Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stroh als zukunftsreicher Treibstoff

15.10.2008
Forschungskonsortium setzt auf Biosprit der zweiten Generation

Bis 2020 sieht die EU-Biokraftstoffrichtlinie einen Biosprit-Anteil von zehn Prozent vor. Bisher wurde Bioethanol in erster Linie aus Getreide, Mais oder Zuckerrohr bzw. Zuckerrüben hergestellt. Kritiker haben bei der Biosprit-Herstellung die Konkurrenz mit Nahrungsmitteln als ethisch bedenklich eingestuft.

Seit einiger Zeit arbeiten Forscher allerdings daran, aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten wie etwa Schnittholz und Stroh Biosprit herzustellen. Forscher der FH OÖ Campus Wels sind intensiv damit beschäftigt, Stroh als Grundlage für den begehrten Treibstoff zu verarbeiten.

"Schon vor einigen Jahren hat es bei der Voest-Alpine-Industrieanlagenbau Studien zur Machbarkeit der Bioethanol-Herstellung aus Stroh gegeben", erklärt Alexander Jäger, Fachbereichsleiter Bio- und Umwelttechnik an der FH OÖ Campus Wels im pressetext-Interview. Dafür habe er sich bereits seit der Jugend interessiert, meint Jäger. Viele der damaligen Versuche seien aber in Vergessenheit geraten.

"Wir betreiben zunächst so etwas wie Wissenschaftsarchäologie", betont Jäger. Es sei gelungen die Versuche nachzustellen und dabei bereits neue Erkenntnisse zu gewinnen. "Bei dem Verfahren geht es im Prinzip darum, Zellulose aus Holz oder Stroh mit Hilfe von Enzymen in Zuckerbausteine aufzuspalten, die dann wie bei der normalen Bioethanol-Produktion zu Alkohol vergoren werden können", so Jäger. Konkret gehe es um die verbesserte Ausbeute des Strohs und dadurch auch um eine Kostensenkung, erklärt der Forscher.

Neue Enzyme haben die Forscher, die im Verbund mit der JKU Linz, der TU-Wien, der Universität Graz, dem Technologiezentrum Ennstal sowie der Lenzing AG und der Südchemie als Industriepartner arbeiten, bereits gefunden. "Neu ist auch, dass der Schritt der Verzuckerung und Vergärung, der früher nacheinander durchgeführt werden musste, nun parallel gemacht werden kann", so Jäger. Im Prinzip gehe es um die Optimierung der Verwertung jener Stoffe, die anfallen. Vom Anbau anderer Energie-Pflanzen wie etwa Eukalyptus hält Jäger nichts. "Wir wollen das nutzen, was da ist."

Auch die Menge an Zuckerrüben sei in Österreich nicht groß genug, um den Bedarf zu decken. "Das reicht bei weitem nicht aus", so Jäger. Die Menge an Biotreibstoffen, die man mit Stroh herstellen könne, mache zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs aus. "Sie liegt irgendwo zwischen 60 und 100 Petajoule", schätzt Jäger. Vorstellbar wäre indessen eine zweite Fruchtfolge auf den Feldern. "Das hat es ja früher auch gegeben", meint der Forscher. "Bevor dieser Prozess industriellen Einsatz findet, besteht aber noch großer Forschungsbedarf, denn derzeit steht der Erzeugungsaufwand noch in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zur Alkoholausbeute", erklärt Jäger abschließend im pressetext-Interview.

Der FH OÖ Campus Wels hat mehrere Forschungsaufträge erhalten, um aus Stroh das begehrte Bioethanol herzustellen. Aus den Forschungsprogrammen "Fabrik der Zukunft", "Energiesysteme der Zukunft" sowie "FH Plus" und "Coin" wurden den Welser Wissenschaftlern und ihren Forschungspartnern mehr als zwei Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Ab Januar 2009 wird unter der Leitung von Jäger und Heike Kahr ein Team von fünf Wissenschaftlern am Welser FH-Campus am Projekt Strohbioraffinerie arbeiten.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.fh-wels.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Körperenergie als Stromquelle
22.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht „Cool“ bleiben im Büro: Wasser als Kältemittel im Alltag bald vor Durchbruch?
22.08.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Chaos bei der Zellteilung – wie Chromosomenfehler in Krebszellen entstehen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

23.08.2017 | Förderungen Preise

Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie