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Auszeichnung für Erforschung der Genregulation

29.03.2010
Professor Jörg Vogel erhält den Forschungspreis 2010 der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie

Jörg Vogel hat sich der Ribonukleinsäure (RNA) verschrieben: sein ganzes Forscherleben spürt er ihr schon nach - und das mit großem Erfolg. Für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der RNA-Biologie erhielt der 42-jährige Wissenschaftler jetzt den Forschungspreis der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Der mit 10.000 € dotierte Preis wurde Jörg Vogel am 28.3.2010 auf der VAAMJahrestagung in Hannover durch dessen Präsident Prof. Axel Brakhage überreicht.

"Er vertritt sehr prominent das Gebiet der Forschung an kleinen RNA-Molekülen in pathogenen Bakterien in Deutschland", begründete das internationale Auswahlkomitee seine Entscheidung. "Jörg Vogels völlig neue Erkenntnisse zur Regulation von bakteriellen Genen durch kleine RNAs während der Infektion sind international anerkannt - und lassen auch in den nächsten Jahren spannende und hochwertige Beiträge des Wissenschaftlers erwarten."

Etliche Jahrzehnte war die RNA lediglich als Botenstoff der Erbinformation bekannt und für ihre Bedeutung während der Proteinbiosynthese. Im Jahre 2001 jedoch rüttelte eine sensationelle Entdeckung die Fachwelt auf: Forscher fanden ein riesiges Reich an kleinen RNA-Partikeln in Bakterien und in höheren Organismen. "Heute wissen wir, dass die Anzahl an kleinen regulatorischen RNA-Molekülen in Bakterien so groß ist wie die an regulatorischen Proteinen", erklärt Jörg Vogel den neuen Blickwinkel der Wissenschaft auf die kleinen Partikel. An der Erkenntnis, dass kleine RNAs weit mehr biologische Funktionen haben als zuvor angenommen ist Jörg Vogel maßgeblich beteiligt gewesen. Über 30 Veröffentlichungen über die kleinen Regulatoren hat Vogel bereits publiziert, unter anderem in Nature, PLoS Biology und Molecular Microbiology.

Vogel und sein Team fokussieren dabei auf die Rolle der kleinen RNAs in Krankheitserregern. Seine Arbeitsgruppe RNA-Biologie, bisher am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin ansässig, arbeitet unter anderem an einer umfassenden Genkarte von kleinen RNAs und ihren Funktionen im Durchfallerreger Salmonella und im Magenbakterium Helicobacter pylori. In letzterem gelang Vogel und seinem Team kürzlich ein Durchbruch: der erstmalige Nachweis von sRNAs in Helicobacter (Sharma et al. 2010, Nature, 464(7286):250-5).

Momentan packt Vogels Forscherteam gerade seine Koffer: Er folgt dem Ruf zum Direktor des renommierten Instituts für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg. Hier sollen in Zukunft besonders die räumliche und zeitliche Auflösung der Genregulation durch sRNAs im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen. Vogel empfindet die Auszeichnung auch als Hommage an sein Fachgebiet: "Der VAAMPreis hebt die Bedeutung der sRNA-Regulation hervor", freut er sich, "Das hat Signalwirkung im In- und Ausland".

Prof. Dr. Jörg Vogel (42) studierte Biochemie an der Humboldt Universität zu Berlin und am Imperial College, London. Nach seiner Promotion (Prof. Thomas Börner, HU Berlin) war er als Postdoc in Uppsala (Schweden) und als EMBO-Fellow in Jerusalem (Israel) tätig. Von 2004 bis 2010 leitete er eine selbständige Nachwuchsgruppe am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Seit November 2009 ist er Leiter des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg und damit Nachfolger von Prof. Jörg Hacker (2008-10 Präsident des Robert Koch-Instituts und heute Präsident der Leopoldina).

Die VAAM feiert dieses Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Sie vertritt rund 3300 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von Bakterien und Pilzen in Lebensmitteln und Gewässern über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung von Mikroorganismen und ihren Enzymen. Die jährliche Frühjahrstagung findet dieses Jahr vom 28. bis 31. März zusammen mit der DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie) in Hannover statt.

Ansprechpartner:
Dr. Sabine Englich (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
Tel.: +49[0]30 / 28 46 0-142
E-Mail: englich@mpiib-berlin.mpg.de

Dr. Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

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