für die Entwicklung eines neuartigen Verfahrens zur Synthese von Polymeren, durch das maßgeschneiderte Kunststoffe hergestellt werden können. Matyjaszewski konnte durch die Verwendung von Kupfer-Katalysatoren eine Vielzahl bis dato unkontrollierbarer Polymerisationen steuern.

Anwendung finden die resultierenden maßgeschneiderten Kunststoff-Materialien auf den verschiedensten Gebieten, so zum Beispiel als Beschichtungen und Haftmittel, in Druckerfarbe aber auch in Kosmetika sowie in der Medizin und Pharmazie, wo sie beispielsweise als Überzug von Gefäßstützen zum Einsatz kommen. „Professor Matyjaszewski hat mit seinem Verfahren die Polymersynthese revolutioniert und damit zahlreiche Forschungsfelder beeinflusst. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er zu den meistzitierten Chemikern überhaupt gehört“, so Professorin Dr. Claudia Felser, Direktorin der Graduiertenschule MAINZ – Materials Science in Mainz, die den Preis alljährlich vergibt.

Krzysztof Matyjaszewski kam 1985 in die USA und entwickelte dort seit Anfang der 1990er Jahre, zeitgleich mit dem japanischen Wissenschaftler Mitsuo Sawamoto, die „Atom Transfer Radical Polymerization“ (ATRP). Es handelt sich dabei um ein Verfahren der kontrollierten radikalischen Polymerisation, das durch meist kupferhaltige Reagenzien den Zusammenbau der einzelnen Bausteine in hohem Maße kontrollierbar macht und so den Aufbau der resultierenden Kunststoff-Moleküle präzise gestalten lässt. Die ATRP erlaubt die Herstellung von neuen Materialien, die den bisherigen in ihren Eigenschaften, ihrer Anwendbarkeit und Funktionalität überlegen sind. Dadurch können beispielsweise auch Oberflächen mit antibakterieller Wirkung hergestellt werden. Diese spielen unter anderem in der Medizin (Prothetik) und in der Verpackungsindustrie eine bedeutende Rolle. Hunderte von Chemikern weltweit arbeiten inzwischen mit dem Verfahren des Preisträgers. Die Arbeiten und Entdeckungen Matyjaszewskis geben jedoch nicht nur Anstöße für die akademische Forschung, sondern eröffnen außerdem der Industrie neue Horizonte.

1972 erwarb Krzysztof Matyjaszewski an der Technischen Universität Moskau sein Diplom in Chemie. An der Polnischen Akademie der Wissenschaften wurde er 1976 promoviert. Seit 1985 ist er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und leitet heute dort das Center for Macromolecular Engineering. Das Web of Science listet mehr als 600 Veröffentlichungen aus seinem Arbeitskreis, die mehr als 34.000 Mal zitiert wurden. Damit gehört er derzeit zu den drei meistzitierten Polymer-Chemikern weltweit. Darüber hinaus meldete Matyjaszewski nahezu 80 Patente an. Er ist Ehrendoktor an Universitäten in Frankreich, Russland, Polen, Griechenland und Belgien und Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften. 2004 erhielt er den Foundation for Polish Science Award, der als höchste wissenschaftliche Auszeichnung in Polen gilt, und 2009 den „Presidential Green Chemistry Challenge Award“ der US-Umweltschutzbehörde EPA für umweltfreundliche Verfahren auf der Basis seiner neuen Technologie. Zuvor war er 1999 mit dem Humboldt Preis für US-amerikanische Wissenschaftler geehrt worden. 1998 wurde er mit der Elf-Professur der Academie Francaise und 1989 mit einem Presidential Young Investigator Award in den USA ausgezeichnet.

Matyjaszewski ist Mainz als Zentrum der Polymerforschung in Deutschland bereits in der Vergangenheit freundschaftlich verbunden gewesen und hat hier schon mehrere wissenschaftliche Aufenthalte verbracht. Eine sehr enge Zusammenarbeit besteht mit Arbeitsgruppen der Polymerforschung an der Universität Mainz und am Max-Planck-Institut für Polymerforschung, wo er seit 2009 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats ist. „Die Verleihung des Gutenberg Lecture Award 2010 an Professor Matyjaszewski wird dazu beitragen, die Verbindung der Mainzer Materialwissenschaftler im Verbund der Graduiertenschule Materials Science in Mainz mit diesem wissenschaftlich herausragenden, produktiven, international anerkannten und überaus einflussreichen Wissenschaftler weiter zu stärken und zu vertiefen“, so Prof. Gerhard Wegner in seiner Laudatio für den Preisträger.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/presse/37667.php
http://www.mainz.uni-mainz.de

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