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Alexander von Humboldt-Professuren vergeben

15.10.2008
Jeweils bis zu fünf Millionen Euro für neun internationale Spitzenforscher / BMBF-Preis holt herausragende Wissenschaftler nach Deutschland

Acht Forscher und eine Forscherin sind jetzt für die erstmals vergebenen Alexander von Humboldt-Professuren ausgewählt worden. Mit dem höchstdotierten internationalen Preis für Forschung in Deutschland zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung weltweit führende und im Ausland tätige Wissenschaftler aller Disziplinen aus. Der Preis ist mit bis zu fünf Millionen Euro dotiert und soll den Preisträgern ermöglichen, fünf Jahre lang zukunftsweisende Forschung an deutschen Hochschulen durchzuführen.

Jährlich können ab diesem Jahr bis zu zehn der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Preise verliehen werden. Die jetzt ausgezeichneten Forscher sollen ihre Arbeit im kommenden Jahr beginnen und treten nun in die abschließenden Verhandlungen mit den nominierenden Universitäten in Deutschland ein. Die Preisverleihung findet im Mai 2009 in Berlin statt.

"Ich freue mich sehr, dass wir hervorragende Kandidaten für den Preis benennen können. Die Alexander von Humboldt-Professur ist ein starkes Argument für Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher aus aller Welt, nach Deutschland zu kommen", sagte Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan am Mittwoch in Berlin. "Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag, um Forschung und Hochschulen in Deutschland dauerhaft in der internationalen Spitzenliga zu halten", so Schavan.

"Spitzenforschung ist heute Teamarbeit. Und doch sind es oft die einzelnen herausragenden Forscherpersönlichkeiten, ihre Ideen, ihre Kreativität und Energie, die den Unterschied machen. Mit der Alexander von Humboldt-Professur holen wir sie nach Deutschland, damit sich um sie herum starke Teams und dauerhafte Strukturen bilden. Damit tragen wir das Harnack-Prinzip in die Universitäten", so Professor Helmut Schwarz, der Präsident der Humboldt-Stiftung.

Den Hochschulen eröffnet der Preis die Chance, internationalen Spitzenkräften konkurrenzfähige Rahmenbedingungen und eine langfristige Perspektive für die Arbeit in Deutschland zu bieten sowie ihr Profil zu schärfen. Wie trägt der Preisträger dazu bei, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule in seinem Fachgebiet zu stärken oder zu halten? Wie wird eine langfristige Perspektive sichergestellt? Diese Fragen muss die vorschlagende Hochschule in einem strategischen Gesamtkonzept beantworten, das neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten das entscheidende Kriterium für die Auswahl der Preisträger ist.

Die Preisträger und ihre Universitäten in Deutschland sind:

Oliver Brock, 38, Informatiker, zurzeit an der University of Massachusetts, USA. Oliver Brock soll künftig an der Technischen Universität Berlin forschen. Brock ist ein Vorreiter der Erforschung von künstlicher Intelligenz für autonome Roboter der nächsten Generation, die komplizierte Reaktionen und Bewegungsabläufe beherrschen und so z.B. zum Einsatz in Medizin, Raumfahrt oder bei radioaktiven Unfällen geeignet sind. An der TU Berlin soll Brock nicht nur diesen Forschungsschwerpunkt ausbauen, sondern auch den Partnerschaften mit anderen Wissenschaftseinrichtungen und der Industrie einen neuen Schub geben.

Piet Wibertus Brouwer, 36, Theoretischer Festkörperphysiker, zurzeit an der Cornell University, Ithaca, USA. Er soll künftig an der Freien Universität Berlin am Institut für Theoretische Physik forschen. Brouwer gilt in seiner Disziplin als einer der produktivsten und wichtigsten Köpfe. Er erforscht aktuelle Themen der Festköpertheorie und des Quantentransports an der Schnittstelle der Quantenwelt und der klassischen Welt. Unter seiner Federführung soll ein Zentrum für theoretische Physik an der FU Berlin entstehen, das Dahlem Center for Complex Quantum Systems.

Georgi Dvali, 44, Astrophysiker, zurzeit an der New York University, USA sowie am CERN in Genf, Schweiz. Er soll künftig an der Ludwig Maximilians Universität München forschen. Dvali gilt als einer der internationalen Topexperten der Teilchenforschung, der mit seinen Theorien zur Gravitationswechselwirkung in seinem Fach große Beachtung findet. Die Universität München will mit seiner Hilfe zu einem weltweit führenden Standort für kosmologische Teilchenforschung werden, der den Vergleich mit Princeton, Harvard oder Stanford nicht zu scheuen braucht. Dvali soll zudem am Münchener Max-Planck-Institut für Physik tätig sein, das mit der Universität München kooperiert.

Ulrike Gaul, 47, Molekularbiologin, zurzeit an der Rockefeller University, New York, USA. Sie soll künftig an der Ludwig Maximilians Universität München forschen. Ulrike Gaul ist eine der weltweit führenden und innovativsten Expertinnen für Systembiologie, einem in Deutschland bislang wenig etablierten Forschungsgebiet, das einzelne Gene oder Proteine nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang ihrer Wirkung im Körper erforscht. Gaul soll am Genzentrum München die Forschung zur Systembiologie auf internationales Topniveau bringen und durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen vernetzen.

Tamas L. Horvath, 41, Neurobiologe, zurzeit an der Yale University, New Haven, USA. Er soll künftig am Institut für Genetik der Universität zu Köln forschen. Tamas Horvath ist ein weltweit angesehener Experte auf dem Gebiet der Neuroendokrinologie und der Metabolismusforschung. Mit seinen Arbeiten soll er dazu beitragen, den Standort Köln zum international führenden Zentrum zur Erforschung der Biologie des Alterns und altersbedingter Krankheiten auszubauen. Hierzu ist die Zusammenarbeit mit dem neu in Köln angesiedelten Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns sowie mit dem für das im Aufbau befindlichen Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen der Helmholtz-Gemeinschaft vorgesehen.

Norbert Langer, 50, Astrophysiker, zurzeit an der Utrecht University, Niederlande. Er soll künftig an der Universität Bonn forschen. Norbert Langer gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der theoretischen Astrophysik. Er erforscht die Entwicklung massereicher Sterne bis hin zu ihrer Explosion als Supernovae. Mit seiner Expertise schließt er eine Lücke innerhalb der Bonner Astronomie und ergänzt so das vorhandene wissenschaftliche Portfolio. Erfolg versprechend ist auch die geplante Zusammenarbeit mit dem benachbarten Max-Planck-Institut für Radioastronomie.

Martin Bodo Plenio, 40, Quantenoptiker, zurzeit am Imperial College London, Großbritannien. Er soll an der Universität Ulm forschen. Plenio ist international führend auf dem Gebiet der Quanteninformationstheorie und hat bahnbrechende Arbeiten zur Verschränkung zwischen Quantensystemen geleistet. In Ulm soll er maßgeblich zur Entstehung des geplanten Center for Quantum Engineering beitragen, an dem Mathematiker, Physiker und Elektroingenieure auf Augenhöhe mit der Spitze der internationalen Konkurrenz zusammenarbeiten sollen.

Burkhard Rost, 46, Bioinformatiker, zurzeit an der Columbia University, New York, USA. Er soll künftig an der Technischen Universität München forschen. Burkhard Rost hat die Entstehung der Bioinformatik als heute unverzichtbare Disziplin maßgeblich mitgestaltet. Er soll seinem Fach in Deutschland neue Impulse und Schubkraft verleihen sowie eine Brücke schlagen zwischen den Biowissenschaften und der Medizin. Hierfür wird er in München eine Exzellenzforschergruppe aufbauen.

Thomas Tuschl, 42, Zellbiologe, zurzeit an der Rockefeller University, New York, USA. Er soll an der Freien Universität Berlin forschen. Thomas Tuschl zählt zur Weltspitze der biochemischen Forschung. Seine bahnbrechende Arbeit zur RNA-Interferenz hat die Möglichkeit geschaffen, einzelne krankmachende Gene quasi abzuschalten und hierauf basierend völlig neue Therapien zur Behandlung von Krankheiten zu entwickeln. Tuschl soll nicht nur den Forschungsbereich an der FU Berlin nach vorne bringen, sondern auch die Region Berlin mit ihren Biotechnik-Firmen als internationalen Standort stärken.

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